Derzeit sind Wuppertaler Verkehrsteilnehmer stark gebeutelt, am kommenden Wochenende droht ein Verkehrschaos. Denn gleichzeitig werden die Bahnstrecke und die Autobahn 46 gesperrt sein. Zudem wird am heutigen Donnerstag vollständig und morgen teilweise im ÖPNV gestreikt. Pendler sind jetzt schon genervt und werden in den nächsten Tagen auf eine noch härtere Probe gestellt.
Ab dem 20. März und bis zum 3. April wird die Bahnverbindung aus und nach Wuppertal erneut vollständig gekappt sein – zum zweiten Mal seit Beginn der Generalsanierung vom 5. Februar bis zum 10. Juli. Die Menge an Bussen für den Schienenersatzverkehr (SEV) wird entsprechend zunehmen. Schon beim ersten Mal gab es zahlreiche Beschwerden und viele Meldungen über SEV-Busse, die sich verfahren oder festgefahren hatten.
Nun prallt diese starke Mobilitätsbeeinträchtigung auf die Arbeiten der Autobahn GmbH am Überflieger, der Verbindung von der L418 (Kiesbergtunnel, Burgholz, Cronenberg) zur A46. Bis zum 8. Mai ist die Auffahrt Richtung Düsseldorf nicht mehr möglich. Dann wird der Rückbau des bestehenden Überfliegers vorbereitet und die neue Verbindungsbrücke an die Fahrbahn der Autobahn angeschlossen.
Pendler brauchen
wesentlich länger
Damit nicht genug, wird am kommenden Wochenende von Freitag, 20 Uhr, bis Montag, 5 Uhr, die A46 zwischen den Anschlussstellen Cronenberg und Sonnborner Kreuz in beide Richtungen gesperrt. Eine Umleitung ist zwar mit rotem Punkt ausgeschildert, doch schon seit der Sperrung der Zufahrt über den Überflieger am Montag brauchen Autofahrer auf Autobahn, Zufahrtsstraßen und Umleitungsstrecken vor allem Richtung Düsseldorf viel Geduld. Im Berufsverkehr kam es zu langen Staus, die Dauer der Fahrt von Wuppertal nach Düsseldorf hat sich für viele locker verdreifacht.
Daniela Altkirchen berichtet etwa, dass es sich am Montag gerade im abendlichen Berufsverkehr an den Auffahrten Katernberg und Varresbeck stark zurückstaute, teilweise bis ins Tal hinein. Auch am Abschnitt der A46 bis zum Sonnborner Kreuz und darüber hinaus staute es sich lange. „Ich habe 40 bis 60 Minuten länger nach Hause gebraucht als sonst“, erzählt die Pendlerin. Ein Blick auf Google Maps zeigt ebenfalls vor allem sehr viel rot und gelb im Bereich des Sonnborner Kreuzes. Insbesondere die Alternativroute zum Überflieger, die von der L418 über die L74 zum Sonnborner Kreuz und von dort auf die A46 führt, ist am Mittwochabend dunkelrot eingezeichnet.
Eine nicht repräsentative Umfrage im Instagram-Profil der WZ zeigt: Von knapp 100 Nutzern sind 60 Prozent davon betroffen, nur sieben Prozent nutzen die Bahn. Die zusätzliche Fahrzeit variiert, von „15 Minuten länger“ bis „eine Stunde länger“ sind die Antworten ähnlich verteilt. Manche suchen ihr Glück in der Strecke über Land, andere können im Homeoffice arbeiten. Die meisten jedoch hoffen einfach auf Besserung. Die einhellige Meinung: „Katastrophe“ und „Fehlplanung“.
Auch Wuppertals Landtagsabgeordnete Dilek Engin (SPD) fährt regelmäßig nach Düsseldorf und findet die aktuelle Situation „sehr belastend“. Rund eine halbe Stunde mehr rechnet sie ein, plant ihre Termine entsprechend. Sie findet: „Da hat Verkehrsminister Krischer einiges nicht durchdacht.“ Auch ihr Partei- und Landtagskollege Andreas Bialas findet die Situation „ganz fürchterlich“. Er fährt früher los, versucht, vieles per Zoom zu erledigen, denkt schon an Umwege über andere Städte. Und sagt: „Man braucht Ruhe und Besonnenheit, um nicht durchzudrehen.“
Besonders scharf reagiert Marcel Hafke, der für die FDP als Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion im Landtag sitzt und Kreisvorsitzender der FDP Wuppertal ist: „Das derzeitige Verkehrschaos in Wuppertal ist das Ergebnis einer völlig unkoordinierten Baustellenpolitik auf allen Ebenen. Bund, Land und Kommune richten gemeinsam die Mobilität in unserer Stadt zugrunde.“ Er fordert eine bessere Abstimmung aller Beteiligten und macht dafür auch OB Miriam Scherff verantwortlich.
Die erklärt: „Es gibt Dinge, die man im Vorfeld abstimmen kann, das passiert und funktioniert dann auch. Wenn unplanmäßige Faktoren dazukommen wie größere Unfälle, technische Schwierigkeiten im Burgholztunnel oder Streiks durch Verdi, dann hat da niemand und erst recht nicht die Stadt Wuppertal einen Einfluss.“
„20 Jahre lang nicht
auf die Fachleute gehört“
Bessere Koordination fordert auch der ADAC Nordrhein, außerdem klare Kommunikation und mehr Tempo bei den Baustellen. Roman Suthold vom ADAC macht deutlich, dass NRW in Bezug auf Baustellen „gerade extrem geplagt“ ist: „Zwei Drittel aller deutschlandweiten Autobahnbaustellen befinden sich in NRW, das Land hat aber nur einen Anteil von 17 Prozent am Autobahnnetz.“ Ursache sei die marode Infrastruktur des Landes. „Das liegt daran, dass 20 Jahre nicht auf die Fachleute gehört wurde“, sagt er. Die hätten durchaus gewarnt. Er macht mit noch einem Vergleich die Lage deutlich: In NRW seien 30 Prozent der Brücken sanierungsbedürftig, in Bayern zehn Prozent.
Dabei gehe es nicht nur um Autobahnen, sondern auch um Landstraßen. „Straßen NRW will 400 Brücken in den nächsten Jahren sanieren.“ Davon seien erst 25 fertig, 35 in Bau und 42 sollen noch in diesem Jahr angegangen werden. Das zeige: „Die können gar nicht so schnell sanieren, wie sie müssten.“ Wuppertal sei durch seine Topgrafie besonders betroffen, die viele Bücken erfordere.
Ob die Verkehrslage nun dazu führt, dass der SEV in den nächsten Tagen andere Routen fährt und die Strecken, die ohnehin länger dauern als mit der Bahn, noch mal deutlich länger werden, lässt sich leider nicht beantworten. Die Deutsche Bahn konnte auf WZ-Anfrage unserer Redaktion bis zur gesetzten Frist keine Auskunft dazu geben – knapp zwei Tage vor Beginn der Vollsperrung der A46.