Mittwoch, 21:02 | Die Buchmesse ist eröffnet!
Nach einem Walzer von Strauß eröffnet Astrid Böhmisch als Chefin die Leipziger Buchmesse 2026. Damit kann es losgehen. Der Auftakt heute war schonmal aufregend und anregend. Die Gäste im Gewandhaus werten bei Häppchen die Veranstaltung aus – Gesprächsstoff gibt es genug.
Ab morgen dann auch Lesestoff auf der Messe selbst. Wir wünschen eine gute Nacht und bis morgen!
Mittwoch, 20:25 | Miljenko Jergović erhält Buchpreis
Jetzt erhält Miljenko Jergović den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Prämiert werden seine Erzählungen „Das verrückte Herz. Sarajevo Marlboro Remastered“. Jergović nimmt den Applaus dankend an. Dann lehnt er geduckt auf dem Rednerpult, spricht mit tiefer und ruhiger Stimme seine Dankesrede. In seinem prämierten Buch schreibt Jergović über die Belagerung von Sarajevo im Bosnienkrieg in den 90er Jahren. Heute spricht er vor allem über seinen Blick auf Europa: „Europa ist kein Ort der sich begrenzen lässt, sondern eine Idee“, sagt der kroatisch-bosnische Autor.
Seine Laudatorin Barbi Marković war zuvor voll des Lobes für ihn. Jergović widme sich immer wieder den Fragen der Zugehörigkeit, Freundschaft, Liebe und Gewaltbereitschaft, sagte sie: „Das Ergebnis ist ein bisschen dirty, ein bisschen zu kompliziert und zu menschlich. Jede dieser Geschichten ist ein Plädoyer für die unschubladisierbare mäandrierende Menschlichkeit.“
Mittwoch, 20:07 | Gewandhausorchester lockert die Stimmung auf
Das gut aufgelegte Gewandhausorchester unter der Leitung von Johanna Malangré brachte mit einem durchaus flotten und spielerischem Konzert von György Ligeti etwas Entspannung in die aufgeladene Atmosphäre im Saal.
Mittwoch, 19:45 | Michael Kretschmer wünscht sich Zukunft des Buchhandlungspreises
Sachsens Ministerpräsident Kretschmer betont, er wünsche sich eine Zukunft des Buchhandlungspreises – als Signal an den Handel und auch als Förderung. Er fordert dafür eine Lösung von allen Seiten: „Herr Weimer, Sie haben die Hand ausgestreckt – das finde ich gut“, sagt er in Richtung Kulturstaatsminister und in Richtung Guggolz: „Ergreifen Sie sie und reden Sie miteinander, finden Sie eine Lösung.“
Zur Causa Deutsche Nationalbibliothek sagt Kretschmer: „Wir hören erst auf, Bücher zu sammeln und zu archivieren, wenn es sie nicht mehr gibt und nicht schon vorher.“ In Richtung Weimer gibt er das Angebot, gemeinsam das notwendige Geld aufzutreiben.
Mittwoch, 19:35 | „Rücktritt“- und Buhrufe bei Weimers Rede
Als der Kulturstaatsminister ans Rednerpult tritt, gibt es Buhrufe und Menschen skandieren „Rücktritt“. In seiner Rede spricht er offensiv über die Kritik an ihm und verteidigt die Entscheidung, Buchläden vom Deutschen Buchhandlungspreis auszuschließen.
Es sei zwar von der Meinungsfreiheit gedeckt, wenn jemand „Deutschland verrecke“ äußere. Und es sei wichtig, dass das unter die Meinungsfreiheit fiele. Die andere Frage sei jedoch, ob man dafür staatliche Förderung bekomme, so Weimer. Für seine Argumente gibt es vereinzelt Applaus.
Zuvor hatte der Chef des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Sebastian Guggolz deutliche Kritik an Weimer geäußert: „Wir lassen uns nicht einschüchtern durch politische Interventionen, die unsere Freiheit und Unabhängigkeit in Frage stellen wollen“. Guggolz lobte anschließend, dass die Stadt Leipzig das Literaturhaus, das kurz vor der Pleite steht, retten will – als Ort des Austauschs über Literatur auch außerhalb der Buchmesse.
Mittwoch, 19:20 | Buchmesse Leipzig 2026 wird im Gewandhaus eröffnet
Die Eröffnung der diesjährigen Leipziger Buchmesse im vollbesetzten Gewandhaus hat begonnen. Dabei wird der kroatisch-bosnische Schriftsteller Miljenko Jergović den Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhalten. Das Gewandhausorchester spielt und in den vorderen Reihen sitzt einige Prominenz, unter anderem Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer.
Weimer wird eine Rede halten – vor einem Publikum, das ihm größtenteils derzeit nicht wohlgesonnen sein dürfte. Das wurde schon in der Rede von Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung deutlich. Er richtete sehr deutliche Worte an Weimer, die mehrmals lautstark vom Publikum goutiert werden. Der Oberbürgermeister dankte ihm mit Blick auf den Erweiterungsbau der DNT für seine „Besinnung“ und rief anspielend auf den Streit um den Buchhandlungspreis dazu auf, auch andere Meinungen auszuhalten.
Mittwoch, 18:45 | „Kunstfreiheit und Meinungsfreiheit stehen zur Diskussion“
Nach Veranstalterangaben haben sich bei der Demonstration rund 300 Menschen auf dem Augustusplatz versammelt. Einer der Demonstrierenden ist der Theologe und ehemalige sächsische Landtagsabgeordnete Frank Richter. Er ist nicht einverstanden mit Weimers Kulturpolitik: „Hier steht die Freiheitlichkeit unserer Gesellschaft zur Disposition“, sagte er MDR KULTUR. Die Buchmesse müsse ein Ort der freiheitlichen Diskussion bleiben. Das Interview mit ihm können Sie hier hören: