Bis zum Samstag sind die City-Arkaden in Elberfeld für vier Tage lang Gastgeber der 10. Ehrenamtsmesse. Und in diesem Jahr konnte das veranstaltende Zentrum für gute Taten (ZFGT) stolz einen Teilnehmerrekord von 45 Vereinen und Institutionen verkünden, die dem Publikum anschaulich zeigen wollen: „So geht Ehrenamt in Wuppertal“.
Die Eröffnung war Aufgabe der Wuppertaler Oberbürgermeisterin Miriam Scherff, die schon im Vorfeld über ihre Stadt sagen konnte, dass sich mehr als 50 Prozent der Wuppertaler Bürgerinnen und Bürger in den Sportvereinen, in der Kultur, in sozialen Einrichtungen, im Natur- und Umweltschutz und in der Nachbarschaftshilfe ehrenamtlich engagieren und damit ein beispielhaftes Zeichen für menschlichen Zusammenhalt setzen. Die vom für die Öffentlichkeitsarbeit in der Freiwilligenagentur „gute Taten“ zuständigen Moderator Stephan Heuschen interviewte Oberbürgermeisterin wies aber auch darauf hin, dass der Bedarf an ehrenamtlicher Unterstützung ständig wächst und man gern noch mehr als die bisherigen 610 Ehrenamtskarten als Anerkennung für gemeinwohlorientierte Arbeit zugunsten von Menschen aller Generationen ausstellen möchte.
Helfen kann jede und jeder, der gewillt ist, seine Fähigkeiten in den Dienst bedürftiger Menschen oder auch Tiere zu stellen. „Egal, ob man für in ihrer Bewegung eingeschränkte Menschen Einkäufe und Besorgungen erledigt oder sie beispielsweise zum Arzt begleitet, ob man handwerkliche Hilfen leistet oder am Krankenbett einfach mal nur zuhört, bei der Wuppertaler Tafel Essen austeilt, Hilfe kann jede und jeder leisten,“ so Christiane Mooren, Geschäftsführerin im Zentrum für gute Taten auf der Höhne in Barmen.
Mehr als 1000 Angebote
in der Datenbank
Dort umfasst die Datenbank auch mehr als 1000 Angebote von Wuppertaler Vereinen und gemeinnützigen Organisationen. In den 13 Jahren seines Bestehens führte das rund 30-köpfige, natürlich auch ehrenamtlich tätige Team, mehr als 3500 Vermittlungsgespräche für gut 2000 Interessierte aus 18 Nationen und führte so zusammen, was zusammenpasste. „Neben der Förderung des freiwilligen Engagements aller Generationen in Wuppertal sind die Hauptaufgaben des ZFGT vor allem Information, Beratung und Vermittlung von Menschen, die sich ehrenamtlich betätigen wollen“, heißt es in einer Beschreibung eigener Aufgaben des Büros. Zudem gibt es Video-Chats bequem von zu Hause aus oder die Online-Suche im Internet, die auch die seit Wochen sehr interessierten jungen Menschen nutzen, wie Christiane Mooren bestätigt.
Zur Ehrenamtsmesse in den City-Arkaden hat die Westdeutsche Zeitung einen zwölfseitigen Leitfaden in einer Auflage von 25 000 Exemplaren verfasst, die dort ausliegt und kostenfrei nahezu alle relevanten Fragen beantwortet. Zum Ablauf der informativen Ausstellung ist zu sagen, dass immer nur eine überschaubare Anzahl von Vereinen und Institutionen vor Ort ist. „Eine Gruppe ist morgens hier, und die zweite am Nachmittag bis in den frühen Abend“, erklärt Stephan Heuschen. Er weist darauf hin, dass sich an jedem Tag immer wieder neue Anbieter und Hilfe suchende Organisationen vorstellen.
Bei der Eröffnung am Mittwochmorgen war unter anderem das Lutherstift am Schusterplatz auf dem Ölberg mit einigen Stehtischen vertreten, und die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Larissa Schätzl sprach begeistert von 18 „Ehrenamtlichen“, darunter auch zwei Herren, die das Pflegepersonal unterstützen und vor allem ein offenes Ohr haben, wenn eine Bewohnerin oder ein Bewohner mal sein Herz ausschütten will. „Einer der beiden Herren kümmert sich auch um unseren Garten und hat dort auch eine Kranichnachbildung integriert, die eine Seniorin von zu Hause mitgebracht hat.“
Neben dem DRK (Deutsches Rotes Kreuz), bei dem Helfer an Torsos anschaulich demonstrierten, wie eine Herzmassage funktioniert, war auch der Ambulante Hospizdienst in der ersten Gruppe vertreten. Claudia Hagemann und Werner Altenburg waren die Gesprächspartner für Interessierte. Die erfuhren, dass Lehrgänge erforderlich sind, bevor erste Gespräche mit Patienten geführt werden können, die nur noch eine überschaubare Lebensdauer vor sich haben.
Völlig andere Unterstützerinnen und Unterstützer sucht die Stadtbibliothek, von der die Direktorin Karin Röhrich die Welt der Bücher vertrat. „Wir suchen vorlesende Damen und Herren, Menschen, die digitales Wissen vermitteln können und auch Sprachpaten“, verriet die Bibliothekarin. Nicht mit dem Titel eines Bibliothekars ist Manfred Oltmanns ausgezeichnet, der Woche für Woche die Bücher-Tafel im Rauen Werth ehrenamtlich betreut und ebenfalls für helfende Hände dankbar wäre.
Übrigens hat eine prominente freiwillige Helferin ihr Ehrenamt im Herbst vorigen Jahres zum Hauptberuf gemacht: Oberbürgermeisterin Miriam Scherff, die bis dahin fünf Jahre lang ehrenamtliche Bezirksbürgermeisterin in Cronenberg war und sich auch vorher kostenlos eingebracht hat. „Als ich mich damals engagiert habe, hatte ich nicht das Ziel, hauptberuflich in die Politik einzusteigen“, so das Stadtoberhaupt lachend.