Läuft man im Volksgarten am Fußballplatz von Schwarz-Weiß 06 Düsseldorf vorbei, bekommt man den Eindruck, dass es endlich vorangeht mit dem Wiederaufbau. Seit einem Jahr ist das abgebrannte Vereinsheim abgezäunt, die Brandruine größtenteils hinter Bauplanen verschwunden. Der Einbau neuer Fenster und Türen ist mittlerweile abgeschlossen. Zwar befinden sich die Bauarbeiten damit noch immer ziemlich am Anfang. Doch für den Verein aus Oberbilk ist dieser Zwischenstand ein Erfolg nach den vergangenen, mühseligen Jahren. Eine Leidensgeschichte, an der „acht von zehn Vereinen kaputtgegangen wären“, sagt Vereinschef Michael Drinhausen.
Schwarz-Weiß aber hat überlebt, und mittlerweile können sich Drinhausen und sein Vorstandskollege Mark von Dahlen auch verhalten optimistisch äußern. Bis Ende des Jahres soll der Wiederaufbau des zerstörten Vereinsheims abgeschlossen sein. Die Weihnachtsfeier will man in eigenen Räumen verbringen können, so der Plan. „Das wäre schön und ist aktuell unsere Hoffnung.“
Hoffnung, gepaart mit Resilienz war auch das Rezept, mit dem der Verein die vergangenen Jahre bewältigte. Seit im Oktober 2018 das Vereinsheim am Stoffeler Kapellenweg mutwillig angezündet wurde und bis auf die Grundmauern niederbrannte. Ein Einbrecher-Pärchen, das als Täter identifiziert werden konnte, hatte später angegeben, das Feuer zur Spurenverwischung gelegt zu haben.
Ein Schock für den Verein, der seither darum kämpft, seinen Mitgliedern irgendwann wieder ein normales Vereinsleben zu ermöglichen. Mit richtigen Kabinen anstelle der provisorischen, in die Jahre gekommenen Container. Und einer Gastronomie, in der sich Spieler und Zuschauer nach und während der Spiele aufhalten können.
Dabei war sich der Verein anfangs noch sicher, mit den Einschränkungen nur kurz leben zu müssen. „Wir waren ja schließlich versichert“, sagt Drinhausen. Dazu gab es Unterstützung von allen Seiten, etwa von Schlagerstar Heino, der in seiner Jugend bei Schwarz-Weiß gekickt hat, und von Fortuna Düsseldorf. Rund 1,5 Millionen sollte der Wiederaufbau kosten, ein Architekt wurde bereits beauftragt.
Probleme mit der Versicherung
Doch dann folgte der nächste Schock. Das Gutachten des Versicherers hatte eine Unterversicherung ausgemacht, gezahlt wurde daher weniger als die Hälfte der nötigen Summe. Der Verein zog dagegen zwar vor Gericht, verlor am Ende jedoch. „Eine Entscheidung, die wir bis heute nicht nachvollziehen können“, sagt von Dahlen.
Also wandte man sich an die Stadt und bat um Unterstützung aus dem Förderprogramm „Moderne Sportstätten“. Die sagte auch zu, bewilligte einen Zuschuss von 650.000 Euro und weitere 350.000 Euro als zinsloses Darlehen – allerdings erst zwei Jahre, nachdem Schwarz-Weiß den Antrag gestellt hatte. „Ende 2022 hatten wir die Finanzierung dann aber endlich so weit, dass wir hätten starten können“, sagt von Dahlen.
Hätten – denn mit den öffentlichen Zuschüssen war der Verein gezwungen, das Vergabeverfahren zu befolgen. Das bedeutet, dass Unternehmen für die erfolgreiche Bewerbung um den Auftrag zahlreiche Nachweise vorab erbringen müssen. Umsatz- und Mitarbeiterzahlen, Sozialversicherungen und Steuerunterlagen müssten eingereicht werden, zählt von Dahlen auf. Er ist Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, kennt sich mit dem bürokratischen Prozess gut aus.
Große Generalunternehmer haben das in der Regel schon beisammen. Doch während für diese das Volumen zu gering schien, scheuten kleinere Betriebe den Aufwand dieses Verfahrens. Zumal die Auftragsbücher vieler Handwerker ohnehin voll seien. Gleich mehrere Runden des Vergabeverfahrens liefen aus, ohne dass irgendein Angebot kam.
Also griff der Vorstand selbst zum Hörer und wandte sich direkt an die Betriebe. „Wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten“, seufzt von Dahlen. Eine Arbeit, die sich auszahlte. Für den Elektro-Ausbau konnte jemand gefunden werden, auch zu Heizung und Sanitär laufen Besichtigungen mit Betrieben. Dann sollen noch Fassade, Dachausbauten und zuletzt der Innenausbau folgen. Immer vorausgesetzt, dass sich darauf jemand bewirbt.
Hoffen auf bessere Zeiten
Mit dem Wiederaufbau des Clubheims verbindet der Verein die Hoffnung auf bessere Zeiten. Denn auch sportlich ging es seit dem Brand für die Herrenmannschaft von der sechstklassigen Landesliga runter in die Kreisliga. Dazu sank die Mitgliederzahl von mehr als 400 auf zuletzt knapp 350. Insbesondere im Jugendbereich sei es schwer geworden, unter den gegenwärtigen Umständen Eltern und Spieler vom Verein überzeugen zu können. „Eine B- und C-Jugend haben wir aktuell daher nicht“, sagt Drinhausen. Zumal auch der Zusammenhalt im Verein zuletzt darunter litt, dass es kaum Möglichkeiten zum Zusammenkommen unter den Mitgliedern gab. Am neuen Vereinsheim hängt also noch viel mehr als nur der Wiederaufbau eines bloßen Gebäudes.