Das Arbeitspensum des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) war am Vormittag des großen Stromausfalls im Januar deutlich kleiner, als er behauptete. Das haben Tagesspiegel-Recherchen aufgedeckt.

Jetzt werden weitere Details zum Tagesablauf von Wegner bekannt. Konkret geht es um seine Kontakte zur Stromnetz Berlin GmbH, deren Infrastruktur am frühen Morgen des 3. Januar durch einen mutmaßlich linksextremistischen Brandanschlag auf eine wichtige Kabelbrücke massiv geschädigt worden war.

„Weil ich einfach den Kopf freikriegen wollte“ Hat Kai Wegner beim Stromausfall zweimal gelogen?

„Nach unserem Kenntnisstand gab es am 3.1.2026 um 22.37 Uhr ein Telefonat zwischen dem Regierenden Bürgermeister und einem Mitglied der Entscheidungsgruppe des Krisenstabes der Stromnetz Berlin GmbH zum Thema der Krisenbewältigung“, erklärte ein Unternehmenssprecher schriftlich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Darüber hinaus sind keine Gespräche dokumentiert.“

Senatssprecherin Christine Richter teilte auf Anfrage mit, dass Wegner am 3. Januar um 12.07 Uhr von der zuständigen Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) einen Lagebericht mit den Aktivitäten der Stromnetz GmbH erhalten habe. „Ab 19.30 Uhr war der Regierende Bürgermeister in Kontakt mit der Stromnetz GmbH. Ein weiterer Kontakt mit der Stromnetz GmbH fand um 22.37 Uhr statt, nunmehr telefonisch.“

Wegner war bereits während des tagelangen Blackouts mit bis zu 100.000 betroffenen Menschen in die Kritik geraten, weil er ein etwa einstündiges Tennismatch am ersten Tag gegen Mittag zunächst verschwiegen hatte. Erst am 7. Januar hatte er das nach Recherchen des RBB publik gemacht.

Anfang dieser Woche war Wegner nach einem Bericht des Tagesspiegel erneut wegen seiner Schilderungen zum Tagesablauf am 3. Januar unter Druck geraten. Nach Angaben der Senatskanzlei hatte es am Vormittag zumindest noch keine Telefonate von Wegner mit dem Kanzleramt oder dem Bundesinnenministerium gegeben.

Alles gesagt?

Die Interpretation des Tagesspiegel entbehre jeder Grundlage, sagte Wegner am Dienstag zu der Berichterstattung. „Ich lasse rechtliche Schritte prüfen.“ Konkreten Angaben dazu, wann er wie lange mit wem telefoniert habe, machte er nicht. „Dazu ist alles gesagt“, sagte er vor Journalisten. „Ich stand mit diversen Stellen im Austausch. Und ich habe eine Stunde Tennis gespielt.“

Im Interview mit Welt TV hatte der CDU-Politiker am 7. Januar seine Aktivitäten am 3. Januar so geschildert: „Ich habe in der Tat um 8.08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen. Ich habe mit den Krisenstäben telefoniert, mit Stromnetz. Ich habe vor allen Dingen auch mit der Bundesregierung gesprochen, mit dem Bundeskanzleramt, mit dem Bundesinnenminister, hab die Voraussetzung geschaffen, dass wir die Bundeswehr auch mit in diese Krisenbewältigung bekommen.“

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Wegner führte in dem Interview weiter aus: „Und ja, dann habe ich von 13 bis 14 Uhr Tennis gespielt, weil ich einfach den Kopf freikriegen wollte. Ich war die ganze Zeit erreichbar, auch als ich Tennis gespielt habe, das Handy war auf laut gestellt, bin danach sofort zurückgefahren und habe weitergearbeitet.“

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Entgegen dem Wortlaut des Fernsehinterviews hatte Senatssprecherin Christine Richter am Dienstag dazu mitgeteilt, Wegner habe sich bei Welt TV nicht zu der Frage geäußert, wann er mit den genannten Stellen telefoniert habe. „Seine dortige Aussage zum Tennisspiel zwischen 13 und 14 Uhr war allein als Ergänzung zu verstehen.“

Die Bundesregierung bestätigte, dass es am 3. Januar mehrere Gespräche Wegners mit Bundeskanzler Friedrich Merz und Kanzleramtsminister Thorsten Frei (beide CDU) gegeben habe. Angaben zum genauen Zeitpunkt der Telefonate hatte ein Sprecher am Dienstag auf dpa-Anfrage nicht gemacht. (Tsp, dpa)