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Gardelegen – Nach mehr als einem Jahr Hoffnung steht ein deutscher Autozulieferer mit zwei Werken vor dem Aus. Die Boryszew Kunststofftechnik Deutschland GmbH (BKD) hat trotz intensiver Suche keinen langfristigen Investor gefunden. Seit dem Insolvenzantrag wurde unter Hochdruck verhandelt. Ziel: die Standorte des VW-Zulieferers zu retten. Doch alle Gespräche blieben ohne Erfolg.
Der Betrieb in den Werken in Gardelegen (Sachsen-Anhalt, 330 Mitarbeiter) und Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz, 100 Mitarbeiter) lief zwar stabil weiter, auch eine Fortführungsvereinbarung mit dem Volkswagen-Konzern kam zustande. Allerdings scheiterte es an anderer Stelle. Insolvenzverwalter Silvio Höfer von Anchor Rechtsanwälte zu BILD: „Wir haben uns seit dem Insolvenzantrag vor einem Jahr sehr intensiv mit der Suche nach einem langfristigen Investor beschäftigt. Es wurden viele Gespräche geführt, aber bisher ist es leider zu keiner Einigung gekommen. Wir bleiben aber weiter dran.“

Im Werk in Sachsen-Anhalt werden Plastikteile für den Innenraum hergestellt
Foto: picture alliance/Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa
Wie der Autozulieferer in die Insolvenz rutschte
Weil keine neuen Aufträge mehr vorliegen, die über das Ende des Jahres hinausreichen, startet nun die Vorbereitung für ein Auslaufen der Produktion zum Jahresende. Die Beschäftigten an beiden Standorten wurden am vergangenen Dienstag informiert. Die anhaltende Krise im Automotive-Sektor hatte bereits zur Insolvenz geführt. Den entsprechenden Insolvenzantrag hat Boryszew im März 2025 beim Amtsgericht Stendal gestellt.
Grund: Der Umsatz sank in den vergangenen Jahren von knapp 69 Millionen Euro auf rund 53 Millionen Euro. „Die aktuell angespannte Marktsituation hat es potenziellen Investoren unmöglich gemacht, eine tragfähige Perspektive für die Zukunft der Standorte zu entwickeln“, erklärt Silvio Höfer in einer Mitteilung.

Die Produktion bei BKD läuft noch bis zum Ende des Jahres
Foto: picture alliance/dpa
Wie es für die Mitarbeiter weitergeht
Bis zum Herunterfahren der Produktion am Ende des Jahres sollen die 430 Arbeitsplätze erhalten bleiben. In Verhandlungen mit den Betriebsräten und den Gewerkschaften wird eine sozialverträgliche Lösung angestrebt. Das Unternehmen fertigt spezialisierte Kunststoff- und Zinkdruckguss-Komponenten. Diese Teile werden u. a. im Autoinnenraum verbaut. Einer der größten Abnehmer ist VW.
Der Insolvenzverwalter in der Mitteilung weiter: „Ich möchte mich ausdrücklich bei allen Beschäftigten für ihren außerordentlichen Einsatz bedanken, der es erst ermöglicht hat, dass die Produktion über diesen langen Zeitraum trotz der Insolvenz fortgeführt werden konnte.“