Das Haus der Geschichte lenkt den Blick auf rechtsextremen Terror – in Vergangenheit und Gegenwart. Museumsdirektorin Cornelia Hecht-Zeiler verbindet damit ein konkretes Anliegen.
Das Stuttgarter Haus der Geschichte ist auch ein Haus der Gegenwart. Das zeigt sich aus Anlass einer Sonderausstellung zur Geschichte des Rechtsterrorismus im Südwesten. Bei der Ausstellungseröffnung am Mittwochabend im Hotel Silber, wo die Schau mit dem Titel „Rechtsextremer Terror“ bis 14. Februar 2027 zu sehen ist, ging es viel um gegenwärtige Entwicklungen.
Cornelia Hecht-Zeiler, Direktorin des Hauses der Geschichte, das für den Lern- und Gedenkort Hotel Silber zuständig ist, der aus einer bürgerschaftlichen Initiative entstanden ist, rief aktuelle Ereignisse in Erinnerung – etwa die laufenden „Reichsbürger“-Prozesse vor den Oberlandesgerichten Stuttgart, Frankfurt und München. Die Botschaft lautet: „Rechtsterrorismus ist kein abgeschlossenes Kapitel, sondern reicht bis in die Gegenwart hinein. Er bedroht die Menschen und die Demokratie im Land.“
Rechtsextremer Terror hat viele Formen
Der Begriff „Terror“ sei dabei bewusst gewählt, betont Hecht-Zeiler. Es gehe um kriminelle Taten, die darauf abzielten, Angst und Schrecken zu verbreiten und die freiheitlich-demokratischen Gesellschaft zu zerstören. Für die Sonderausstellung hat das Haus der Geschichte prägnante Beispiele aus dem Südwesten zusammengetragen – bekannte und weniger bekannte.
Beginnend mit dem Mord an dem Zentrumspolitiker Matthias Erzberger 1921 bei Bad Griesbach im Schwarzwald durch rechtsradikale Freikorps-Mitglieder, gefolgt vom rechten Terror von oben am Beispiel des 1945 von den Nationalsozialisten hingerichteten ersten württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz. Aus dem Jahr 1946 datieren Versuche ehemaliger SS-Leute und Wehrmachtssoldaten, durch Anschläge auf Spruchkammern, an denen Entnazifizierungsverfahren liefen, in Stuttgart, Backnang und Esslingen, rechten Terror zu verbreiten.
Auch die Mordserie der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) wird in der Ausstellung im Hotel Silber thematisiert. Foto: Jan Sellner
Die Ausstellung zeigt die vielen Gesichter und Ausprägungen dieses Terrors. Dazu gehört ein Mob, der 1957 in Magolsheim auf der Schwäbischen Alb das Haus einer Sinti-Familie zerstörte. Dazu gehört auch die Schändung jüdischer Friedhöfe oder der Mord an Martin Katschker, einem 17-Jährigen, der 1970 in Konstanz erschossen wurde. Zuvor hatte die NPD anlässlich eines Open-Air-Konzertes gegen „Hippies“ gehetzt; der Fall machte als „Gammlermord“ Schlagzeilen.
Rechtsterror – ein Angriff auf die freie Gesellschaft
Eindrücklich auch eine Gedenktafel, die an die von den NSU-Terroristen 2007 in Heilbronn ermordete Polizistin Michèle Kiesewetter erinnert. Die Reihe der Beispiele setzt sich fort bis in die Gegenwart, unter anderem mit der sogenannten Prinz-Reuß-Verschwörung im „Reichsbürger“-Milieu. Für die Ausstellungsmacher zeigt sich: „Rechtsextremer Terror ist kein Phänomen der Vergangenheit, und die Taten sind keine Einzelfälle“, wie Projektleiter Christopher Dowe sagt.
Mit der Ausstellung unternimmt das Haus der Geschichte den Versuch, „die Perspektiven der Betroffen aufzuzeigen, gesellschaftliche Reaktionen abzubilden und der Frage nach der juristischen Aufarbeitung der Taten nachzugehen“. Cornelia Hecht-Zeiler benennt das übergeordnete Ziel: „Wir wollen einen Anstoß geben, über die Gefahren von rechtsextremem Terror nachzudenken und dafür zu sensibilisieren, dass diese Gewalttaten immer auch einen Angriff auf die freie und vielfältige Gesellschaft, die Menschenrechte und die Demokratie darstellen.“
Eine Ausstellung, die dazu auffordert, Haltung zu zeigen
Die Besucher sind dabei nicht nur Betrachter, sondern sind auch aufgefordert, Stellung zu beziehen. Dazu dienen mehrere interaktive Stationen – etwa ein „Gewaltbarometer“, an dem Ausstellungsbesucher markieren können, wo aus ihrer Sicht Gewalt beginnt. Wer will, kann sich auch Aufkleber basteln, mit Vorschlägen, was man gegen Rechtsextremismus und für den Schutz der Demokratie unternehmen kann.
Die in Zusammenarbeit mit dem Generallandesarchiv Karlsruhe organisierte und von der BW-Stiftung und der Berthold-Leibinger-Stiftung finanzierte Ausstellung im Hotel Silber will Diskussionsstoff bieten – auch durch ein Begleitprogramm aus Vorträgen, Theater und Führungen. Die erste öffentliche Führung findet am Mittwoch, 25. März 2026, um 17 Uhr statt. Der Eintritt in die Ausstellung kostet 4 Euro (ermäßigt 3 Euro). Weitere Infos gibt es unter: https://www.hdgbw.de/ausstellungen/rechtsextremer-terror/