Zu seinem 87. Geburtstag hat sich der inzwischen 90-jährige Dieter Hallervorden einen Herzenswunsch erfüllt: Im September 2022 eröffnete er das Mitteldeutsche Theater in der Marienkirche in seiner Geburtsstadt Dessau.

Als sein jüngstes Kind bezeichnete Hallervorden die Bühne jetzt in der MDR-Talkshow „Riverboat“ und betonte: „Es war mir ein großes Bedürfnis, meiner Geburtsstadt Dessau etwas zurückzugeben.“ Er sei ja schließlich Ehrenbürger der Stadt, dafür müsse man auch etwas tun.

Dieter Hallervorden betreibt insgesamt drei Theater, zwei davon in Berlin: Er ist Intendant des traditionsreichen Schlosspark-Theaters in Steglitz sowie künstlerischer Leiter der Kabarett-Bühne Die Wühlmäuse am Theodor-Heuss-Platz, die er 1960 gegründet hatte.

Theater in Dessau: Ein waghalsiges Projekt

Das Theaterprojekt in Dessau sei ziemlich waghalsig gewesen, zu einer Zeit, als wegen Corona viele Spielstätten geschlossen wurden, sagt Hallervorden rückblickend. „Aber ich bin jemand, der Ziele verfolgt und von vornherein sagt, ich muss das auch erreichen – gegen alle Widerstände.“

Dieter Hallervorden mit seiner Frau Christiane Zander bei der Eröffnung des Mitteldeutschen Theaters in der Marienkirche Dessau

Dieter Hallervorden mit seiner Frau Christiane Zander bei der Eröffnung des Mitteldeutschen Theaters in der Marienkirche DessauThomas Bartilla/Imago

Hallervorden, über dessen Leben es anlässlich seines 90. Geburtstags auch eine ausführliche Dokumentation in der ARD-Mediathek gibt, wurde 1935 als Sohn eines Flugzeugkonstrukteurs und einer Arzthelferin in Dessau geboren, wo er mit zwei Schwestern aufwuchs.

Nach der Schule begann er ein Romanistikstudium an der Humboldt-Universität, das er nach seiner Flucht aus der DDR im Jahr 1958 an der Freien Universität in West-Berlin fortsetzte. Wie es im Alter von 22 Jahren zur Flucht kam, schildert Hallervorden in der Talkshow.

Der Stasi von der Schippe gesprungen

Er habe damals in der DDR auch als Übersetzer gearbeitet und dabei oft „das Gegenteil von dem gesagt, was mir die Parteileute vorgeschrieben hatten“. Weil diese Leute kein Französisch verstanden, sei das auch gut gegangen. Aber „bei einem großen Symposium auf Usedom mit Kommunisten aus allen westlichen Staaten“ habe er von seinem Techniker gesteckt bekommen, dass in den Blumengestecken Mikrofone versteckt waren und die Bänder gerade ausgewertet würden.

Da sei er „Hals über Kopf weg“. Später habe ihm die Wirtin seiner Unterkunft in Ost-Berlin erzählt, es seien kurz nach seinem Auszug zwei Herren aufgetaucht, die „sehr enttäuscht waren“, ihn nicht mehr anzutreffen. „Das heißt, ich bin der Stasi wirklich gerade so von der Schippe gesprungen“, so der Kabarettist.

Hallervorden erzählt von den Leitplanken in seinem Leben: Frieden und Gerechtigkeit. Er kommt auf die Meinungsfreiheit zu sprechen, die er als gefährdet ansieht, weil viele Leute sich nicht mehr trauten, zu heiklen Themen ihre Meinung zu sagen. Das durchbreche er ganz bewusst – „ohne Rücksicht auf private oder berufliche Nachteile“.

Die Marienkirche in Dessau ist die Heimat des Mitteldeutschen Theaters von Dieter Hallervorden.

Die Marienkirche in Dessau ist die Heimat des Mitteldeutschen Theaters von Dieter Hallervorden.Hartmut Boesener/Imago

Einmal beim Thema, wird Hallervorden politisch. Während der Dritte Weltkrieg hoffentlich an uns vorbeischramme, müsse man sich fragen: „Warum spricht man bei Putin von einem völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine und warum sagt man das bei USA und Israel im Falle Iran nicht?“

Er trete seit geraumer Zeit für den Frieden ein, so der Schauspieler, der als Kind während des Zweiten Weltkriegs die Luftangriffe auf Dessau miterlebt hatte. „Das sind Dinge, die einem ewig in Erinnerung bleiben“, so Hallervorden. Er spreche als jemand, der den Krieg erlebt hat, und könne „alle nur warnen, die sagen, sie werben jetzt für die Bundeswehr“, würden die Freiheit verteidigen. Kriegstüchtig zu sein, sei „eine Schwafelei sondergleichen“, die sogenannte Kriegstüchtigkeit für ihn das Unwort des Jahrhunderts.

Merz soll sich an Spanien ein Beispiel nehmen

In Richtung Friedrich Merz sagt Hallervorden, er hätte gern einen Bundeskanzler mit Rückgrat, der sich an Spanien ein Beispiel nimmt, den Iran-Krieg verurteilt und Flugbasen für das US-Militär sperrt. Man müsse sich zudem auf die Seite der Palästinenser stellen, „damit es irgendwann eine Zweistaatenlösung gibt“. Aus dem Publikum gibt es für diese Aussagen viel Applaus, die Moderatorin Kim Fisher sagt, sie lasse das jetzt einfach mal unkommentiert stehen.

In den sozialen Medien indes wird die Sendung durchaus kommentiert. „Danke an Dieter Hallervorden für sein Statement“, heißt es auf Facebook. Und: „Grandios, Dieter Hallervorden, einer, der die Wahrheit ausspricht und die anderen nervös werden lässt, besonders Kim Fisher.“ Andere User halten dagegen: „Unglaublich, was der Hallervorden dort unwidersprochen vom Stapel gelassen hat. Zweistaatenlösung beinhaltet zwei Staaten – und das ist genau das, was seine Freunde des Terrors nicht wollen, zwei Staaten.“