Aller guten Dinge sind drei: Nach zwei Vertagungen soll die Entscheidung über die Südumfahrung Hagsfeld am kommenden Dienstag, 24. März, endlich im Karlsruher Gemeinderat behandelt werden. Unter anderem geht es um Kostensteigerungen und die allgemeinen Planungen für das Großprojekt.

Denn: Noch immer sind nicht alle mit den Plänen für den Bau der Entlastungsstraße, die die Autobahnabfahrt Karlsruhe Nord mit der B10 und der L560 verbinden soll, zufrieden.

Keine Alternativen zur Umfahrung Hagsfeld geprüft

Besonders die seit Januar bekannte Kostenexplosion von ursprünglich 118 auf 132,5 Millionen Euro treiben einigen Stadträten angesichts der ohnehin schon klammen Stadtkasse die Schweißperlen auf die Stirn. Abgeordnete der Grünen, Linken und der Karlsruher Liste hatten daher in einer interfraktionellen Anfrage die Prüfung möglicher Alternativen zur Umfahrung gefordert – etwa die Umsetzung von Verkehrsmanagement-Systemen.

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Foto: Thomas Riedel

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Passiert ist das allerdings nicht, erklärt nun die Stadt. Der Grund: Die 1,3 Kilometer lange Trasse sei alternativlos: „Nur mit dem geplanten Lückenschluss können die Stadtteile Hagsfeld und Rintheim umfahren und damit vom Durchgangsverkehr entlastet werden“, heißt es in der Antwort auf die Anfrage. Diese Wirkung könne anschließend mit „weiterreichend verkehrsberuhigenden Maßnahmen verstärkt, aber nicht ersetzt werden“.

Keine weiteren verkehrsberuhigenden Maßnahmen möglich

Der Grund: Diese Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung können laut Stadt nur unter bestimmten Voraussetzungen durchgeführt werden, etwa wenn eine besondere Gefahrenlage vorliegt, die über das allgemeine Verkehrsrisiko hinausgeht. Das sei hier nicht der Fall.

In Hagsfeld seien jedoch bereits einige erste Maßnahmen umgesetzt worden, darunter:

  • Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h
  • Durchfahrtsverbote für Lkw
  • Bau eines Kreisverkehrs
  • Fahrbahnteiler
  • Fahrbahneinengungen
  • Verbesserungen der Radführung
  • Neuordnung der Stellplatzsituation im Rahmen des Projekts „Faires Parken“
  • Umbau der Brückenstraße mit Parkständen und Bäumen

Trassen-Varianten wurden nicht auf Kosten-Nutzen-Verhältnis geprüft

Eine Alternative gibt es auch für die Gestaltung der geplanten Trasse nicht. Diese soll als Unterführung der bestehenden DB-Gleise gebaut werden, dafür hatte sich der Gemeinderat im Jahr 2020 ausgesprochen – obwohl die damals ebenfalls betrachtete Brücken-Variante günstiger und umweltfreundlicher gewesen wäre.

Die Brücken-Variante.

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Foto: Mailänder Consult/Stadt Karlsruhe

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Die Brücken-Variante.
Foto: Mailänder Consult/Stadt Karlsruhe

Für Karlsruhe-Stadtrat Friedemann Kalmbach hatte das Festhalten an der Trog-Variante in einem Antrag kritisiert und eine Umplanung gefordert. Ob die Unterführung wirklich sinnvoller als die Brückenlösung ist, ist unklar: Laut der Stadt wurde bislang keine Kosten-Nutzen-Analyse für das Projekt durchgeführt.

Die Stadt selbst favorisiert nach eigenen Angaben immer noch die Brückenlösung, gibt allerdings die benötigte Zeit für die Umplanung zu bedenken: „Bei einer Fortführung der Planungen für die Brückenvariante wären die Planungszeit und die Planungskosten für die Unterführungsvariante verloren. Auch müssten einige Gutachten neu erstellt beziehungsweise fortgeschrieben werden“, so die Stadt in ihrer Antwort auf den Antrag.

Zeitplan ohne „Plan B“ – sonst muss acht Jahre gewartet werden

Diese Verzögerung könnte das Großprojekt um Jahre zurückwerfen – allerdings könnte das ebenso eine leere Haushaltskasse, wenn der Gemeinderat an seiner Unterführung festhält: Sollte im Doppelhaushalt 2028/29 kein Geld für den Bau der Trasse eingeplant werden können, kann der Trog nicht wie geplant im – ohnehin schon engen – Zeitrahmen der anstehenden Sanierung der DB-Eisenbahnstrecke von Januar bis Juni 2031 eingebaut werden.

Die Unterführungs-Variante.

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Die Unterführungs-Variante.
Foto: Mailänder Consult/Stadt Karlsruhe

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Die Unterführungs-Variante.
Foto: Mailänder Consult/Stadt Karlsruhe

Denn: „Nach bisherigen Aussagen der DB InfraGo dürfen nach der Sanierung der Hochleistungsstrecke voraussichtlich acht Jahre keine Sperrungen der Gleise erfolgen, die aber für die Herstellung des Unterführungsbauwerkes unumgänglich sind“, erklärt die Stadt. „Das Projekt müsste somit für einen längeren Zeitraum unterbrochen werden. Einen ‚Plan B‘ gibt es nicht.“

Fakt ist: Auch nach Jahren der Planungen ist das letzte Wort über die Südumfahrung Hagsfeld noch lange nicht gesprochen. Wie die Stadträte am kommenden Dienstag entscheiden werden und was diskutiert wird – ka-news wird berichten.

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  • Melissa Betsch

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