Nach der abrupten Kehrtwende des Kreml-Propagandisten Ilja Remeslo ist dieser Medienberichten zufolge in eine psychiatrische Klinik in Sankt Petersburg eingeliefert worden. Das berichtete unter anderem das russische Internetportal Fontanka.
Remeslo, der bislang vor allem für Kampagnen gegen die russische Opposition bekannt war, schrieb in dieser Woche plötzlich auf seinem Telegram-Kanal, dass Wladimir Putin als Präsident illegitim sei und vor ein Kriegsgericht gehöre.
Putin habe das Land in die Sackgasse des Ukraine-Kriegs geführt, heißt es in einer Art Manifest. Der Kremlchef schade der Wirtschaft, er erdrossele die Freiheit der Medien und des Internets.
„Der Krieg führt zu nichts. Es gibt massive Verluste. Wir kämpfen um winzige Gebiete, die Russland letztendlich nichts bringen werden“, schrieb Remeslo. Die russische Justiz hat Kritiker schon für weniger scharfe Äußerungen zu Haftstrafen verurteilt. Die Attacke fällt in eine Zeit, in der die schweren Verluste im Krieg wie auch die wirtschaftlichen Schäden in Russland spürbarer werden.
„Ilja Remeslo macht niemals etwas umsonst“
Remeslo, nach eigenen Angaben Jurist, ist unter anderem als Zeuge der Anklage in Prozessen gegen den Kreml-Gegner Alexej Nawalny aufgetreten, der 2024 in Haft ums Leben kam.
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Leonid Wolkow als enger Mitarbeiter Nawalnys vermutete deshalb, dass hinter der angeblichen Kehrtwende ein Schachzug des Kremls stehe. „Ilja Remeslo macht niemals etwas umsonst. Und er macht niemals etwas ohne Erlaubnis“, schrieb er auf X.
So steht die These im Raum, Remeslos Sinneswandel sei nur gespielt und solle andere Putin-Kritiker aus der Reserve locken. So könne die Regierung mögliche Abweichler identifizieren. Remeslo versicherte in einem kurzen Video, dass sein Telegram-Konto nicht gehackt worden sei. Er sei auch weiterhin in Russland, erklärte er.
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„Ich bin bereit für jeden Prozess“, sagte Remeslo. „Es ist an der Zeit, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und meine Stimme zu erheben. Ich trage eine gewisse Verantwortung als jemand, der dieses Regime lange unterstützt und ihm zum Überleben verholfen hat“. (dpa)