Das Trinity-House-Abkommen, das am 23. Oktober 2024 in London von Boris Pistorius, dem deutschen Verteidigungsminister, und John Healey, dem britischen Verteidigungsminister, unterzeichnet wurde und vom britischen Verteidigungsministerium als beispiellos bezeichnet wird, stellt den Tiefenschlag in den Mittelpunkt der deutsch-britischen Agenda. Angekündigt wurden eine Präzisionsrakete mit einer Reichweite von über 2.000 km und eine gemeinsam entwickelte Kampfdrohne.
Dieser politische Akt orientiert sich am Präzedenzfall Tornado und Eurofighter. TyphoonDie festgefahrene Situation um das Future Combat Air System (FCAS) schürt unterdessen Zweifel in Berlin. In Telford (Großbritannien) entstehen zwar Industriestützpunkte, doch Finanzierung und Doktrin sind noch ungeklärt, was die Frage nach einer möglichen Verschiebung des europäischen Machtgleichgewichts aufwirft.
Das SCAF-Projekt steckt aufgrund anhaltender deutsch-französischer Meinungsverschiedenheiten fest.
Die Dynamik der europäischen Verteidigungsoffensive geriet zunächst ins Stocken, da das deutsch-französische Luftkampfprogramm SCAF durch einen Konflikt zwischen Dassault und der Verteidigungssparte von Airbus geschwächt wurde. Ministergespräche Mitte Dezember brachten die zweite Phase nicht wieder in Gang, wichtige Verträge blieben ununterzeichnet und politische Erklärungen wurden zu unerfüllten Erwartungen. Im Februar erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz, der geplante Kampfjet entspreche nicht den deutschen Bedürfnissen, was die strategische Unsicherheit in Berlin weiter verstärkte. Diese Unsicherheit bot die Gelegenheit, alternative Partnerschaften zu sondieren.
In diesem Zusammenhang bietet die Luftfahrtgeschichte zwischen London und Berlin mit der gemeinsamen Entwicklung des Panavia Tornado in den 1970er und 80er Jahren ein solides Präzedenzbeispiel. Diese Grundlage wurde seit den 1990er Jahren mit dem Eurofighter fortgeführt. TyphoonDiese Kooperationen, die stets von Rom unterstützt wurden, haben Interoperabilitätsroutinen und dauerhafte industrielle Verbindungen geschaffen. Sie haben gemeinsame Qualifizierungs- und Supportverfahren gefördert. Darüber hinaus haben sie gemeinsame Denkmuster in den Hauptsitzen und Entwicklungsbüros geprägt, die neue gemeinsame Projekte begünstigen.

Da die industriellen Differenzen anhielten, erörterten Beamte in Berlin eine teilweise Entkopplung von Paris hinsichtlich der Kampfflugzeugkomponente des Obersten Militärrats der Luftwaffe (SCAF). Die Spekulationen über ein deutsches Interesse am Globalen Kampfflugzeugprogramm (GCAP) nahmen dadurch zu. Auf britischer Seite begrüßte der Vorstandsvorsitzende von Rolls-Royce, Tufan Erginbilgiç, eine deutsche Beteiligung ausdrücklich. Er erklärte, er sei dieser Möglichkeit „durchaus aufgeschlossen“ gegenüber und betonte, dass mehr Partner auch mehr potenzielle Käufer für die Flugzeuge bedeuten würden.
Parallel dazu hat Rheinmetall eine starke landbasierte Präsenz aufgebaut und plant ein Geschützfertigungszentrum im Werk Hadley Castle in Telford. Die Produktion soll dort 2027 anlaufen und den seit 2016 bestehenden Mangel an britischen Großkalibergeschützen beheben. Das Unternehmen hat zudem weitere Investitionen in seine britischen Standorte für gepanzerte Fahrzeuge und Artillerie angekündigt. Diese Entwicklung legt den Grundstein für eine deutsch-britische Konsolidierung, die sich in der industriellen Infrastruktur und den lokalen Lieferketten manifestiert.
Trinity House feiert eine deutsch-britische Verteidigungspartnerschaft, die als beispiellos bezeichnet wird.
Aufbauend auf dieser bereits bestehenden Grundlage wurde das Trinity-House-Abkommen am 23. Oktober 2024 in London von Boris Pistorius und John Healey formell unterzeichnet und bildet damit eine solide politische und rechtliche Basis für die Partnerschaft. Das britische Verteidigungsministerium bezeichnete den Vertrag als „beispiellos“ und erklärte, er markiere „einen grundlegenden Wandel in den Beziehungen Großbritanniens zu Deutschland und für die europäische Sicherheit“. In derselben Erklärung wurde die erwartete Wirkung auf die nationale Sicherheit und das Wirtschaftswachstum angesichts zunehmender Bedrohungen durch die Annahme einer gemeinsamen strategischen Agenda hervorgehoben.