An der Rudolfstraße 18 in Berlin-Friedrichshain soll ein neues, hochverdichtetes Wohnquartier mit rund 1.000 Wohnungen entstehen. Im Zentrum der Planung steht ein etwa 167 Meter hohes Wohnhochhaus, das seit längerem kontrovers diskutiert wird und nun im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung öffentlich einsehbar ist.

Visualisierung Hochhaus Rudolfstraße, Berlin

Visualisierung des neuen Stadtplatzes am Wohnhochhaus an der Rudolfstraße in Berlin-Friedrichshain. Der Entwurf für den Hochpunkt stammt von Henning Larsen GmbH und kombiniert konkav ausgebildete Bögen mit vertikalen Fassadenelementen. Im Sockelbereich greifen Materialität und Maßstab die industrielle Prägung des Standorts auf, während öffentliche Nutzungen wie Gastronomie und Einzelhandel zur Belebung des Platzes beitragen sollen./ © Visualisierung: Henning Larsen Architekten

© Titelbild: Henning Larsen Architekten

 

An der Ecke Rudolfstraße, Ehrenbergstraße und Tamara-Danz-Straße soll ein neues Stadtquartier entstehen. Das Grundstück liegt unmittelbar an der Warschauer Brücke, am Übergang zwischen Rudolfkiez und dem Mediaspree-Entwicklungsgebiet, mit direktem Anschluss an S-Bahn, U-Bahn, Tram und Bus. Die Atrium Development Group plant hier vier Bauteile mit einer Gesamtgeschossfläche von rund 104.200 Quadratmetern, wovon etwa 88.750 Quadratmeter auf Wohnen entfallen.

Das Herzstück des Entwurfs ist ein Wohnhochhaus mit rund 52 Etagen. Das 167 Meter Hochhaus setzt damit einen neuen Hochpunkt an der Warschauer Brücke und reiht sich in ein Ensemble bestehender und geplanter Türme ein, darunter das EDGE East Side und ein weiteres Vorhaben auf dem RAW-Gelände. Das Ensemble wurde vom Büro Henning Larsen in Zusammenarbeit mit Thomas Müller Ivan Reimann Architekten für die Atrium-Gruppe visualisiert.

Entwurf des Wohnhochhauses an der Warschauer Brücke von Henning Larsen Architekten: Industrielles Erbe trifft modernes Hochhaus

Das Gestaltungskonzept nimmt Bezug auf das industrielle Erbe des Stadtteils. Ziegelbauten, Bahnanlagen, die Oberbaumbrücke und die U-Bahn-Bögen dienen als Inspiration. Die unteren sieben Vollgeschosse erhalten Keramik- und Ziegelfassaden in Erdtönen zwischen Rot und Beige, konkave Bögen und vertikale Elemente gliedern dabei die Fassade.

Mit zunehmender Höhe wechselt das Material zu hellerem glasfaserverstärktem Beton, kurz GRC. Das verleiht dem Turm Leichtigkeit und setzt ihn optisch vom Sockel ab. Die Konstruktion folgt dem Prinzip einer hinterlüfteten Doppelhautfassade: Außenhaut und Innenhaut mit Luftzwischenraum verbessern gemeinsam Energieeffizienz, Sonnenschutz und Schallschutz. Da der Außenlärm am Standort bis zu 75 Dezibel erreicht, müssen Wohnraumfenster mindestens 45 Dezibel dämmen, Schlafzimmer sogar auf maximal 30 Dezibel Innenpegel, auch bei geöffnetem Fenster.

Nutzungskonzept des Hochhauses im geplanten Quartier: 711 Wohneinheiten, Gewerbe und belebtes Erdgeschoss

Im Hochhaus entstehen rund 711 Wohneinheiten, ergänzt durch Dienstleistungs- und Gewerbeflächen in den oberen Etagen. Das Erdgeschoss sollen Cafés, Restaurants und Geschäfte beleben, sowohl zum Stadtplatz als auch zur Rudolfstraße hin.

Eine Passage verbindet die Nordseite mit dem Stadtplatz, und die Tamara-Danz-Straße erhält durch Erdgeschossnutzungen zusätzliche Aktivierung. Nord- und Südfassade behandeln die Planenden dabei gleichwertig. Mindestens 30 Prozent der gesamten Wohnfläche im Quartier sind als geförderter Wohnungsbau vorgesehen. Kritiker bewerten diesen Anteil angesichts der Baudichte allerdings noch als zu niedrig.

Wohnhochhaus an der Tamara-Danz-Straße: Blockrand, Stadtplatz und Kita im Gartenhof

Neben dem Hochhaus gliedert sich das Ensemble in drei weitere Bauteile. Das Wohnensemble mit 363 Mieteinheiten in sechs Häusern stammt vom Büro ThomasMüllerIvanReimann und bietet Einraum- bis Familienwohnungen, Maisonetten mit Hofzugang sowie barrierefreie Einheiten.

Alle Wohnungen in diesem Bauteil sollen mietpreis- und belegungsgebunden sein. Ein gemeinschaftlicher Gartenhof mit 500 Quadratmetern Kita-Spielfläche und weiteren rund 1.600 Quadratmetern liegt im Inneren der C-förmigen Blockstruktur. Balkone zur Straße und Wintergärten zur Bahnseite reagieren auf die unterschiedlichen Lärmsituationen.

Der zentrale Stadtplatz fungiert als öffentlicher Treffpunkt mit Außengastronomie, Sitzmöglichkeiten, 56 Fahrradstellplätzen und rund 500 Quadratmetern Spielfläche, jedenfalls in den öffentlich einsehbaren Planungen.

167-Meter-Hochhaus als Höhepunkt eines Ensembles aus insgesamt sechs Gebäuden

Hoch aufgeastete Bäume und helles Pflaster mit hohem Albedo-Wert sollen Hitze reduzieren, ein Retentionssystem das Regenwasser vor Ort zurückhalten. Das Kopfgebäude an der Warschauer Brücke übernimmt den städtebaulichen Auftakt zum Rudolfkiez und läuft in einem eigenen Bebauungsplanverfahren.

So stellen es sich jedenfalls die Bauherren und die beauftragten Planungsbüros. Bis zur tatsächlichen Realisierung des Vorhabens sind aber noch einige Planungs- und Vorbereitungsschritte zu gehen. Die Visualisierungen der beiden Büros zeigen allerdings schon jetzt, wie das Ensemble in Berlin-Friedrichshain zukünftig aussehen könnte.

Visualisierung Hochhaus Rudolfstraße, Berlin

Der Entwurf für das Stadthaus von Der Entwurf von Thomas Müller Ivan Reimann Architekten sieht überwiegend mietpreisgebundenen Wohnungsbau mit differenzierten Wohnungstypen vor. Prägend sind auskragende Balkone zur Straße sowie Wintergärten an den lärmbelasteten Fassaden sieht überwiegend mietpreisgebundenen Wohnungsbau mit differenzierten Wohnungstypen vor. Prägend sind auskragende Balkone zur Straße sowie Wintergärten an den lärmbelasteten Fassaden. / © Visualisierung: Henning Larsen Architekten

 

Quellen: Henning Larsen, ThomasMüllerIvanReimann Gesellschaft von Architekten, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg