Für ihre Analysen ermittelten die Forschenden zunächst die Größe, Form und Beschaffenheit des Thymus bei den Testpersonen anhand von Computertomografien. Daraus erstellten sie einen Index der Thymusgesundheit. Dieser zeigte: Wie schnell die Thymusdrüse abgebaut wird, ist individuell unterschiedlich. Ihr Zustand hängt demnach vom Alter ab, aber auch von Lebenstilfaktoren wie Übergewicht oder Rauchen. Bei Frauen degeneriert der Thymus zudem im Schnitt langsamer als bei Männern.

Weniger Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei gesundem Thymus

Doch wie wirken sich diese Unterschiede auf die Gesundheit aus? Das untersuchten Bernatz und sein Team durch einen Abgleich des Thymus-Index mit den Gesundheitsdaten der Teilnehmenden über mehr als zwölf Jahre hinweg. Im Speziellen ermittelten sie, ob es einen Zusammenhang zwischen der Thymusgesundheit und dem Risiko für Lungenkrebs und weitere Krebsarten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und den dadurch bedingten Tod gibt.
Degenerierter ThymusBei Erwachsenen wandelt sich der Thymus (rot) nach und nach in Fettgewebe um. Hier ein Rest menschlichen Thymusgewebes umgeben von Fettzellen. © Gleiberg/ CC-by-sa 2.0 de

Tatsächlich zeigte sich ein Zusammenhang: Menschen mit guter Thymusgesundheit hatten ein um 63 Prozent geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ein um 35 Prozent verringertes Risiko für Lungenkrebs. Auch die Sterblichkeit durch diese und weitere Krankheiten war geringer. Sie lag bei gutem Thymuszustand bei 13,4 Prozent, bei schlechter dagegen bei 25,5 Prozent. „Diese Zusammenhänge waren über alle Analysen hinweg konsistent und blieben auch erhalten, wenn Alter und mögliche weitere Einflussfaktoren berücksichtigt wurden“, berichtet das Team.

Einfluss auch auf die Krebs- Immuntherapie

Der Zustand des Thymus könnte sogar die Wirksamkeit von Krebstherapien beeinflussen. Das legt eine zweite Studie mit knapp 3.500 Krebspatienten, davon 1.200 Lungenkrebspatienten nahe. In dieser untersuchten Bernatz und sein Team, ob es einen Zusammenhang zwischen Thymusgesundheit und dem Effekt einer Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren gibt.

Das Ergebnis: Bei Krebspatienten mit guter Thymusgesundheit schlug die Immuntherapie besser an. Sie hatten ein rund 37 Prozent geringeres Risiko für ein weiteres fortschreiten des Tumorwachstums und ein 44 Prozent geringeres Risiko an der Krebserkrankung zu sterben, wie die Forschenden berichten. Besonders deutlich zeigte sich dies bei bestimmten Lungenkrebsarten und beim Melanom. Bei diesen ließ sich teilweise anhand der CT-Aufnahmen des Thymus vorhersagen, wie erfolgreich die Immuntherapie war.

„Diese Ergebnisse identifizieren die Thymusgesundheit als einen zuvor unerkannten Einflussfaktor auf die Immuntherapie“, konstatieren Bernatz und sein Team. Einen möglichen Grund für diesen Zusammenhang lieferten ihnen Analysen der T-Zellen und Immun-Signalwege. Diese ergaben, dass die T-Zellen von Patienten mit guter Thymusgesundheit eine größere Rezeptorvielfalt auf ihrer Oberfläche trugen und bestimmte Signalwege aktiver waren.

Wie der Thymus unsere Gesundheit beeinflusst.© Mass General Brigham

Können wir unsere Thymusgesundheit beeinflussen?

Zusammengenommen unterstreichen diese Resultate, dass der Thymus für unsere Gesundheit wichtiger ist als lange gedacht – auch bei Erwachsenen. Denn er scheint auch in höherem Alter keineswegs funktionslos zu sein. Stattdessen beeinflusst er auch dann noch die Funktion unseres Immunsystems. „Der Thymus könnte erklären, warum manche Menschen anfälliger für bestimmte Krankheiten sind, warum dies mit dem Alter zunimmt und warum Krebstherapien bei einigen Patienten nicht anschlagen“, sagt Koautor Hugo Aerts vom Klinikum Mass General Brigham.

Interessant auch: Wie stark und schnell die Thymusdrüse abbaut, scheint auch mit dem Lebensstil zusammenzuhängen. So schrumpfte das Immunorgan bei Rauchern, Übergewichtigen und Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten schneller, wie die CT-Aufnahmen zeigten. Das bedeutet: Wie lange unser Thymus aktiv beleibt, können wir in gewissem Maße selbst mitbeeinflussen. (Nature, 2026; doi: 10.1038/s41586-026-10242-y; doi: 10.1038/s41586-026-10243-x)

Quelle: Nature, Mass General Brigham







20. März 2026

– Nadja Podbregar