Björn Albrecht singt, komponiert, textet, arrangiert und dirigiert – und erinnert an den verstorbenen Roger Cicero. Foto: Eva Herschmann
Björn Albrecht würdigt sein großes Vorbild Roger Cicero mit einem Konzert: Er steht in Kernen für den guten Zweck auf der Bühne – unterstützt von hochkarätigen Musikern.
Im Alter von drei Jahren flog Björn Albrecht aus der musikalischen Früherziehung. Der Lehrer schickte ihn in den Geigenunterricht, und im selben Jahr stand der Bub erstmals auf der Bühne – mit einer sogenannten „Sechzehntel-Geige“. Am Dienstag, 24. März, Beginn 19.30 Uhr, tritt der 19-Jährige, der in Lübeck geboren wurde und in Backnang wohnt, im Bürgerhaus in Kernen auf.
„Björn Albrecht and His Jazz Orchestra“ präsentieren ein Benefizkonzert mit Musik von Roger Cicero. Der Erlös des Abends unter dem Motto „Wir spielen, ihr spendet!“ kommt dem Verein Tour41 zugute, der sich bundesweit für die Prävention von sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen einsetzt.
Ein Multitalent auf dem Weg zur Popakademie
Geige spielt das musikalische Wunderkind bis heute. Und auch Schlagzeug, das Björn Albrecht mit vier Jahren für sich entdeckte, und seit ein paar Monaten lernt er auch noch Klavier. Björn Albrecht singt, komponiert, textet, arrangiert und dirigiert. „Musik ist das Einzige, das ich kann“, sagt er und grinst. Die Fachhochschulreife hat er aber auch in der Tasche, noch bis Ende August leistet er seinen Bundesfreiwilligendienst beim DLRG Stuttgart-Hofen. Und er bereitet seine Bewerbung zum Wintersemester an der Popakademie Mannheim für den Studiengang Kompositionslehre vor – fünf selbst komponierte und getextete Songs, von denen Björn Albrecht bei der Aufnahmeprüfung einen live performen muss.
Der Swingmusiker Roger Cicero bei der ersten Generalprobe zum Finale des European Song Contests am 11.Mai 2007 in Helsinki Foto: dpa
Während seine Altersgenossen mit Bauklötzen spielten, stand der kleine Björn vor dem Fernseher oder bei Konzerten der Deutschen Jugend-Brassband Lübeck, deren „Maskottchen“ er war, vor der Kapelle und hat „dirigiert“. Mit 14 Jahren schrieb Albrecht eigene Orchesterwerke, 2021 fand in der Jakobus-Kirche in Oppenweiler die Uraufführung seines ersten eigenen Schlagzeugwerkes statt. „Als Kind habe ich klassische Musik und André Rieu geliebt. Später fand ich David Garrett und Metallrock cool. Mittlerweile gibt es eigentlich keine Musik, die ich nicht interessant finde“, sagt der 19-Jährige, der Sänger und Geiger bei der Rockformation „The Trio and Friends“ ist und das klangliche Spektrum und den Facettenreichtum einer Big Band liebt.
Björn Albrecht bewegt sich spielerisch zwischen allen Genres hin und her: Klassik, Jazz, Swing, Pop, Rock und Blasmusik. Ab April dirigiert er den Musikverein Walheim im Kreis Ludwigsburg. Davor hat er beim Musikverein Endersbach im Remstal den Taktstock geschwungen, als einer der jüngsten Dirigenten Deutschlands. „Ohne jede einzelne Komponente würde das Gesamtpaket nicht funktionieren. Ich brauche alles, um auf der Bühne so zu funktionieren, wie ich funktioniere“, sagt Björn Albrecht.
„Ich bin der allererste Musiker in unserer Familie“
Anfangs hatten seine Eltern – seine Mutter ist Hygienebeauftragte in einem Kindergarten, sein Vater arbeitet im Qualitätsmanagement eines Unternehmens – wenig Verständnis für ihren musikalisch hochbegabten Sohn. „Ich bin der allererste Musiker in unserer Familie“, sagt Björn Albrecht. Seitdem er mit der Musik auch schon etwas Geld verdient, durch seine Dirigate und Engagements, hätten sie sich aber mit seinen Zukunftsplänen arrangiert, erzählt er. Und ganz unschuldig sind sie auch nicht daran, dass ihr Sohn Musik liebt. „Als ich klein war, haben meine Eltern immer Roger Cicero gehört.“
Genau am zehnten Todestag des Pop- und Jazzmusikers, der am 24. März 2016 mit 46 Jahren starb, huldigen „Björn Albrecht and His Jazz Orchestra“ Cicero mit dem Benefizkonzert in Kernen. Albrecht ist Veranstalter, musikalischer Leiter und Leadsänger in einer Person. Hochkarätige Co-Musiker hat er dabei an seiner Seite: Andi Maile ist seit mehr als 30 Jahren prägendes Mitglied der SWR Big Band und Benny Brown spielte in der Roger-Cicero-Big-Band.
Roger Cicero sei ein Ausnahmekünstler und eine Inspiration gewesen, erklärt Björn Albrecht. Dessen musikalisches Erbe behandelt er mit Fingerspitzengefühl. In Kernen werden Originalarrangements zu hören sein, und Songs, die er neu arrangiert hat. Doch von einigen „geilen“ Liedern hat der 19-Jährige ganz bewusst die Finger gelassen. „Die Bläsersätze und Saxofone beim Lied ‚Die Liste’ sind so gut geschrieben, da gibt es einfach nichts zu verbessern.“