Ob Wuppertal sich als Austragungsort für die Olympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 bewirbt, wird ein Bürgerentscheid am 19. April zeigen. In der kommenden Woche verschickt die Stadt Wuppertal die Stimmzettel – Bürgerinnen und Bürger in Wuppertal und 16 weiteren NRW-Kommunen können dann ihre Stimme abgeben.
Auch in der Politik ist das Thema in aller Munde, Oberbürgermeistern Miriam Scherff (SPD) sagte zuletzt: „Wir wollen zeigen, dass wir Sportstadt sind.“ Die SPD-Ratsfraktion sieht eine große Chance für Wuppertal und die gesamte Region, so Sarah Hoffmann, Geschäftsführerin der Fraktion im Rat. Das Konzept setze auf Nachhaltigkeit, nutze bestehende Sportstätten und durch gezielte Investitionen in der Infrastruktur werde ein langfristiger Mehrwert geschaffen. „Wir empfehlen beim Ratsbürgerentscheid am 19. April ein ‚Ja‘“, so Hoffmann. Ebenso optimistisch zeigt sich die CDU: Fraktionsvorsitzende Anja Vesper spricht sich für eine Bewerbung aus und meint: „Wenn die Rahmenbedingungen stimmen – wirtschaftlich solide, nachhaltig und mit einem klaren Mehrwert für unsere Stadt – sollten wir diese Chance nutzen.“
„Ja“ zu Olympia sagen auch die Grünen, weil mit dem Stadion am Zoo und der Schwimmoper nur bestehende Sportstätten genutzt würden. Thomas Lenz, sportpolitischer Sprecher der Grünen, zitiert Nelson Mandela, wenn er sagt: „Sport hat die Macht, die Welt zu verändern“. „Das merken wir vor Ort in vielen Vereinen, aber auch bei sportlichen Großveranstaltungen wie den Olympischen Spielen. Gerade in der heutigen Zeit wären wir froh, in Wuppertal Teil dieser ‚Weltgemeinschaft‘ zu sein“, sagt Lenz. Allein das Land NRW wolle im Vorlauf 600 Millionen Euro für die Sanierung von Sportstätten investieren – mit der Olympiabewerbung verbänden sie somit auch die Hoffnung, dass etwas von dem Geld in die Sportstätten vor Ort fließe. Genau auf das Geld schauen will auch die BSW-Fraktion: „Ja zu Olympia – aber nur ohne finanzielle Risiken für Wuppertal“, betont Vorsitzende Susanne Herhaus. Neben Impulsen für Breitensport, Jugendarbeit und Chancen für internationale Begegnungen würden derartige Großprojekte häufig teurer als geplant. So plädiert Herhaus dafür, dass „Finanzierung und Haftung beim Bund, dem Land NRW und dem Organisationskomitee liegen“ müssten.
Eine „klare Kostenkontrolle“ fordert auch Karin van der Most (FDP), spricht sich daneben aber deutlich für das „zukunftsorientierte Projekt“ aus, von dem zugleich „Tourismus, lokale Wirtschaft und das Stadtimage“ profitierten.
Die Linken lehnen die Olympischen Spiele in Wuppertal dagegen ab. Till Sörensen-Siebel, Fraktionsvorsitzender der Linken, spricht von „großen Bedenken“, die die Partei verspüre. Die Erfahrung zeige, dass Olympia kein ausschlaggebender Wirtschaftsfaktor für die jeweilige Region sei, daneben werde durch Kosten für den („an sich wichtigen und richtigen“) Bürgerentscheid schon jetzt der kommunale Haushalt belastet. Zudem bereite ihnen „die generelle Planlosigkeit seitens des Landes“ Sorgen.