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Berlin – Die Deutschen fühlen sich in Deutschland nicht mehr sicher. Das sagt auch Kanzler Friedrich Merz (70). In seiner Rede beim BKA sagte der CDU-Chef zuletzt: „Immer mehr Menschen“ fühlen sich „in ihrem Alltag, in ihren Wohnungen nicht mehr rundheraus sicher“. Die Folgen: Die Deutschen fürchten und meiden bestimmte Orte – und sie bewaffnen sich.
Aus Angst vor Gewalt in der Stadt: Schon mit der „Stadtbild“-These hatte Kanzler Merz 2025 eine Sicherheitsdebatte entfacht. Damals zeigte eine INSA-Umfrage: 50 Prozent der Deutschen haben Angst, in der Öffentlichkeit Opfer von Gewalt und/oder von einem Überfall zu werden.
Die Unsicherheit bleibt nicht ohne Folgen – die Deutschen bewaffnen sich! Legal. Klares Zeichen: der „Kleine Waffenschein“. Die Zahl hat sich von 285.911 (2015) auf 906.411 (2025) mehr als verdreifacht! Der Schein ist keine Pflicht, erlaubt aber das Mitführen von Schreckschusswaffen in der Öffentlichkeit. Ohne ihn dürfen die Waffen nur zu Hause (u.a. im Garten oder auf einer offiziellen Schießstätte) genutzt und NICHT mitgenommen werden.
Verkaufszahlen sind nur schwer zu bekommen. Branchenriese „Umarex“, Weltmarktführer für freie Waffen (Umsatz 2023: 226,8 Mio. Euro), wollte sich auf BILD-Nachfrage dazu nicht äußern.
10 Millionen Gaspistolen sind im Umlauf
Der Verband Deutscher Büchsenmacher (VDB) schätzte die Zahl der Schreckschusswaffen in Deutschland auf 10 Millionen (Stand: März 2024). Umgangssprachlich werden die Waffen auch Gaspistolen genannt. Heute dürfte die Zahl höher liegen. Erneut schätzen, wollte der Verband die Zahl auf BILD-Anfrage nicht. Die Waffen können ab 18 Jahren frei gekauft werden.

Mit und ohne Waffenschein: Die Auslage eines Waffengeschäfts, das Schreckschuss- und Gaswaffen verkauft
Foto: Str/dpa
Der VDB sagte auf BILD-Anfrage aber, dass die Nachfrage nach Schreckschusswaffen derzeit „tendenziell eher rückläufig“ sei. Für den starken Anstieg „Kleiner Waffenscheine“ liefert er folgende Erklärung: „Die Anzahl der Neubeantragungen korreliert mit Ereignissen wie den islamistischen Terroranschlägen in Paris (November 2015), den gewalttätigen Angriffen auf Frauen in Köln in der Silvesternacht 2015/2016, sowie mit dem Beginn der russischen Invasion der Ukraine 2022.“
Einen zyklischen Boom zeigen auch die Armbrust-Verkaufszahlen. Auf BILD-Nachfrage sagte ein Großhändler: „Der Verkauf von Armbrüsten steigt seit 2015 immer mit Flüchtlingskrisen. Auf Medienberichte folgen die Bestellungen.“ Auch Steinschleudern (Zwillen) seien „gut gefragt“.

Ab 18 Jahren frei: Eine moderne Armbrust mit Zielfernrohr und Jagdpfeil mit einer rasiermesserscharfen Spitze
Foto: picture alliance/imageBROKER
Verkaufsschlager sind auch andere freie Waffen. In einer Konsumenten-Umfrage (09/24) von Media Control für den VDB gaben 16 Prozent der Befragten an, dass sie ein „Pfefferspray“ besitzen, sechs Prozent besaßen ein „Tierabwehrspray“, fünf Prozent ein Messer. Und: 5 Prozent planen bald eine Gaspistole zu kaufen und einen „Kleinen Waffenschein“ zu beantragen …
Sind Schreckschusswaffen gefährlich? Es kommt darauf an. Klar ist: Auf kurze Distanz können sie Verbrennungen und starke Reizungen auslösen. Doch: Das BKA kommt in einem Gutachten (2021) zu dem Schluss, dass „von der missbräuchlichen Verwendung bestimmter Werkzeuge, wie Äxte, Beile, Schraubenzieher, Messer, Hämmer u. a. in der Nahdistanz eine signifikant höhere Gefährlichkeit“ als von Gaspistolen ausgeht. Die Gefahr bestehe hier mehr im „Drohpotenzial“.