Im Schatten des Iran-Kriegs kamen die Verhandlungen über die Zukunft der Ukraine zum Erliegen. Stattdessen ätzte Donald Trump wieder gegen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und der Kreml zeigte sich unnachgiebig. Die Zeichen standen sogar auf einer Ausweitung von Moskaus imperialistischen Forderungen.
Nun sieht es weiterhin danach aus, dass es vorerst keine Dreier-Gesprächsrunde zwischen den USA, der Ukraine und Russland geben wird.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sprach am Mittwoch in Moskau von einer Pause der Gespräche zu dritt. Am Donnerstag schloss er eine Fortsetzung zwar nicht aus, formulierte aber die Bedingung, dass die USA einen Termin dafür hätten. Bis dahin wird offenbar lediglich der Dialog mit Washington über Wirtschaftsfragen fortgesetzt, berichtete die russische Zeitung „Iswestija“. Außerdem spreche Moskau mit Kiew weiter über den Austausch von Kriegsgefangenen und Soldatenleichen.
Viel mehr wurde auch nicht erreicht, seit der US-Präsident Donald Trump Anfang 2025 ins Amt zurückgekehrt war und einen Gesprächsprozess angestoßen hatte, der bis heute nicht zu einem längerfristigen Waffenstillstand in dem enorm verlustreichen Krieg geführt hat.
Gespräche offenbar ohne Russland
Jetzt gehen die Verhandlungen offenbar zunächst ohne Russland weiter. Selenskyj sprach in seiner abendlichen Videobotschaft am Donnerstag von Signalen aus den USA, dass ab Samstag wieder über ein Ende des russischen Angriffskriegs verhandelt werde – allerdings erwähnte er dabei russische Vertreter eben nicht ausdrücklich.
Die Ukraine befindet sich unterdessen in einer ambivalenten Situation, was Erfolge auf dem Schlachtfeld einerseits und geopolitische Auswirkungen andererseits angeht. Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) schreibt dazu in einem Lagebericht, dass es den ukrainischen Streitkräften seit Anfang 2026 gelungen sei, mit Vorstößen die russischen Planungen einer neuen Frühjahrsoffensive zu stören.
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Andererseits dürfte der von den USA und Israel begonnene Iran-Krieg die russische Verhandlungsbereitschaft senken. Iranische Gegenangriffe und die Blockade der Straße von Hormus haben weltweit Öl- und Gaspreise ansteigen lassen. Das kommt der russischen Kriegskasse mindestens kurzfristig zugute. Das KSE Institute in Kiew geht laut „Spiegel“ von 84 Milliarden Dollar Mehreinnahmen im Falle eines baldigen Kriegsendes aus. Zudem verschießen die USA am Golf massenweise Munition, darunter auch die für Kiew so wichtigen Abwehrraketen Patriot. (mit dpa)