TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen
Washington/Teheran – Der Krieg am Golf entscheidet sich auch an den Ölpreisen – und im Kampf um die wichtigste Wasserstraße der Welt greifen die USA jetzt mit voller Wucht ein! Fast drei Wochen nach Beginn des Kriegs gegen das Iran-Regime hat Washington seine Angriffe zur Wiederöffnung der Straße von Hormus massiv ausgeweitet. Tieffliegende Kampfjets jagen über die Seewege, feuern auf iranische Schnellboote. Apache-Hubschrauber steigen auf, um tödliche Drohnen aus der Luft zu holen, sagen amerikanische Militärvertreter.
Eine Überlegung: Die USA könnten die wichtige iranische Insel Charg blockieren – oder sogar besetzen. So könnte Druck auf die Führung in Teheran ausgeübt werden, die Schifffahrt und vor allem Ölexporte der Golf-Staaten wieder zu öffnen. Das berichtet das US-Portal „Axios“ unter Berufung auf vier Insider, die mit den entsprechenden Plänen vertraut sind.
US-„Warzenschwein“-Jets greifen ein
Die neue Offensive ist Teil eines mehrstufigen Pentagon-Plans. Ziel: Die Gefahr durch iranische Schnellboote, Seeminen und Marschflugkörper senken. Seit Anfang März liegt der Schiffsverkehr in der Meerenge praktisch lahm. Gelingt es, die Bedrohung zu reduzieren, könnten US-Kriegsschiffe die Passage wieder durchfahren und Handelsschiffe im Persischen Golf eskortieren.

Die A-10, genannt „Warthog“ bzw.„Warzenschwein“ kämpfte vor allem im Irak und in Afghanistan, kam aber auch auf See zum Einsatz
Foto: Uncredited/U.S. Air Force via DVIDS/AP/dpa
Neu im Einsatz: die „Warzenschweine“. Die US-Armee schickt im Krieg gegen den Iran jetzt auch tieffliegende Kampfjets und Hubschrauber in den Kampf – sie sollen die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr freischießen.

Die A-10 ist schwer bewaffnet und eigentlich auf den Einsatz gegen gepanzerte Bodenziele spezialisiert (Archivfoto)
Foto: NurPhoto via Getty Images
Darunter auch die legendäre A-10 Thunderbolt – von ihren Piloten auch „Warthog“ genannt – auf Deutsch: Warzenschwein. Die mit einer schweren Maschinenkanone und Luft-Boden-Raketen bewaffneten Flugzeuge sind bereits seit fast 50 Jahren bei der US-Luftwaffe im Einsatz und eigentlich für den Kampf gegen Panzer und andere Bodenziele gedacht. Der Oldie unter den Kampfjets sollte schon mehrfach ausgemustert werden, bleibt aber bis heute wichtig: Er sei nun auch für den Kampf gegen Ziele auf dem Meer umgerüstet worden, hieß es aus dem Pentagon.

Der Cockpit des A-10 ist mit Titan verstärkt, um den Piloten zu schützen – er bewährte sich u.a. auch bei Einsätzen gegen „Islamischen Staat“ in Jordanien
Foto: Getty Images
Schlacht wird Wochen dauern
Auf einer Pressekonferenz im Pentagon erklärte Luftwaffen-General Dan Caine, dass neben den A-10-Kampfjets auch Apache-Hubschrauber Einsätze über der Meerenge und vor der Südküste des Iran fliegen werden. Die Apaches sollen Drohnen ausschalten. Sie zählen zu den effektivsten Waffen des iranischen Regimes gegen arabische Nachbarstaaten und deren Energie-Infrastruktur im Persischen Golf.

Auch Apache-Kampfhubschrauber sind in der Straße von Hormus im Einsatz (Archivfoto)
Foto: VCG via Getty Images
Die hochkomplizierte Militäroperation wird Wochen dauern, schätzt Iran-Experte Farzin Nadimi (Nah-Ost-Institut Washington) im „Wall Street Journal“ (WSJ). Denn der Iran hat ein dichtes Netz an Waffen entlang des Nadelöhrs aufgebaut. Der Iran verfüge weiter über große Bestände an Seeminen, Marschflugkörpern auf Lkw und Hunderte unbeschädigte Boote in versteckten Anlagen mit tief in den Fels gegrabenen Tunneln an der Küste und auf Inseln.

Trumps oberster General Dan Caine (57) erklärte bei einer Pressekonferenz im Pentagon den Einsatz der A-10 und der Apache-Helis
Foto: AFP
An der engsten Stelle ist die Straße von Hormus nur 38 Kilometer breit. Die Bedrohung so weit zu senken, dass Schiffe wieder regelmäßig passieren können, sei „machbar, aber nicht zu 100 Prozent“, sagte Michael Connell vom Center for Naval Analyses dem WSJ. Mit der Zeit könnte ein Punkt erreicht werden, an dem Schiffe zwar durchfahren, die Mullahs aber hin und wieder doch einen Zufallstreffer landen.
Mehr zum ThemaMullahs kontrollieren die Route, planen Maut
Durch die Blockade einer Route, über die 20 Prozent der weltweiten Ölexporte laufen, schoss der Ölpreis für die Sorte Brent zeitweise auf 119 Dollar pro Barrel. Am Donnerstag schloss er bei 108,65 Dollar, ein Plus von 1,2 Prozent. Damit treffen die Mullahs die Achillesferse der Regierung von US-Präsident Donald Trump (79), der am 28. Februar mit Israel in diesen Krieg gegen die radikalislamischen Mullahs mit atomaren Ambitionen zog.
Neue Brisanz bekam die Lage am Donnerstag: Teheran begann laut Bericht mit Planungen, ausgewählten Schiffen die Durchfahrt zu erlauben. Das Parlament prüft ein Gesetz, das Gebühren für die Passage vorsieht. Damit könnte das Regime seine Lage strategisch nutzen und Abkommen mit Staaten schließen, die auf Öl, Gas und andere Rohstoffe aus der Golfregion angewiesen sind.
„In der Praxis führt dies zu einer Form erzwungener Interdependenz: Staaten, die Zugang zu Energie aus dem Golfraum anstreben, sehen sich möglicherweise gezwungen, Iran entgegenzukommen“, sagte Danny Citrinowicz vom Atlantic Council auf X. Selbst nach einem Ende der Kämpfe gebe es Zweifel, ob sich das ändern würde.
Mehr als 120 iranische Boote zerstört
Schon seit mehreren Tagen zerstören A-10 und Apaches iranische Schnellboote, die Handelsschiffe bedrängen, so ein US-Beamter. Kampfjets in der Region greifen ebenfalls ein. Doch die zusätzlichen Maschinen verschärfen die Angriffe deutlich.
Die USA bombardieren außerdem Stützpunkte und stark befestigte Marschflugkörper-Stellungen der Islamischen Revolutionsgarden. Diese paramilitärische Organisation kontrolliert gemeinsam mit der iranischen Marine die Verteidigung der Meerenge. Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte am Donnerstag, die Angriffe hätten mehr als 120 iranische Marineschiffe beschädigt oder zerstört.