
Stand: 20.03.2026 15:57 Uhr
Der ehemalige Staatsanwalt Yashar G. aus Hannover wurde verurteilt, weil er mit einer Drogenbande gemeinsame Sache gemacht hat. Doch die Aufarbeitung des Falls darf damit nicht enden, meint NDR Journalistin Mandy Sarti in ihrem Kommentar.
Ein Staatsanwalt, der mit einer Drogenbande unter einer Decke steckt – allein das ist bundesweit schon einmalig. Doch mindestens so einzigartig wie die Tat von Yashar G., ist die Kette des Versagens hinter diesem Fall. Wir reden über einen einen Prozess, der so schlecht geplant wurde, dass bis heute wesentliche Zeugen einfach nicht gehört wurden. Und das, obwohl jetzt ein Urteil steht.

NDR Journalistin Mandy Sarti sieht in dem Fall noch viel Arbeit.
Prozess ist zumindest der Versuch, Licht ins Dunkel zu bringen
Und so ist meine Vermutung: Dieses Verfahren hat mitnichten die ganze Geschichte ans Licht gebracht. Gleichzeitig ist dieser Prozess aber zumindest der Versuch gewesen, das abzuräumen, was über Jahre in den niedersächsischen Behörden versäumt wurde. Nämlich zumindest etwas Licht ins Dunkel dieses Falls zu bringen.
Viele Fragen weiterhin offen
Denn noch immer ist unklar: Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass Yashar G. so lange weiter als Staatsanwalt in Verfahren gegen das organisierte Verbrechen auftreten konnte, obwohl schon lange Verdachtsmomente gegen ihn vorlagen? Wieso hat sich die damalige Leiterin der Staatsanwaltschaft Hannover unmittelbar nach der Durchsuchung von Yashar G.s Wohnung und seinem Büro schützend vor ihn gestellt und die Vorwürfe abgekanzelt, obwohl wir heute wissen: Die Anklage beruht zum Großteil auf Daten und Beweisen, die damals gefunden wurden.
Untersuchungsausschuss kann Antworten liefern
Und wieso gibt es so viele Ungereimtheiten, wann wer an welcher Stelle in der Staatsanwaltschaft und im Ministerium die Dimension dieses Falls erkannt haben will? Es zeigt sich vor allem eines: In diesem Fall wird gerne gegenseitig mit dem Finger aufeinander gezeigt. Der von der CDU geforderte Untersuchungsausschuss kann da unter Umständen Antworten finden.
Je höher die Summe, desto flexibler ist in einigen Fällen auch die Moral
Doch ein ungutes Gefühl bleibt: Der organisierten Kriminalität ist es in Niedersachsen gelungen, bis weit in den Strafverfolgungsapparat vorzudringen. Und trotz zahlreicher Hinweise wollte dies über Jahre hinweg niemand wahrhaben. In Anbetracht der großen Mengen Geld, über die das organisierte Verbrechen durch den Handel mit Kokain verfügt, scheint das nahezu fatal. Denn die Rechnung ist einfach: Je höher die Summe, desto flexibler ist in einigen Fällen auch die Moral. Der Fall Yashar G. hat das Potential, das Vertrauen in den Rechtsstaat nachhaltig zu beschädigen. Wenn dies verhindert werden soll, dann darf das heutige Urteil kein Schlussstrich unter der Affäre sein.

Am Landgericht Hannover wurden die Plädoyers gehalten, auch der Angeklagte kam noch mal zu Wort. Am Freitag soll das Urteil fallen.

Urteil gegen Staatsanwalt: Mehr als acht Jahre Haft für Yashar G.
Das Landgericht Hannover ist überzeugt, dass er Interna an eine Drogenbande weitergegeben hat. Eine Frage bleibt offen.

Der Spediteur hatte Behörden über den korrupten Staatsanwalt in Hannover informiert. Nun wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt.

Weil ein mutmaßlich korrupter Staatsanwalt aus Hannover das Verfahren geleitet hatte, muss die Haftdauer neu verhandelt werden.

Die niedersächsische Justiz wusste bereits seit 2020 von engen Kontakten zwischen Yashar G. und einem Mitglied der „Hells Angels“.

Vor Gericht muss sich Yashar G. wegen Korruption verantworten. Im Landtag wird sich ein Untersuchungsausschuss mit dem Fall beschäftigen.
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