Bielefeld. Die Stadt hat einen ihrer prägenden Kommunalpolitiker verloren: Horst Grube ist am 18. März, wenige Tage nach Vollendung seines 84. Lebensjahres, verstorben. Über Jahrzehnte hinweg hat der Sozialdemokrat die Geschichte Bielefelds mitbestimmt – sachlich, verbindlich und mit einem klaren Blick für das Machbare.
Horst Grube gehörte zu jener Generation von Lokalpolitikern, die Politik vor allem als Dienst verstanden. „Entwicklungen in der Stadt unmittelbar zu beeinflussen und Menschen zu helfen“ – so beschrieb er selbst einmal seine Motivation. Dieser Anspruch zog sich durch seine gesamte Laufbahn, die 1969 im Gemeinderat von Theesen begann. 1984 wurde Grube Bezirksvorsteher von Mitte – eine Position, die er rund zwei Jahrzehnte lang ausfüllte und entscheidend prägte.
Mit seinem Stil gab er dem Amt ein Gewicht, das später auch in der Bezeichnung „Bezirksbürgermeister“ sichtbar wurde. Seit 1989 gehörte er dem Stadtrat an, 2003 wurde er zum zweiten Bürgermeister gewählt, ein Jahr später zum ersten. Bis 2012 repräsentierte er die Stadt und war damit eine der präsentesten Figuren im politischen Leben Bielefelds.
Horst Grube war ein Mann der leisen Töne
Dabei war Horst Grube kein Lautsprecher. Er galt als Mann des Ausgleichs, politisches Hauen und Stechen war ihm fremd. Stattdessen setzte er auf das Gespräch, auf Geduld und auf die Überzeugungskraft guter Argumente. Diese Haltung prägte auch seine Arbeit als Planungspolitiker.
Im Jahr 2018 war Horst Grube an der Seite des damaligen Bielefelder Oberbürgermeisters Pit Clausen bei der Eröffnung des Leinewebermarkts dabei.
| © Archivfoto: Sarah Jonek
Grube war überzeugt, dass Bürgerbeteiligung kein Hindernis, sondern eine Voraussetzung guter Politik ist. Wer sachlich erkläre und nachvollziehbar begründe, könne Zustimmung gewinnen – auch für schwierige Entscheidungen. Dass sich der Ton in der politischen Auseinandersetzung in späteren Jahren veränderte, betrachtete er mit Sorge.
Bielefeld verliert einen guten Zuhörer und Moderator
Neben der Politik blieb Grube stets Lehrer. Als didaktischer Leiter an der Gesamtschule Schildesche begegnete er seinen Schülern mit Anspruch, aber auch mit Fairness und Respekt. Viele erlebten ihn nicht nur als Pädagogen, sondern als jemanden, der Haltung vorlebte. Auch nach seinem Abschied aus dem Rat im Jahr 2014 blieb Horst Grube Bielefeld verbunden. Im Beirat für Stadtgestaltung verfolgte er weiterhin aufmerksam die Entwicklungen – interessiert, kritisch und engagiert.
Zu seinem 75. Geburtstag: Horst Grube – „Der Mann des Ausgleichs“
Mit Horst Grube verliert Bielefeld einen Politiker, der nicht auf schnelle Effekte setzte, sondern auf Verlässlichkeit. Einen, der zuhören konnte. Und einen, der überzeugt war, dass gute Lösungen meist im Miteinander entstehen. Die Trauerfeier findet am Freitag, 27. März, um 11.45 Uhr in der Lutherkirche an der Otto-Brenner-Straße 169 statt. Anstelle von Blumen wird um Spenden für die Stiftung Solidarität gebeten.
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