Die Kartons sind ausgepackt, die Schränke eingeräumt und alle Leitungen stehen. Der Wuppertaler Krisendienst Wendepunkt hat Ende Februar den Umzug von der psychiatrischen Tagesklinik der evangelischen Stiftung Tannenhof am Hofkamp hin zur Friedrich-Engels-Allee 156 vollzogen. Am Donnerstag stand die offizielle Eröffnung an.

Seit 1998 bietet der gemeinnützige Krisendienst Wendepunkt offene Ohren und Türen für Wuppertaler Menschen in emotionalen Ausnahmesituationen an – zu Zeiten, da andere Hilfsangebote nicht erreichbar sind. Ein Team aus Fachkräften des psychosozialen Bereichs ist dafür in der Nacht von 18 bis 8 Uhr, freitags bis sonntags und an allen Feiertagen rund um die Uhr, erreichbar.

Team- und Einsatzleiterin Petra Hornig und das rund 80-köpfige Team leisten wichtige Arbeit durch Beratung, Unterstützung und Begleitung in akuten Krisensituationen. Seit 2025 können Betroffene auch anonym per E-Mail in Kontakt treten. Petra Hornig ist froh über den neuen Standort. „Wir waren zuvor in der psychiatrischen Tagesklinik untergebracht, was einen gewissen Krankenhauscharakter mit sich brachte. Am neuen Standort ist es schon wohnlicher im Gebäude mit Geschichte und Atmosphäre. Rein strategisch gesehen ist die Lage direkt an der B 7 natürlich wesentlich besser.”

Pro Schicht sind hier immer zwei Personen im Einsatz. Im Gegensatz zur Telefonseelsorge ist ausschließlich Fachpersonal angestellt. Ein weiterer Unterschied ist, dass Krisendienste immer lokal arbeiten. So ist der Wendepunkt nur für Wuppertal zuständig. Der große Vorteil liegt darin, dass alle vor Ort bestens vernetzt sind – allein schon durch die Zusammenarbeit mit der evangelischen Stiftung Tannenhof – und so schnell und zielführend weitervermittelt werden kann.

Es ist bekannt, dass der Bedarf an Psychotherapieplätzen besonders seit der Corona-Pandemie stetig angestiegen ist. Ein Phänomen, das auch den Wendepunkt betrifft, wie Hornig bestätigt. „Der Krisendienst ist 1998 gegründet worden. Damals konnte man rund 1000 Kontakte pro Jahr verzeichnen. Ich bin 2020 dazugekommen. Damals lagen wir bei 2400 bis 2800 jährlichen Kontakten. Seitdem sind wir bei 4500 Kontakten angekommen, die uns jedes Jahr und ausschließlich in Wuppertal in Anspruch nehmen. Uns ist wichtig, dass wir als Dienst für alle Menschen in dieser Stadt wahrgenommen werden. Dafür machen wir Werbung in Krankenhäusern und bieten unsere Hilfe auch bei schweren Diagnosen oder allen Arten von seelischen Krisen an.”

Die Beratung verläuft zwar anonym, Statistiken werden dennoch erhoben. So sind 75 Prozent der Menschen, die sich an den Wendepunkt wenden, weiblich bei einem Durchschnittsalter von Ende 40. Viele leben allein und haben niemanden, mit dem sie reden können. Durch die Anonymität ist eine nachträgliche Aufarbeitung meist nicht möglich. „Im besten Fall können wir die Klienten am Telefon beruhigen. Manchmal vermitteln wir sie an andere Stellen weiter und bekommen dadurch mit, wie es weiterging. Ab und zu bekommen wir direkte Rückmeldung der Personen selbst in Form eines Dankeschöns.”

Nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fühlen sich am neuen Standort wohl, auch Dietmar Volk, Vorstand und Kaufmännischer Direktor der evangelischen Stiftung Tannenhof, kam zur Eröffnung und fand lobende Worte. „Der Krisendienst Wendepunkt ist ein ganz wichtiges Angebot hier in Wuppertal. Da können sich sehr viele Kommunen ein Scheibchen abschneiden. Hier wird große Hilfe geleistet, wenn alle anderen Türen verschlossen und die Menschen mit ihren Problemen alleine sind. Bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall muss punktgenau gehandelt werden, um die Person medizinisch betreuen zu können. Bei suizidalen Absichten ist das ähnlich. Bei der korrekten Klassifizierung endet die Arbeit des Krisendienstes, denn dann muss sofort der Notarzt angerufen und geregelt werden, in welcher Einrichtung der Person am schnellsten geholfen werden kann. Der Krisendienst ist eine Weiche und die funktioniert nur, weil hier ausschließlich geschultes Fachpersonal vor Ort ist.”

Bärbel Mittelmann, Abteilungsleiterin Sozialplanung bei der Stadt Wuppertal, unterstrich die stetige Weiterentwicklung des Krisendienstes. „Wir als Stadt und Partner loben die Weiterentwicklung durch Angebote wie E-Mail-Beratung oder bald per Chat, da wir – wie unsere Klienten – auch mit der Zeit gehen müssen. Daher mein persönlicher Glückwunsch zum Umzug, da dieser Ort ein niedrigschwellig erreichbares, gutes Angebot gewährleistet.” Alle Angebote und Kontaktmöglichkeiten finden sich unter: