Der Schauspieler Erich Ponto soll dem Nationalsozialismus weder formell noch innerlich angehangen haben, heißt es in einer Pressemitteilung des Staatsschauspiels Dresden. Das ließe sich aus den getätigten Untersuchungen entnehmen.
Das Staatsschauspiel hatte eine umfassende Archivrecherche zur Biografie von Erich Ponto und zur Frage veranlasst, welche Rolle er als Theater- und Filmschauspieler in der Zeit des Nationalsozialismus inne hatte.
Untersuchungen ergeben: keine Nähe zur NS-Elite
Sören Frickenhaus, Mitarbeiter des Historischen Archiv der Sächsischen Staatstheater, der für das Staatsschauspiel recherchiert hat, sagte MDR KULTUR, es fänden sich keine Hinweise für eine Nähe des Schauspielers zur NS-Elite. Wichtige Quellen hatte er im Bundesarchiv in Berlin eingesehen, in dem sich die Bestände des Propagandaministeriums und der Reichskulturkammer befinden.
Ponto sei kein Mitglied der NSDAP oder einer ihrer Vorfeldorganisationen gewesen, heißt es auch in der Mitteilung des Staatsschauspiels. Eine nennenswerte Mitwirkung an der nationalsozialistischen Propaganda ließe sich über die Mitwirkung an einschlägigen Filmen allerdings kaum belegen.
Widersprüchliche Biografie des Schauspielers bleibt bestehen
Frickenhaus sagte MDR KULTUR, dass Ponto gegen Ende seines Lebens bedeutende Rollen von Lessings „Nathan“ hervorgeholt habe. Damit habe er auch in der Presse eine Auseinandersetzung angestoßen, ob man das in den 50er-Jahren in Deutschland spielen könne. „Das sind für mich Elemente, die ihn eigentlich als jemanden zeigen, der ein starkes Bewusstsein für die Zeitgeschichte hat, in der er lebt und für politische Fragen.“ Warum Ponto dennoch in den Filmen mitgespielt habe, bleibt für Frickenhaus fraglich.
Warum Ponto trotzdem in eben diesen Filmen gespielt hat, bleibt fraglich.
Sören Frickenhaus
Mitarbeiter des Historischen Archiv der Sächsischen Staatstheater
Erich Ponto in Dresden
Ausgelöst wurde die Recherchearbeit durch einen Artikel in der Sächsischen Zeitung, die Ponto als Schauspieler in antisemitischen NS-Propagandafilmen in der Nazizeit zeigte.
Erich Ponto gilt in Dresden als beliebter Theater- und Filmschauspieler. Bis 1947 war er Generalintendant der Sächsischen Staatstheater. Seit 1999 vergibt der Förderverein des Staatsschauspiels Dresden zudem den Erich-Ponto-Preis für Nachwuchsförderung. Erich Ponto wurde 1884 in Lübeck geboren und starb 1957 in Stuttgart.
Quelle: MDR KULTUR (Grit Krause), Staatsschauspiel Dresden, redaktionelle Bearbeitung: gw