Über Jahre hinweg hat Collien Fernandes großes Leid erfahren: Ein Täter hat im Internet, auf LinkedIn und anderen Plattformen, in ihrem Namen sexualisierte Kontakte zu anderen Männern gehabt. Hat Deepfake-Pornos von ihr verbreitet und den Anschein erweckt, Fernandes zeige sich freiwillig anderen Männern, beim Sex, oder in sexuellen Posen. Ohne ihr Wissen. Ohne ihre Zustimmung. „Digitale Vergewaltigung“ nennt Fernandes das im „Spiegel“.
Jahrelang hat die Schauspielerin und Moderatorin den Täter gesucht, eine Doku über die Suche gedreht, und in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit auf das Thema sexualisierte digitale Gewalt gegen Frauen gelenkt.
Seit diesem Donnerstag ist öffentlich bekannt, wen Fernandes dafür verantwortlich macht: ihren Ex-Mann, Schauspieler Christian Ulmen. Sie habe Anzeige erstattet, sagte sie dem „Spiegel“. Ulmen selbst schweigt bislang zu den Vorwürfen, sein Anwalt nennt die Berichterstattung des Nachrichtenmagazins „rechtswidrig“. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
„Deutschland ist ein Täterparadies“
In den ARD-„Tagesthemen“ hat Fernandes am Freitagabend noch mal über das Erlittene gesprochen – und die deutsche Justiz und die Gesetze in der Bundesrepublik scharf kritisiert. „Deutschland ist ein absolutes Täterparadies“, sagte Fernandes den „Tagesthemen“. Es gebe eine große „Schutzlücke“ in der Justiz.
An einer anderen Stelle in dem Interview sagt Fernandes, sie habe selbst die Erfahrung gemacht, „dass man das Thema zur Anzeige bringt, diese Anzeige (aber) nicht weiterverfolgt wird“. Sie spricht von „Justizversagen“ und davon, dass sich „dringend etwas ändern muss“.
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„Mauer des Schweigens brechen“
Auch von den Folgen der digitalen Gewalt, der sie ausgesetzt war, berichtet Collien Fernandes: „Ich musste das sehr intensiv therapeutisch aufarbeiten.“ Lange sei sie in Behandlung gewesen. Sie setze sich seit Langem für das Thema ein und habe immer noch das Gefühl, dass „von vielen noch nicht so richtig begriffen wurde, dass digitale Gewalt reale Gewalt ist, und das Opfer da massiv darunter leiden“. Das gehe nicht nur ihr so. Es sei wichtig, zu zeigen, was das mit den Opfern macht.
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Genauso wichtig sei es, dass die Gesellschaft über das Thema spreche, sagte Fernandes weiter. „Damit sich etwas verändert, damit überhaupt das Ausmaß bekannt wird.“ Nur wenn Fälle bekannt würden, landeten sie in der Statistik. „Dafür ist es total wichtig, dass man als Frau – und ich hoffe, ich kann da auch anderen Mut machen – diese Mauer des Schweigens bricht.“
Bundesregierung will schnell Gesetze verschärfen
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) will nun drei neue Paragrafen in das Strafgesetzbuch einführen, um entschlossener gegen digitale Gewalt vorgehen zu können. Für gefälschte Pornos, heimliche Sex-Fotos oder heimliche digitale Überwachung sollen laut der „Bild“-Zeitung künftig bis zu zwei Jahre Haft drohen.

In einem Interview mit den ARD-„Tagesthemen“ sagte Hubig, mit dem Gesetzesvorhaben wolle sie „zwei große Blöcke regeln“: Zum einen wolle sie eine „Strafbarkeitslücke schließen“ und bei pornografischen Deepfakes „das Herstellen, Teilen und Verbreiten unter Strafe stellen“. Zweitens solle eine „bessere Durchsetzbarkeit“ geregelt werden. Betroffene könnten dann „Auskunft beantragen über den Inhaber einer IP-Adresse“ sowie „im zweiten Schritt eine Accountsperrung beantragen und gerichtlich anordnen lassen“.
mit AFP