Vor allem Häkeln erfreut sich derzeit als einfacher Einstieg in die Handarbeit zunehmender Beliebtheit.

Entsprechend entwickelt sich der Markt auf einem sehr stabilen Niveau, wie Angela Probst-Bajak von der Initiative Handarbeit als Zusammenschluss führender Hersteller im deutschsprachigen Raum berichtet. Dabei spielen die sozialen Medien eine entscheidende Rolle, über die man sich zum Beispiel Stricken selbst beibringen, Inspirationen finden und auch komplette Anleitungen zum Nähen eines Rucksacks herunterladen kann. Eingekauft werden die Materialien und das Zubehör aber weiter bevorzugt im Fachhandel.

„Cloud Dancer“ ist
die neue Trendfarbe

Zu den wichtigen Treffpunkten der Branche zählt die Kölner Messe „Handarbeit + Hobby“, die gestern mit 300 Ausstellern aus 40 Ländern in Deutz ihre Pforten für die Fachbesucher geöffnet hat. Dort werden auch zahlreiche Trends und Innovationen präsentiert. Die Trendfarbe ist zum Beispiel „Cloud Dancer“, zu Deutsch Wolkentänzer, ein natürliches Wollweiß. Andere Trends liegen beim Einsatz von KI bei der Handarbeit oder auch beim möglichst nachhaltigen Stricken, Nähen oder Häkeln.

Beim Schweizer Nähmaschinenhersteller Bernina wurde zum Beispiel eine neue Kooperation mit den Filmemachern von Warner Brothers vorgestellt, die sich in der „Bernette 79 Harry Potter“ wiederspiegelt, einer Hightech-Maschine, die sowohl nähen als auch sticken kann. Zu den programmierten Stickmotiven zählen auch Elemente aus der magischen Welt des berühmten Zauberlehrlings wie zum Beispiel der Hauself Dobby.

Auf „magische Helfer“ bei der Handarbeit setzt das US-Unternehmen Taylor Seville. So wurden auf der Messe zum Beispiel extrakleine Häkelhaken präsentiert, die ein möglichst präzises und komfortables Arbeiten ermöglichen. Das gilt auch für den Zwei-Fingerhut, Stoffklammern die „Magic Pins“ oder die Maschenmarkierer, die in bunten Farben, die Freude an der Handarbeit stärken sollen.

Der deutsche Nähnadel-Hersteller Schmetz feiert in diesem Jahr sein 175-jähriges Bestehen: „Nähnadeln sind ein hochkomplexes Produkt, das bei uns in bis zu 18 Hauptarbeitsschritten gefertigt wird. Das entspricht den Anforderungen, denen sich die Nadeln stellen müssen. So werden diese bei der Industriefertigung bis zu 200 Graf heiß und stechen auch bei der Haushaltsmaschine bis zu 15 Mal in der Sekunde zu. Das sind die wahren Helden beim Nähen”, sagt Tim Töpfer. Zu den Innovationen zählen zum Beispiel golden oder schwarz beschichtete Nadeln für Anforderungen wie Metallic-Fäden oder für das Verkleben.

Das deutsche Unternehmen Prym blickt auf eine Geschichte zurück, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. So findet sich im Sortiment Zubehör für das Nähen oder andere Formen der Handarbeit, von der Schere bis zu Spezial-Werkzeugen wie dem „Vario Creative Tool“, mit dem ohne großen Aufwand Ösen, Nieten oder Druckknöpfe angebracht werden können.

Zu den Neuheiten gehören zudem selbstklebende „Patches“ in schicken Designs und Farben, also bunte Stoffflecken, mit denen Löcher in der Leggings aus Stretch-Stoff genauso repariert werden können wie im weichen Pulli aus Merinowolle. Zum Anbringen reicht der Druck mit einem Löffelrücken völlig aus. „Die Patches halten so auch bei 30 Wäschen unverändert am Stoff”, versichert Hanna Morbitzer.

Die ganze Vielfalt an Näh- und Stickfäden findet sich am Stand von Gütermann, wo zum Beispiel auch Fäden aus recycelten PET-Flaschen hergestellt werden oder wo man naturbelassene Baumwolle mit einer Spezialbehandlung mehr Festigkeit und Glanz auf den Weg gibt. Bekanntheit erlangte dagegen die Marke „Bay Lock“ mit der ersten kompakten Overlock-Nähmaschine für den Hausgebrauch. Zu den aktuellen Herausforderungen zählt heute unter anderem das Nähen von Leder zum Beispiel bei Taschen.