Sozialer Brennpunkt?

Spende sichert Stadtteilarbeit in Prohlis

21.03.2026 – 04:30 UhrLesedauer: 2 Min.

Kathrin Ansorg (rechts) und Fea Ower im Prohliszentrum. Ihre neueste Aktion ist ein Wettbewerb, bei dem die Prohliser Bürger Fotos ihres Stadtteils einreichen können. Das mit den meisten Punkten gewinnt.Vergrößern des Bildes

Kathrin Ansorg (rechts) und Fea Ower im Prohliszentrum: Ihre neueste Aktion ist ein Wettbewerb, bei dem die Prohliser Bürger Fotos ihres Stadtteils einreichen können. (Quelle: Beate Erler)

Ein Berliner Unternehmer gibt 200.000 Euro für die Nachbarschaftsarbeit im Plattenbaugebiet. Sozialpädagogin Kathrin Ansorg kämpft für ein besseres Image des Stadtteils.

Prohlis gilt als sozialer Brennpunkt. Trotzdem zog Kathrin Ansorg vor drei Jahren mit ihrer Familie in diesen Stadtteil. „Ich liebe Prohlis mit seinen vielfältigen und ehrlichen Menschen“, sagt die Sozialpädagogin. Seit drei Jahren arbeitet sie hier als Quartiersmanagerin – sie ist Ansprechpartnerin für die Bewohner, organisiert Nachbarschaftsprojekte, schlichtet Konflikte und stärkt den Zusammenhalt.

Doch diese Arbeit stand auf der Kippe. Die Förderung „Soziale Stadt“ lief Ende 2025 aus, die Haushaltslage der Stadt war angespannt. Bis Mitte des Jahres blieb unklar, ob es in Prohlis weitergehen kann. Dann spendete der Berliner Unternehmer und Immobilieninvestor Kurt Krieger, Inhaber der Möbelkette Höffner, 300.000 Euro für soziale Zwecke in Dresden. Zwei Drittel davon fließen in das Quartiersmanagement. Damit ist Ansorgs Stelle für die nächsten zwei Jahre gesichert.

Allerdings in abgespeckter Form. Statt zwei Mitarbeitern mit 52 Wochenstunden und einem Büro in der Prohliser Allee gibt es seit Januar nur noch eine Stelle. Ansorg arbeitet jetzt als Selbstständige im Auftrag der Stadt, unterstützt von Honorarkraf Fea Ower. Für die Bürger in Prohlis bedeutet das weniger Sprechstunden und weniger Veranstaltungen, die vom Quartiersmanagement mitorganisiert werden.

Dabei ist die diese Arbeit in Quartieren mit besonderen Entwicklungsbedarfen umso wichtiger, sagt Kathrin Ansorg. In Prohlis leben Menschen mit unterschiedlichsten Biografien, Herkünften und religiösen und weltanschaulichen Ansichten Tür an Tür. „Oft fehlt es an Aufklärung, Sprachmittlern und Interesse dem anderen gegenüber“, sagt die Sozialpädagogin.

Genau hier setzt sie mit ihrer Arbeit als Quartiersmanagerin an: „Wir wollen die Bewohnerschaft beteiligen und sie sollen ihre Nachbarschaft mitgestalten, denn nur so kann Identifikation und sozialer Zusammenhalt entstehen.“

Das ist an vielen Stellen auch schon gelungen: mit Freiflächengestaltung, Veranstaltungen wie Adventskonzerten, Flohmarkt und Ausstellungen, aber auch mit Angeboten wie dem Konfliktmanagement. Erst im letzten Jahr hat sich der Prohliser Stadtteilverein „Pro Prohlis e.V.“ mit engagierten Bürgern des Stadtteils gegründet.

Sie übernehmen nun auch Aufgaben des Quartiersmanagements wie den jährlichen Flohmarkt und die Saubermachaktion. Auch beim „Plaudercafé“, das von Kathrin Ansorg und ihrer Kollegin organisiert wird, kommen sie mit den Bewohnern in Kontakt und erfahren von ihren Wünschen und Anliegen, aber auch von ihrer Bereitschaft, sich ehrenamtlich im Stadtteil einzubringen.

Leider wird Prohlis oft nur einseitig negativ dargestellt und die Ressourcen, die es hier gibt, werden nicht gesehen, sagt Kathrin Ansorg. Sie arbeitet daran, dass sich daran etwas ändert. „Denn dieser Ruf wird weder den Menschen noch dem Stadtteil insgesamt gerecht.“