Ihre Fotografien haben Tiefe und berühren die Betrachtenden durch die Kraft, die sie dabei ausstrahlen. Cansu Yildirans Arbeiten sind erstmals in einer Einzelausstellung in Nordrhein-Westfalen zu sehen. Die Galeristin Anna Laudel hat die in Istanbul geborene Künstlerin entdeckt und sie nach Düsseldorf eingeladen.

Mit ihrer Solowerkschau „Always Returning Home: Wild Ducks Flying Against The Current” bespielt Cansu Yildiran bis 19. April zwei Etagen der Galerie in der Mühlenstraße 1. Zu sehen waren Werke der Künstlerin bislang unter anderem im Fotografiemuseum Amsterdam oder in der Pinakothek der Moderne München. Aktuell ist Yildiran auch bei der Shanghai Biennale vertreten.

Die 30-Jährige lässt in ihre narrativen Fotoprojekte und Installationen persönliche Erfahrungen und ihre Familiengeschichte einfließen. Yildirans Wurzeln liegen in der Region Kusmer. Nahe dem Schwarzen Meer gelegen ist die dort lebende Gesellschaft streng patriarchalisch strukturiert. Frauen ist es nicht erlaubt, ein Haus zu besitzen. Dort leben dürfen sie nur, wenn sie einen Mann haben oder ein männliches Familienmitglied sie aufnimmt. Ihr Leben ist geprägt von harter Landarbeit. Viele der Fotografien, die bei Anna Laudel zu sehen sind, zeigen die raue karge Natur und stellen sie in den Kontext zu den trotz aller Widrigkeiten starken Frauen

Für eine raumgreifende Installation „Chorus“ hat die Künstlerin über zehn Jahre hinweg recherchiert. Die Geschichte ihrer Großmutter setzt sie in den Kontakt mit Themen wie Heimat, Zugehörigkeit, Enteignung und Widerstand. Farben und Formen spielen dabei eine ebenso große Rolle, wie Symbolik. Mal steht das rote lange Haar einer ihrer Protagonistinnen im Dialog mit der wallenden Mähne eines Pferdes, mal die ungezähmte Natur als Sinnbild für den weiblichen Widerstand konträr zu den harten Linien eines verfallenen Hauses, das sinnbildlich für das Patriarchat steht.

Persönliche Erfahrungen und Momente stellt Yildiran in Bezug zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen. So erzählt ihre Soloschau auf eindringliche Weise Geschichte(n) über eine Region und ihre Menschen, die außerhalb der Türkei kaum wahrgenommen wird.

Der Titel ihrer Ausstellung „Always Returning Home“ weist darauf hin, dass Frauen ihr Zuhause verlieren, wenn sie Witwen werden oder aus anderen Gründen ohne Mann leben.

Die Galerie Anna Laudel versammelt auf zwei Etagen Positionen aus Cansu Yildiran langjährig angelegter Werkserie „The Dispossessed“ und die neue eigens für die Soloschau konzipierte Installation „Chorus“. Informationen zur Ausstellung und Öffnungszeiten stehen unter www.annalaudel.gallery.