Ryugu enthält alle fünf Nukleobasen
Mit Erfolg: Im Material des Asteroiden Ryugu konnten die Forscher alle fünf Nukleobasen sowie verschiedene Vorläufermoleküle und Derivate dieser Basen nachweisen. Dieser Asteroid ist damit schon der zweite, der den gesamten Kanon dieser Erbgut-Buchstaben enthält. Denn auch in den Proben des Asteroiden Bennu, den die NASA-Mission OSIRIS-REx im Jahr 2023 zur Erde zurückbrachte, waren alle fünf Nukleobasen enthalten.
In den Proben von Ryugu waren alle in Organismen verbauten DNA- und RNA-Basen enthalten. © JAMSTEC
Diese Resultate legen nahe, dass solche Lebensbausteine auf Asteroiden keine seltene Ausnahme sind, sondern durchaus häufig vorkommen könnten. „Der universelle Nachweis aller fünf kanonischen Nukleobasen in Proben von Ryugu und Bennu unterstreicht den potenziellen Beitrag, den solche aus dem All stammenden Moleküle zur präbiotischen Evolution auf der frühen Erde geleistet haben könnten“, schreibt das Team.
Verräterische Unterschiede
Die Analysen zeigen aber auch interessante Unterschiede zwischen den beiden Asteroiden. So enthält das Material von Ryugu eine insgesamt geringere Konzentration der Nukleobasen als bei Bennu. Außerdem ist der Anteil der Basen unterschiedlich: In den Ryugu-Proben kommen die beiden auf dem Puringerüst basierenden DNA-Basen Guanin und Adenin ungefähr genauso oft vor wie die drei auf Pyrimidin beruhenden Basen Thymin, Cytosin und Uracil, wie Koga und sein Team ermittelten.
Bei Asteroid Bennu überwiegen dagegen die Pyrimidin-Basen, in einigen auf der Erde gefundenen Meteoriten sind es die Purinbasen. Diese Unterschiede könnten das chemische Milieu widerspiegeln, in dem diese Nukleobasen gebildet wurden, wie das Team erklärt. So stellten sie fest, dass es eine starke Korrelation des Ammoniakgehalts in den Asteroiden zu ihrem Basenverhältnis gibt. „Diese Korrelation deutet darauf hin, dass die Ammoniakverfügbarkeit ein Schlüsselfaktor für die Bildungswege dieser Nukleobasen ist“, erklären Koga und seine Kollegen.
Das Verhältnis verschiedener Nukleobasen in Asteroiden und Kometen könnte daher Aufschluss darüber geben, in welchen kosmischen Umgebungen diese Himmelskörper entstanden sind. Dies wiederum kann verraten, welche Voraussetzungen die chemischen Lebensbausteine benötigen – und wo im Sonnensystem sich diese einst fanden. (Nature, 2026; doi: 10.1038/s41550-026-02791-z)
Quelle: Nature
20. März 2026
– Nadja Podbregar