Jeanne Calment, hier am 20. Februar 1997 in Arles kurz vor ihrem 122. Geburtstag, galt lange als ältester Mensch der Welt. Die Französin, die zuletzt blind und fast taub war, feierte ihre Geburtstage regelmässig im Beisein internationaler Medien. Sie verstarb am 4. August 1997 im Alter von 122 Jahren.

Jeanne Calment, hier am 20. Februar 1997 in Arles kurz vor ihrem 122. Geburtstag, galt lange als ältester Mensch der Welt. Die Französin, die zuletzt blind und fast taub war, feierte ihre Geburtstage regelmässig im Beisein internationaler Medien. Sie verstarb am 4. August 1997 im Alter von 122 Jahren.

KEYSTONE

Warum werden einige Menschen über 100 Jahre alt – und bleiben dabei erstaunlich fit? Schweizer Forschende haben Hinweise gefunden, die das Verständnis von gesundem Altern verändern könnten.

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • In der Schweiz steigt die Zahl der Hundertjährigen deutlich, und eine Studie aus Genf und Lausanne untersucht deren biologische Besonderheiten.
  • Forschende identifizierten 37 Proteine im Blut von Hundertjährigen, die mit verlangsamtem Altern zusammenhängen und eher Profilen jüngerer Menschen ähneln.
  • Hundertjährige sind oft körperlich und geistig erstaunlich fit sowie psychisch resilient, wobei Lebensstil, Umwelt und nur zu etwa 25 % Gene das Altern beeinflussen.

Die Schweiz ist ein gutes Plätzli, um sehr alt zu werden: Auch im internationalen Vergleich gehört sie zu den Ländern mit der höchsten Lebenserwartung. Mit durchschnittlich rund 83 bis 84 Jahren liegt sie weltweit in der Spitzengruppe – nur Staaten wie Japan oder Singapur schneiden noch leicht besser ab. Daten von OECD, WHO und dem Bundesamt für Statistik zeigen zudem, dass insbesondere Frauen hierzulande im Schnitt über 85 Jahre alt werden.

Ende 2024 lebten hierzulande rund 2200 Hundertjährige – etwa 470 mehr als noch vier Jahre zuvor. Pro 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner entspricht das 24 Personen im Alter von 100 Jahren oder älter.

Wachsende Zahl der Hundertjährigen nach Geschlecht von 1950 bis 2024.

Wachsende Zahl der Hundertjährigen nach Geschlecht von 1950 bis 2024.

Swiss 100

Besonders hoch ist der Anteil in den Kantonen Tessin, Neuchâtel und Basel-Stadt mit jeweils über 40 Hundertjährigen pro 100’000 Einwohner. Deutlich tiefer liegt die Quote dagegen im Wallis und in Appenzell Innerrhoden, wo es weniger als 15 sind.

Anzahl Hundertjähriger pro 100’000 Einwohner nach Kanton.

Anzahl Hundertjähriger pro 100’000 Einwohner nach Kanton.

Swiss 100

Warum manche Menschen besonders alt werden, beschäftigt auch die Forschung: Im Rahmen der Studie «Swiss 100» haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Genf und Lausanne das Blut von Hundertjährigen unter die Lupe genommen. Dabei identifizierten sie 37 Proteine, deren Profil mit einer verlangsamten Alterung in Verbindung stehen, wie sie in der Fachzeitschrift «Aging Cell» berichten. Diese Proteine ähneln eher jenen von Erwachsenen im Alter zwischen 30 und 60 Jahren als den Profilen von 80- bis 90-Jährigen. Besonders ins Auge fallen dabei fünf Proteine, die mit oxidativem Stress in Verbindung stehen, berichtet «SRF»

Oxidativer Stress steht im Fokus

Oxidativer Stress entsteht durch sogenannte freie Radikale – hochreaktive Moleküle, die Zellen, Proteine und sogar das Erbgut schädigen können. Sie fallen unter anderem als Nebenprodukt normaler Stoffwechselprozesse an, werden aber bei chronischen Entzündungen vermehrt gebildet, etwa wenn das Immunsystem Krankheitserreger bekämpft.

Kann der Körper diese Moleküle nicht ausreichend neutralisieren, etwa durch Antioxidantien, kommt es zu Zellschäden. Diese stehen mit Alterungsprozessen sowie Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Leiden oder neurodegenerativen Erkrankungen in Zusammenhang.

Warum sind 100-Jährige für die Forschung so interessant?

Immer mehr Menschen erreichen ein sehr hohes Alter: Weltweit nimmt die Zahl der über 85-Jährigen und Hundertjährigen seit Jahrzehnten stark zu – bis 2050 könnte sich die Zahl der über 85-Jährigen in Europa sogar verdoppeln. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass in Industrieländern jedes zweite Kind, das nach 2000 geboren wurde, 100 Jahre alt wird.

Diese Entwicklung stellt Gesellschaften vor Herausforderungen, da Alter der grösste Risikofaktor für Krankheiten ist. Gleichzeitig altern Menschen sehr unterschiedlich: Während einige früh gesundheitliche Probleme entwickeln, bleiben andere bis ins hohe Alter fit.

Besonders im Fokus der Forschung stehen Hundertjährige: Sie gelten als Beispiele für «gesundes Altern», da sie seltener an Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden erkranken. Forschende hoffen, durch sie besser zu verstehen, wie ein langes und gesundes Leben möglich ist.

Eine weitere Ursache sind nachlassende Mitochondrien, also die «Kraftwerke» der Zellen, die Energie produzieren. Mit zunehmendem Alter arbeiten sie weniger effizient und setzen mehr schädliche Nebenprodukte frei. Umso bemerkenswerter: Bei Hundertjährigen funktionieren diese Abläufe laut Studienautor Karl-Heinz Krause deutlich stabiler – ihre Zellen produzieren weiterhin effizient Energie und sind weniger stark durch schädliche Prozesse belastet, ähnlich wie bei deutlich jüngeren Menschen.

Mit 100 noch erstaunlich fit im Kopf

Wer die Marke von 100 Jahren erreicht, bleibt oft auch geistig lange fit: Eine weitere Auswertung der «Swiss 100»-Studie zeigt, dass 37 Prozent der Hundertjährigen in der Schweiz keine kognitiven Einschränkungen haben. Weitere 20 Prozent weisen nur leichte Beeinträchtigungen auf.

Auch psychisch krisenfest

Auch psychisch zeigen sich viele Hundertjährige erstaunlich robust: «Überraschend ist, wie viele von ihnen psychisch resilient sind», sagt Psychologin Daniela Jopp von der Universität Lausanne gegenüber SRF. Trotz zahlreicher persönlicher und historischer Krisen berichten die meisten von einer hohen Lebenszufriedenheit.

Forschende führen diese Widerstandsfähigkeit unter anderem auf ihre Lebenserfahrung, eine positive Grundhaltung und eine hohe Anpassungsfähigkeit zurück.

Wie alt können wir werden?

Wie alt ein Mensch maximal werden kann, ist unklar. Sicher ist jedoch: Umwelt und Lebensstil spielen eine zentrale Rolle, da nur rund 25 Prozent des Alterungsprozesses genetisch bedingt sind.

Die Französin Jeanne Calment gilt als ältester Mensch der Geschichte: Sie wurde 122 Jahre und 164 Tage alt. Noch mit 85 nahm sie Fechtunterricht, bis 100 war sie mit dem Velo unterwegs. Erst mit 119 verzichtete sie auf ihre geliebte Schokolade – auf Anraten ihres Arztes.

Jeanne Calment verdankte ihr langes Leben laut Forschern mehreren Faktoren – darunter ein wohlhabendes, stressarmes Umfeld sowie ein aktives Sozialleben. Auffällig ist zudem, dass sie Berichten zufolge erst sehr spät mit dem Rauchen begann – angeblich im Alter von 112 Jahren.

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04.12.2025