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Beim Gang durch den VIP-Bereich im Holstein-Stadion erinnern Bilder an Kieler Erfolgszeiten. Eines dokumentiert den ersten Bundesliga-Aufstieg aus dem Jahr 2024. Darauf ist Holstein stolz. Nicht aber, wie sich der Erstliga-Absteiger in dieser Saison präsentiert. Die Störche stehen vor dem Absturz in die 3. Liga.
Um das zu verhindern, wurde Tim Walter (50) zurückgeholt. Der Ex-Trainer des HSV war bereits in der Saison 2018/19 bei den Kielern. Walter glaubt fest an die Rettung. Auch wenn seine Zwischenbilanz nach seiner Verpflichtung am 25. Februar (ein Punkt aus drei Partien) und der Absturz vom 14. auf den 17. Rang schlecht ist. Zu SPORT BILD sagte er nach der jüngsten 2:3-Heimniederlage gegen Nürnberg: „Die Jungs sind einsatzwillig, haben einen guten Charakter und wieder das Vertrauen, Tore zu schießen. Das macht große Hoffnung.“
Ein großes Defizit der Kieler: Mit 31 Treffern hat Holstein die viertschwächste Offensive. Doch das Nürnberg-Spiel gibt Walter Zuversicht. 22:9 Torschüsse hatte Kiel, der xGoals-Wert von 3,72 (Nürnberg kam nur auf 1,22) war nur einmal in dieser Saison höher: am 3. Spieltag in Fürth (2:0).
Aber es gibt weitere Probleme. Gegen den „Club“ kassierte Kiel alle drei Gegentreffer nach Umschaltsituationen. Darum lag der Fokus am Sonntag bei der Aufarbeitung der Niederlage im Detail. Walter zeigte seinen Spielern in der Videoanalyse alle Gegentore und sprach deutlich das Fehlverhalten an – ohne den Stab über seine Profis zu brechen.
Das kommt im Team gut an. Wie auch Walters Führungsstil. Die Spieler haben großes Vertrauen. Jeder Profi fühlt sich gebraucht. Auch seine Trainingsgestaltung sorgt für positive Stimmung. In jeder Einheit steht der Aspekt Siegermentalität noch mehr im Mittelpunkt: durch Strafen. So müssen die Spieler der Verlierermannschaft Kuchen für die Kollegen aus dem Gewinnerteam backen oder deren Autos waschen.
Bei Abstieg: Spieler-Etat sinkt auf etwa 5 Millionen Euro
Walter sagt zum Thema Klassenerhalt: „Nach dem Nürnberg-Spiel bin ich noch optimistischer als vorher. Wir müssen arbeiten. Keiner hat gesagt, dass es leicht wird. Die Köpfe müssen oben bleiben, das wird uns retten.“
Und wenn nicht? Dann hätte das Folgen – auch wirtschaftlich. In der 3. Liga würde Kiel rund 2,5 statt aktuell 18 Millionen Euro TV-Geld bekommen. Der Spieler-Etat müsste von etwa 13,5 auf etwa fünf Millionen Euro gesenkt werden. Doch einen finanziellen Kollaps würde es bei Holstein nicht geben. Wolfgang Schwenke (57), kaufmännischer Geschäftsführer der Kieler, zu SPORT BILD: „Wir sind für die Zukunft gut aufgestellt, weil wir in den vergangenen Jahren vernünftig gewirtschaftet haben.“