S-Bahn Stuttgart: Pünktlichkeitsranking: Wie die S-Bahn im bundesweiten Vergleich abschneidet Die S-Bahn Stuttgart kämpft mit Problemen – ist bundesweit aber keineswegs Schlusslicht. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Schlimmer geht immer: die krisengeplagte S-Bahn Stuttgart ist keinesfalls das deutschlandweite Schlusslicht. Ein Bahnpolitiker sieht dennoch dringenden Handlungsbedarf.

Die Erkenntnis dürfte die leidgeprüften Fahrgäste der Stuttgarter S-Bahn nur bedingt trösten: in anderen großen deutschen Ballungsräumen sieht es mit dem Fortkommen auf der Schiene auch nicht besser und teilweise sogar noch schlechter aus als in der Region Stuttgart. So kann man die Zahlen lesen, die die Bundesregierung auf Anfrage des Filderstadter Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion zusammengetragen hat.

Verglichen wurden dazu Pünktlichkeitswerte der neun großen S-Bahnnetze in der Republik: Berlin, München, Rhein-Main, Hamburg, Rhein-Neckar, Köln, Stuttgart, Mitteldeutschland und Rhein-Ruhr. Im zweiten Halbjahr 2025 kam die S-Bahn Stuttgart in diesem illustren Kreis immerhin noch auf Rang vier mit einem mageren Pünktlichkeitswert von 85 Prozent gemessen an der sogenannten Sechs-Minuten-Pünktlichkeit. Den besten Wert hat das S-Bahnnetz in der Bundeshauptstadt mit 96,1 Prozent, den schlechtesten jenes in Köln mit nur 74,7 Prozent.

Die Werte sind aber nur bedingt vergleichbar. Fürs Münchner Netz blieb die Bundesregierung eine Angabe schuldig. Und die Netze in Hamburg und Berlin sind aus technischen Gründen mit den übrigen Anlagen in Deutschland kaum gleichzusetzen. In den beiden Stadtstaaten werden die S-Bahnen nicht aus der Oberleitung mit Strom versorgt sondern durch eine Schiene. Dadurch steht dort den S-Bahnen fast durchgehend eine eigene Infrastruktur zur Verfügung, wohingegen sie sich in Stuttgart an vielen Stellen im Netz die Gleise mit anderen Zugarten teilen müssen.

„Dass die S-Bahn Stuttgart im Deutschland-Vergleich einen mittleren Platz belegt, mag überraschen. Viele leidgeprüften Fahrgäste können es sich kaum vorstellen, dass es anderswo noch schlechter geht“, sagt Matthias Gastel. Der Bahnpolitiker lenkt den Blick auf die langfristige Entwicklung. Der Vergleich mit den Vorjahren zeige, dass die Pünktlichkeit seit dem Jahr 2022 deutlich abgestürzt ist und im zweiten Halbjahr 2025 einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht habe. Gastel macht den Zustand der Technik für den Niedergang verantwortlich – und verweist auf weitere Zahlen der Regierung.

S-Bahn Stuttgart: 840 Störungen der Signaltechnik in sechs Monaten

Demnach hat es im zweiten Halbjahr 2025 nur in Berlin mehr Störungen an der Leit- und Sicherungstechnik gegeben als in Stuttgart. Im Netz der Landeshauptstadt und der Region haben Signale und Co. nicht weniger als 840 Mal den Geist aufgegeben. „Es besteht akuter Handlungsbedarf. Gerade bei der Leit- und Steuerungstechnik sieht es düster aus, wie die hohe Anzahl an Störungen aufzeigt“, sagt Gastel. Er setzt auf die Digitalisierung, bei der das europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS verbaut wird, das „so schnell wie möglich kommen“ müsse. Zudem fordert Gastel eine verbesserte Kommunikation mit den Fahrgästen. „Diese müssen schneller und realistischer über Verspätungen informiert werden.“