Wo im Landkreis leben die Menschen auf großem Fuß? Und wo begnügen sie sich mit weniger Wohnfläche? Aus den Daten des Landesamts für Statistik lässt sich eine Tendenz erkennen. Vereinfacht lautet sie: je ländlicher, desto größer die Wohnfläche. Und je näher es in Richtung Stadt Augsburg geht, desto weniger Quadratmeter sind es.

Das ist schlüssig: Denn die Nähe zur Großstadt kostet. Entsprechend kleiner geschnitten ist der Wohnraum. Im Städtevergleich hat Neusäß die Nase vorn: Die 2024 vom Statistik-Landesamt erfassten rund 11.300 Wohnungen haben durchschnittlich 106 Quadratmeter. Damit ist die Stadt Spitzenreiter vor Schwabmünchen, Bobingen, Stadtbergen und Königsbrunn.

In Gersthofen sind die 11.600 Wohnungen (Stand 2024) etwas kleiner geschnitten. Die durchschnittliche Fläche beläuft sich auf 90 Quadratmeter. Auch wenn Gersthofen Schlusslicht beim Städtevergleich der Redaktion ist: Das Angebot an Wohnungen mit drei Zimmern ist in der Stadt am größten. Ebenso verhält es sich mit Zwei-Zimmer-Wohnungen.

In Kühlenthal im nördlichen Landkreis sind die Wohnungen durchschnittlich am größten

Der Blick in die kleineren Gemeinden zeigt ganz klar: Die Wohnungen sind größer. Spitzenreiter ist Kühlenthal knapp vor Bonstetten, Ellgau, Allmannshofen und Ehingen. Die Wohnungen haben durchschnittlich eine Größe von 130 bis 140 Quadratmeter. Spitzenreiter im westlichen Landkreis sind Usterbach, Scherstetten und Mittelneufnach.

Der Blick auf die Tabelle zeigt auch: In Meitingen, Klosterlechfeld und Langweid sind die Wohnungen am kleinsten. Gemessen am Wohnungsangebot sind die Gemeinden allerdings Spitzenreiter: Zusammen haben sie über 11.000 Wohnungen – jeweils mehr als Bobingen, Schwabmünchen oder Stadtbergen. Der Landkreis-Durchschnitt beträgt 120 Quadratmeter.

Immobilien-Expertin spricht vom „Speckgürtel-Effekt“

Das Stadt-Land-Gefälle zeigt sich nicht nur bei der Wohnfläche, sondern auch beim Preis. Während Eigentumswohnungen in der Stadt Augsburg aktuell im Schnitt rund 4500 Euro pro Quadratmeter kosten, liegen die Preise im Landkreis meist spürbar darunter – häufig zwischen etwa 3800 und 4200 Euro, teilt Petra Lindner mit. Sie ist die Vertriebsleiterin des Immobilienexperten Layer mit Sitz in Schwabmünchen. „Wer ins Umland ausweicht, bekommt für den gleichen Preis deutlich mehr Wohnfläche.“ Je näher eine Gemeinde an die Stadt heranrückt, desto stärker näherten sich allerdings auch die Preise an. „Ein typischer Speckgürtel-Effekt“, so Petra Lindner.

Bei der Nachfrage zeige sich ein zweigeteiltes Bild. In der Stadt seien vor allem kleinere Wohnungen mit ein bis zwei Zimmern gefragt, sowohl bei Singles als auch bei Kapitalanlegern. Gleichzeitig bleibe der Bedarf an größeren Wohnungen hoch – insbesondere im Landkreis, wo Familien gezielt nach mehr Platz suchen. Die Unterschiede bei den Quadratmeterpreisen würden damit direkt dazu beitragen, dass sich Wohnflächen zwischen Stadt und Land weiter auseinanderentwickeln.

Wohnungsbaugesellschaft: Die Nachfrage ist ungebrochen groß

Ein Stadt-Land-Gefälle gibt es bei der Wohnungsbaugesellschaft (WBL) des Landkreises übrigens nicht. Laut Geschäftsführer Andreas Oberhofer werde versucht, an den WBL-Standorten eine Mischung an unterschiedlich großen Wohnungen anzubieten. Die Nachfrage sei überall im Landkreis ungebrochen groß. Oberhofer: „Der Landkreis ist ja auch sehr gut angebunden.“ Besonders gefragt seien derzeit Zwei-Zimmer-Wohnungen und größere Einheiten für Familien.

Auf der Warteliste seien rund 2300 Bewerber. Wie lange sie sich gedulden müssen, sei unterschiedlich und hänge von mehreren Faktoren ab: Sie könnte einige Wochen oder auch einen längeren Zeitraum betragen. Stand Ende 2024 hatte die Wohnungsbaugesellschaft knapp 5000 eigene Wohnungen. Die Durchschnittsmiete betrug etwa 5,68 Euro pro Quadratmeter.

  • Laura Schäffer

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