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Zwei leere Biergläser stehen auf dem Tresen einer Bar.

Club- oder Barbesucher sollten ihre Getränke nie aus den Augen lassen, das ist die wichtigste Empfehlung von Verbänden und Rettungssanitätern.

Bild: dpa | Guido Kirchner

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Auch im Bremer Nachtleben kommen K.o.-Tropfen vor und beschäftigen Barbesitzer sowie Besucher. In den sozialen Medien wird ein Anstieg der Zahlen vermutet – was dahinter steckt.

Wie wirken K.o.-Tropfen und welche Folgen haben sie?

Die genaue Wirkung der K.-o.-Tropfen hängt von ihrer Zusammensetzung ab, aber auch von der Person, die sie zu sich nimmt. Meist können sie kurz nach der Einnahme euphorisch wirken, nach kurzer Zeit wird den Betroffenen schwindelig oder übel. Oft wachen die Betroffenen nach mehreren Stunden orientierungslos wieder auf und können sich nicht daran erinnern, was zuvor passiert ist.

Die Bremerin Lisa-Marie Gaul ist Opfer eines solchen K.-o.-Tropfen-Angriffes geworden. Das Mittel hat schnell gewirkt: „Ich habe innerhalb von zehn bis 15 Minuten gemerkt, wie es bei mir ganz schnell ganz komisch wurde.“ Sie habe dann eine Freundin gefragt, ob sie sich auf die Toilette zurückziehen können, weil ihr übel wurde.

Ich habe gemerkt: Ich bin nicht mehr in meinem Körper, ich bin außerhalb meines Körpers und kann mich nicht mehr koordinieren.

Lisa-Marie Gaul

Auch ihre Freundin hat wohl K.-o.-Tropfen zu sich genommen, beide werden vom Clubpersonal unterstützt und kommen so am Ende unbeschadet nach Hause.

Aber K.-o.-Tropfen können auch gesundheitlich erhebliche Folgen haben: Werden sie beispielsweise mit Alkohol oder anderen Substanzen gemischt, kann das im schlimmsten Fall zu Atemlähmungen führen – die Opfer ersticken.

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Was sind K.-o.-Tropfen?

K.-o.-Tropfen sind eigentlich ein Sammelbegriff für Stoffe, die meist bei Sexualstraftaten oder Raubüberfällen genutzt werden, um die Opfer zu betäuben. Das bedeutet nicht, dass man bewusstlos wird, vielmehr werden die Betroffenen durch solche Mittel wehr- und orientierungslos.
Die Täter nutzen unterschiedliche Substanzen, die meist farb- und geruchlos sind, so heißt es in einer Antwort des Bremer Senats auf eine Anfrage der CDU: Verschreibungspflichtige Schlafmittel, Partydrogen wie „Liquid Ecstasy“, „Bottle“ oder andere, hinter denen sich GHB (Hydroxybuttersäure) verbirgt. Je nachdem, welches Mittel die Täter verwenden, ist die Länge und auch die Härte der Wirkung unterschiedlich.

Ende der Information zum Thema

Wer einen Blut- oder Urintest machen möchte, um K.-o.-Tropfen nachzuweisen, muss schnell handeln: Viele der Stoffe verfliegen genauso schnell, wie sie wirken und sind oft schon am nächsten Tag nicht mehr nachzuweisen.

Gibt es mehr Vorfälle mit K.-o.-Tropfen in Bremen?

Sowohl die Polizei Bremen als auch die Polizei Bremerhaven sehen keinen Anstieg der K.-o.-Tropfen-Übergriffe – auffällige Häufungen gebe es auch nicht.

„In den vergangenen drei Jahren haben wir im Zusammenhang mit entsprechenden K.-o.-Tropfen-Verdachtsfällen jeweils eine mittlere zweistellige Zahl von Straftaten erfasst, darunter unter anderem Sexual-, Körperverletzungs- und Raubdelikte“, erklärt die Polizei Bremen. Genauere Zahlen gibt es demnach nicht.

Wichtig ist dabei: Wir erfassen alle Fälle, in denen ein entsprechender Verdacht besteht – unabhängig davon, ob ein medizinischer Nachweis bereits vorliegt.

Polizei Bremen

Auch der Bremer Landesverband des Weissen Rings stellt in den Beratungen nicht fest, dass es mehr Anfragen bezüglich K.-o.-Tropfen gibt. Allerdings warnt der Verein davor, dass die Dunkelziffer sehr hoch sein könne: „Wir wissen, dass es insgesamt im Bereich Sexualdelikte, die ja oft mit den K.o.-Tropfen im Delikt verbunden sind, sowieso eine sehr, sehr hohe Dunkelziffer gibt“, so der Landespressesprecher des Weissen Rings Bremen, Jürgen Osmers. „Das ist in verschiedenen Befragungen herausgekommen und dementsprechend kann man vermuten, dass das auch bei K.o.-Tropfen so ist.“

Welche Rolle spielen K.-o.-Tropfen im Bremer Nachtleben?

„Das wahrgenommene Problem ist erstmal größer als das tatsächliche Problem“, sagt Iris Hinze, Co-Geschäftsführerin des Vereins Clubverstärker in Bremen. „Das ändert aber nichts daran, dass man das ernst nehmen muss und überlegen muss, wie man damit umgeht.“

Der Interessenverband vertritt verschiedene Clubs und Spielstätten in Bremen und bietet regelmäßig sogenannte Awareness-Trainings an. Dabei geht es darum, Feiernde vor solchen Übergriffen zu warnen und gleichzeitig die Betroffenen von solchen Übergriffen gut zu unterstützen.

Laut Clubverstärker ist der Einsatz von K.-o.-Tropfen ein Teil des sogenannten Spikings (Verabreichung von Drogen oder Alkohol an andere Personen ohne deren Wissen, Anm. der Redaktion). Denn: Nicht nur Drogen oder betäubende Substanzen werden unwissentlich in Getränke geschüttet, sondern auch Alkohol. Die Täter verabreichen dabei ihren Opfern unwissentlich Alkohol, um sie gefügig zu machen.

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Hilfe bei Sexualstraftaten

Opfer von sexuellen Übergriffen bekommen in Bremen an verschiedenen Anlaufstellen Unterstützung. Psychologische Unterstützung bietet unter anderem der Bremer Verein „Notruf“ sowie der Weisse Ring.

An den Kliniken Bremen-Mitte und Bremen-Nord sowie dem Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide ist eine anonyme Spurensicherung möglich. Wer glaubt, Opfer einer Sexualstraftat geworden zu sein, kann sich dort untersuchen lassen und auch Spuren des Übergriffes sichern lassen. Dabei ist egal, ob die Betroffenen eine Anzeige bei der Polizei erstattet haben oder nicht. Die gesicherten Spuren werden dann dort zehn Jahre anonym aufbewahrt und können benutzt werden, sollten die Betroffenen sich doch für eine Anzeige entscheiden.

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Einige Clubs und Diskos haben inzwischen eigene Awareness-Teams, die sich um die Feiernden und mögliche Opfer von K.-o.-Tropfen kümmern. Wird eine Person Opfer eines solchen Übergriffs, helfen die Awareness-Teams dabei, einen ruhigen Ort zu finden, beobachten den Gesundheitszustand und verständigen im Notfall den Rettungsdienst. Außerdem beraten sie die Opfer über weitere Schritte, beispielsweise einen Test, um die K.-o.-Tropfen nachzuweisen.

Wie kann man sich vor K.-o.-Tropfen schützen?

Club- oder Barbesucher sollten ihre Getränke nie aus den Augen lassen, das ist die wichtigste Empfehlung von Verbänden und Rettungssanitätern. Außerdem sollten keine Getränke von Fremden angenommen werden. In manchen Drogerien gibt es zudem Armbänder, die beim Erkennen von K.-o.-Tropfen helfen sollen: Tropft man eine Probe seiner Getränkes darauf und das Armband verfärbt sich, hat vermutlich eine Person etwas in das Glas geschüttet.

Bei Zweifeln, ob man K.-o.-Tropfen eingenommen hat oder nicht, empfiehlt der Clubverstärker, sich an das Barpersonal oder an Awareness-Teams vor Ort zu wenden. Sie können oft weiterhelfen.

Auch die Polizei Bremen informiert nach eigenen Angaben regelmäßig in Clubs, Bars und auf der Diskomeile, um auf das Problem hinzuweisen. Sie verteilt dabei unter anderem Flaschenverschlüsse, die es Tätern erschwert, Substanzen in Getränke zu geben.

Quelle:
buten un binnen.

Dieses Thema im Programm:
Bremen Zwei, Der Morgen, 19. März 2026, 07:10 Uhr