Archivbild: Iris Spranger (SPD), Berliner Senatorin für Inneres und Sport, spricht bei der Berliner Senatspressekonferenz im Roten Rathaus am 17.03.2026. (Quelle: picture alliance/dpa/Carsten Koall)

Stand: 21.03.2026 • 18:45 Uhr

Nach den schweren Vorwürfen von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann unterstützt Berlins Innensenatorin Spranger den Vorstoß der Bundesjustizministerin für ein digitales Gewaltschutzgesetz.

  • Fall Collien Fernandes: Schärfere Maßnahmen gegen digitale Gewalt gefordert
  • Innensenatorin Spranger: digitales Gewaltschutzgesetz kann Lücken schließen
  • Demonstration am Sonntagnachmittag in Berlin angekündigt

Die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) fordert ein wirksames digitales Gewaltschutzgesetz. „Wer Menschen im Netz jagt, bedroht oder entwürdigt, greift ihre Würde genauso an wie auf offener Straße“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Dagegen müsse der Staat konsequent, entschlossen und mit strafrechtlichen Konsequenzen reagieren, so Spranger weiter. „Ein wirksames digitales Gewaltschutzgesetz muss Lücken im Strafgesetz schließen.“

„Spiegel“-Bericht: Schwere Vorwürfe

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hatte angekündigt, zügig ein Gesetz zum besseren Schutz vor digitaler Gewalt vorzulegen. Hintergrund ist ein Bericht des „Spiegel“ [Bezahlinhalt], in dem die Schauspielerin Collien Fernandes schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen, erhebt.

Sie wirft ihm vor, er habe von ihr Fake-Profile erstellt, von denen aus er pornografische Inhalte über sie verschickt habe. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt teilte mit, die Berichterstattung sei aus seiner Sicht rechtswidrig. Es würden unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet.

Demonstration am Sonntag in Berlin angekündigt

Unterdessen hat ein neu gegründetes Bündnis namens „Feminist Fight Club“ für Sonntag zu einer Demonstration vor dem Brandenburger Tor in Berlin aufgerufen. Es gehe laut Demo-Aufruf [instagram.com] unter anderem darum, auf Gesetzeslücken im Kontext von digitaler sexualisierter Gewalt aufmerksam zu machen. Auch Fernandes selbst hat in sozialen Medien für die Demo geworben.

Das Bündnis „Feminist Fight Club“ bestehe aktuell aus etwa 20 Menschen und sei erst am Freitag wegen des „Spiegel“-Berichts gegründet worden, sagte Sprecherin Kira Bönisch rbb|24. Manche Mitglieder engagierten sich auch in anderen Bündnissen wie „Fridays for Future“ oder „Nur ja heißt ja“, das sich für eine Reform des Sexualstrafrechts einsetzt.

Hubig: Gesetzentwurf ist fertig

Bundesjustizministerin Hubig hatte Anfang des Monats angekündigt, noch im Frühjahr einen Gesetzentwurf vorzulegen, um herabwürdigende Bilder schneller aus dem Netz verschwinden lassen und Täter wirksam bestrafen zu können. Der Gesetzentwurf sei fertig und auf der Zielgeraden, sagte Hubig am Freitag in einem von ihrem Ministerium verbreiteten Instagram-Video.

In den ARD-„Tagesthemen“ sagte sie, dass der Entwurf für ein digitales Gewaltschutzgesetz in der kommenden Woche innerhalb der Bundesregierung in die sogenannte Koordinierung gehen werde. Dabei handelt es sich um ein internes Abstimmungsverfahren bei Gesetzen, bevor diese offiziell auf den Weg gebracht werden.

Porno-Deepfakes sollen strafbar werden

Geplant ist demnach, das Herstellen und Verbreiten pornografischer Deepfakes unter Strafe zu stellen. Zudem sollen Betroffene Accounts sperren lassen können, von denen diese Taten ausgehen. IP-Adressen sollen dafür für drei Monate gespeichert werden dürfen.

Bei sogenannten Deepfakes wird etwa das Gesicht einer Frau in ein anderes Video – etwa eine Porno-Sequenz – eingefügt oder die Stimme künstlich nachgeahmt, so dass es aussieht, als würde sie Dinge tun oder sagen, die nie passiert sind.

Sendung: rbb 88,8, 21.03.2026, 17 Uhr

Rundfunk Berlin-Brandenburg