Standdatum: 21. März 2026.

Autorinnen und Autoren:
Matthias Röhrs

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Ein zunächst gewöhnlich aussehender VW-Bus dient als Testfahrzeug bei der Entwicklung von autonomen Fahrten.

Bild: Radio Bremen

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Im Bremer Technologiepark entwickelt das Unternehmen Topas ein Auto, das selbstständig fährt. Die Experten testen, wie weit Autonomie im Straßenverkehr schon ist.

Direkt beim Einsteigen sieht man es schon: Diese Autofahrt wird nicht alltäglich. Kameras hängen am Innenspiegel, hinter dem Fahrer- und dem Beifahrersitz sind Bildschirme angebracht. Technisch betrachtet braucht das Auto allerdings fast gar keinen Fahrer, denn es fährt autonom. Es ist ein Testfahrzeug der Firma Topas, die ihren Sitz im Bremer Technologiepark hat, und seit einigen Jahren am autonomen Fahren arbeitet.

Matthias Rick hat es mitentwickelt.

„Im allerersten Moment, wenn man die Hände vom Lenkrad genommen hat, ist es schon ein ganz besonderes Gefühl. Man sieht, das Fahrzeug lenkt selbstständig. Man muss auch ein bisschen nochmal fahren lernen.“

Matthias Rick steht vor einem offenen VW-Bus

Matthias Rick, Mathematiker und „Sicherheitsfahrer“

Vollständig autonom ist das Auto aber noch nicht. Rick sitzt als sogenannter Sicherheitsfahrer immer noch am Steuer. Während der Fahrt hat er die Hände immer in der Nähe des Lenkrads, achtet auf mögliche Gefahren entlang der Straße. „Das Fahrzeug würde natürlich reagieren, aber da sind wir immer nochmal vorsichtiger“, sagt er.

Der Kofferraum ist das Herz des Autos

Der Kofferraum eines autonomen Fahrzeuges, samt Technologie

Im Kofferraum des Fahrzeuges „läuft alles zusammen“.

Bild: Radio Bremen

Das Auto selbst ist eigentlich ein handelsüblicher VW-Bus – obenrum silberfarben, untenrum orange. Sensoren sind an der Außenwand verteilt und fügen sich ins Design ein. Im Straßenverkehr fällt das Auto nicht weiter auf. Im Kofferraum aber ist Hochtechnologie untergebracht. Dort laufen alle Informationen in einem großen Computer zusammen. Der steuert auch das Auto.

Ein Bildschirm, der darstellt, wie ein Fahrzeug beim autonomen Fahren seine Umgebung wahrnimmt

Wie nimmt ein autonomes Fahrzeug seine Umgebung wahr?

Bild: Radio Bremen

Auf den Bildschirmen im Innenraum hat Joachim Clemens alles im Blick. Sie zeigen sozusagen das, was das Auto mit seinen Sensoren sieht. „Wenn zum Beispiel vor uns ein Fahrradfahrer kommt, kann ich hier sehen: Okay, der wurde jetzt korrekt erkannt“, erklärt Clemens. „Dann weiß ich, das Auto wird jetzt korrekt reagieren und sich der Geschwindigkeit entsprechend anpassen.“

Beim autonomen Fahren gibt es verschiedene Stufen – sogenannte Level. Null bedeutet manuelles Fahren. Level eins kennen die meisten schon aus dem Alltag – da geht es beispielsweise um Spurhalteassistenzen oder Tempomaten. Level fünf bedeutet volle Autonomie. Dann gibt es gar keine Fahrer mehr, sondern nur noch Passagiere. Der VW von Topas rangiert im Bereich der Level zwei und drei, der höchsten Stufe, bei der man noch einen Sicherheitsfahrer braucht.

Defensive Fahrweise

Auf der Straße schaltet Matthias Rick das autonome Fahren mit einem Schlüssel frei. Das Auto nimmt es sehr genau. Im Gewerbegebiet an der Uni darf man nur 30 Kilometer pro Stundek fahren – also fährt das Auto 30. Generell ist der Fahrstil eher mit dem Wort „vorsichtig“ beschreibbar.

Der Sensor eines autonomen Fahrzeugs

Mit seinen Sensoren nimmt das Fahrzeug den Verkehr wahr.

Bild: Radio Bremen

Als ein paar Meter weiter ein Auto einparkt, scheint es kurz brenzlig zu werden. Der autonome VW fährt zügig vorbei. Matthias Rick lässt ihn gewähren. Aber auch er hätte lieber ein Bremsmanöver gesehen. „Das sind aber für uns genau die spannenden Fälle. Die sind für uns als Forschende super spannend, weil man dann gucken kann, warum macht das Fahrzeug gerade noch nicht das Richtige“, so Rick.

Bremen plant, autonome Busse einzusetzen

Topas wurde von Forschern der Bremer Uni gegründet. Mathematiker Rick und seine Kolleginnen und Kollegen entwickeln dort schon seit rund zehn Jahren das autonome Fahren mit. Und genauso lange kann es noch dauern, bis autonomes Fahren zum Alltag gehört, so die Einschätzung von Shruti Patel, die bei Topas die Abteilung für Autonome Systeme leitet.

„Es muss aber noch viel gemacht werden: Bei der Technik müssen wir insbesondere in komplexen Situationen besser werden. Wir müssen sicherstellen, dass das System auch vor Cyberangriffen sicher ist.“

Shruti Patel guckt in die Kamera

Shruti Patel, Leiterin der Abteilung für Autonome Systeme

Auch der politische Wille muss da sein, sagt Patel. Die Infrastruktur, Ampeln zum Beispiel, müsse ebenfalls angepasst werden. Trotzdem scheinen autonome Fahrzeuge im Stadtbild nicht allzu fern zu sein. Die Stadt Bremen plant, langfristig autonome Busse einzusetzen, um entlegene Quartiere ans BSAG-Netz anzubinden. Auf Bundesebene arbeite man mit, den rechtlichen Rahmen zu schaffen, so ein Sprecher des Innenressorts.

Es ist aber noch viel Forschungsarbeit nötig. Einen marktreifen Bus, den es für ein derartiges Projekt braucht, gibt es noch nicht, heißt es von der BSAG. Erste Schritte möchte Topas aber noch in diesem Jahr mit Bremerhaven Bus starten, so Patel. Dort plant man ein Pilotprojekt am Kreuzfahrt-Terminal. Patel: „Wir wollen zeigen, was möglich ist.“

Quelle:
buten un binnen.

Dieses Thema im Programm:
buten un binnen, 17. März 2026, 19:30 Uhr