Wenn‘s dringend wird: Die nächste öffentliche Toilette ist weiter weg als gedacht, kostet Geld, ist nicht barrierefrei – oder geschlossen. Dabei gehört ein funktionierendes WC-Netz zur Grundausstattung einer Stadt. Bei einer Whatsapp-Umfrage haben wir die Leserschaft gefragt, welche Probleme es im Augsburger Stadtleben gibt. Dabei erreichten uns mehrere Zuschriften, in denen sich Menschen über öffentliche Toiletten beschwert haben: zu wenig, zu dreckig, nicht barrierefrei. Stefanie Rubil (58) aus Haunstetten klagt über den schlechten Zustand der Anlagen und dass es „unter der Menschenwürde ist, wenn Bürger*innen nicht die Möglichkeit haben, ordentlich auf die Toilette zu gehen“. Auch eine Zuschrift über die ungenügende Barrierefreiheit öffentlicher WCs erreichte unsere Redaktion. Wie ist die Lage der öffentlichen WCs in Augsburg tatsächlich? Und welche Alternativen gibt es zu öffentlichen Sanitäranlagen?
Anzahl der öffentlichen Toiletten in der Augsburger Innenstadt ist gering
Mit einem Blick auf die Toiletten-Infrastruktur der Augsburger Innenstadt zeigt sich, wie sehr die Frage nach dem stillen Örtchen auch eine Frage von Teilhabe und Stadtplanung ist. Laut augsburg-city.de gibt es in Augsburg 16 öffentliche Toiletten, sieben davon in der Innenstadt. In einer kurzen Google-Suche erscheinen jedoch nur zehn WCs im Stadtgebiet, davon sechs im Zentrum. Ein Blick auf die Rezensionen zeigt, dass der Toilettengang offenbar manchmal ein eher ernüchterndes Erlebnis ist.
Während das WC am Rathausplatz mit 4,7 Sternen bei 93 Rezensionen deutlich positiv hervorsticht, fallen die Sternebewertungen ausgerechnet an den großen Dreh- und Angelpunkten des öffentlichen Lebens gering aus. Am Königsplatz kommt das „City & Fresh“-WC nur auf 1,8 Sterne (bei 36 Bewertungen), am Hauptbahnhof liegt das „rail & fresh“-WC ebenfalls bei 1,8 Sternen – bei 59 Bewertungen. Einzelne Anlagen wie das WC am Stadtmarkt erreichen zwar Bestnoten, allerdings bei sehr geringer Zahl an Rezensionen.
„Toilette des Grauens“ am Königsplatz? Kritik an öffentlichen WCs
Die Bewertungen legen nahe, dass nicht nur die bloße Verfügbarkeit, sondern auch der Zustand an zentralen Knotenpunkten zum Problem werden. Als „Toilette des Grauens“ wird das WC am Königsplatz betitelt, „unbenutzbar“ schreibt ein Anderer in seiner Google-Rezension über die Toilette am Hauptbahnhof. In einer weiteren Bewertung heißt es: „Wenn man in Augsburg dringend zur Toilette muss, ist man verloren!“. Was sich durch die Beschwerden zieht: Die Gebühr von einem Euro sei zu viel, die Toiletten für den Preis zu dreckig und Toilettenpapier knapp.
Die Rezensionen kritisieren nicht nur einzelne Orte, sondern ein strukturelles Problem: In der Innenstadt fehlen zuverlässige WCs. Genau diese Lücke soll die „Nette Toilette“ schließen. Diese tauchen allerdings erst bei einer konkreten Internet-Suchanfrage auf oder sind an Aufklebern an teilnehmenden Gastronomiebetrieben zu erkennen, teilt die Stadt auf Anfrage mit.
Die „nette Toilette“ ist ein Alternativangebot zu öffentlichen WCs
Die „Nette Toilette“ ist ein Konzept gegen das urbane Problem: Statt neue WC-Anlagen teuer zu bauen und dauerhaft zu betreiben, stellen Restaurants, Cafés und Kneipen ihre Toiletten zur Verfügung – kostenlos und ohne Konsumzwang.
Eine Übersicht (Stand: März 2025) des Liegenschaftsamts Augsburg führt sechs Betriebe auf, die mitmachen. Augsburger können unter anderem im Café 13 in der Kresslesmühle (Barfüßer Str. 4, täglich 11 bis 22 Uhr) und im Hotel Maximilian‘s (Maximilianstraße 40, täglich 6 bis 22 Uhr) zur Toilette gehen. Auf der Liste stehen außerdem das Restaurant Darios (Frauentorstr. 25, täglich 10 bis 22 Uhr), die Bäckerei Schubert (Münchner Straße 18, 7 bis 18 Uhr – mit kürzeren Zeiten am Wochenende), das Eiscafé Dolomiti (Blücherstr. 7, saisonal unterschiedlich geöffnet) sowie Kral Döner Imbiss (Bürgermeister-Aurnhammer-Str. 5, täglich 11 bis 21 Uhr).
Für Augsburger ist das eine niedrigschwellige Alternative dort, wo öffentliche Toiletten fehlen. Gleichzeitig hat das Modell seine Grenzen: Die Nutzung richtet sich nach den Öffnungszeiten der Betriebe, rund um die Uhr stehen die WCs nicht zur Verfügung. Ähnlich ist es bei den regulären öffentlichen Toiletten: Viele schließen schon um 20 Uhr oder früher, einige haben sonntags ganz zu.
Gibt es in Augsburg ein Problem mit Barrierefreiheit, obwohl es eigentlich einige „barrierefreie“ Toiletten gibt?
Doch nicht nur die Uhrzeit entscheidet darüber, ob eine Toilette nutzbar ist – auch die Barrierefreiheit ist weder bei den „Netten Toiletten“ noch bei vielen öffentlichen Anlagen selbstverständlich. Wer gezielt nach einer geeigneten Sanitäranlage sucht, wird auf barrierefrei.augsburg.de zumindest in der Übersicht fündig: Dort sind Toiletten stadtweit erfasst und mit Details zu den Bedingungen vor Ort beschrieben, etwa zur Breite der engsten Stelle, dem Platz links und rechts neben der Toilettenschüssel oder dazu, ob der Spiegel auch im Sitzen nutzbar ist.
Die Auflistung zeigt aber auch, wo es hakt: So sind zwar in vielen barrierefreien Toiletten Wickeltische für Babys vorhanden, eine Erwachsenen-Wickel-Liege hingegen gibt es nirgends, ebenso wenig Möglichkeiten wie Lifter, die Menschen mit hohem Assistenzbedarf eine Nutzung überhaupt erst ermöglichen.
Es wird deutlich: Es fehlt an passender Ausstattung für alle und an verlässlicher Verfügbarkeit. Wer zum Beispiel abends beim Spaziergang durch die Innenstadt eine Toilette braucht und sich dafür nicht in Cafés oder Restaurants begeben möchte, wo eigentlich erwartet wird, dass man etwas konsumiert, muss längere Wege in Kauf nehmen. Oder man findet schlicht keine legale, zumutbare Möglichkeit. Wenn also Toiletten abends schließen oder sonntags nur eingeschränkt verfügbar sind, steigt der Druck auf Parks, Nebenstraßen und Grünflächen als „Ausweichorte“ – ein Problem, das Anwohnende und Stadtreinigung gleichermaßen betrifft. Menschen, denen die Benutzung herkömmlicher Toiletten indes gar nicht erst möglich ist, werden in ihrer Teilhabe eingeschränkt: Wer befürchtet, unterwegs keine Möglichkeit zu finden, bleibt im Zweifel zu Hause oder geht nur soweit, wie der Rückweg es zulässt.
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Josefine Reiermann
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