Wer sich vor Spinnen und anderen Krabbeltieren fürchtet oder ekelt, hat es bei der aktuellen News-Lage nicht leicht: Zuletzt wurde bekannt, dass Forscher in einer entlegenen Höhle an der Grenze zwischen Griechenland und Albanien auf den vermutlich größten Spinnennetz-Komplex der Welt gestoßen sind – mit einer Fläche von 106 Quadratmeter und mehr als 111.000 Spinnen.

In einer Stadt in Baden-Württemberg wurden zahlreiche Exemplare einer potenziell gefährlichen Spinnenart entdeckt, die eigentlich in Südamerika heimisch und bisher nicht in Deutschland verbreitet ist.

Südamerikanische Spinnen im Keller der Uni Tübingen: Was ist bekannt?

Wie die Eberhard Karls Universität Tübingen auf ihrer Webseite am 10. November 2025 mitteilte, wurden Exemplare der Chilenischen Einsiedlerspinne in einem Keller entdeckt. Beim ersten Auffindeort handelte es sich um einen nicht öffentlich zugänglichen Kellerraum des Hörsaalzentrums Morgenstelle. Nachdem eine Spinne von einem Uni-Mitarbeiter eingefangen und vom Karlsruher Zoologen Hubert Höfer identifiziert worden war, wurden rund weitere 20 Tiere eingefangen, bestätigte die Universität gegenüber dem SWR. Es sei zu keiner weiteren Ausbreitung über die betroffenen Kellerräume hinaus gekommen, hatte die Universität zunächst gemeldet.

Doch am 18. November 2025 folgte eine erneute Pressemitteilung der Universität: Exemplare der Spinnen wurden in weiteren Bereichen auf der Morgenstelle sowie auf dem Campus Tal gefunden. Die Beschäftigten sowie das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, das Regierungspräsidium, das Landratsamt und die Stadt Tübingen seien informiert worden.

Fakten zur Chilenischen Einsiedlerspinne

Laut dem Wiki der Arachnologischen Gesellschaft (ARAGES) hat die Spinnenart folgende Merkmale:

  • Lateinischer Name: Loxosceles laeta
  • Körperlänge: neun bis zwölf Millimeter
  • Farbe: Vorderleib hellgelb bis orange oder rötlichbraun, Hinterleib grau bis weiß, mit schwarzen Haaren bedeckt
  • Augen: sechs eher kleine Augen, die in drei Gruppen stehen
  • Verbreitung: ursprünglich Südamerika, eingeschleppt nach Finnland, Australien und in die USA

Ist die Chilenische Einsiedlerspinne gefährlich?

Laut der Uni-Pressemitteilung ist die Chilenische Einsiedlerspinne nachtaktiv, gilt als menschenscheu und nicht aggressiv. Dennoch ist Vorsicht geboten: Sollte es zu einem Biss kommen, kann die Spinne ein Gift absondern, das eine ärztliche Behandlung erforderlich macht. In seltenen Fällen könnte es zu Nekrosen kommen. Das ist laut gesundheitsinformation.de der Fachbegriff für abgestorbenes Gewebe in einem lebenden Körper. Gifte und Bakterien können zum Beispiel zum Zell- und Gewebetod führen. 

MDR Wissen berichtete derweil von einer im Oktober 2022 veröffentlichten Studie aus Brasilien, die zeigte, dass das Auftreten von Nekrosen bei Gebissenen um 30 Prozent verringert wird, wenn innerhalb von 48 Stunden ein Gegenmittel verabreicht wird. Es ist also angeraten, schnell ärztliche Hilfe aufzusuchen, wenn es zu einem Biss der Spinne kommen sollte.

Neue Giftspinne in Deutschland: Ist sie gefährlicher als die Nosferatu-Spinne?

Die Chilenische Einsiedlerspinne und die Nosferatu-Spinne sind beide exotische Spinnenarten – Letztere wird in Deutschland immer häufiger gesichtet. Laut einem weiteren Beitrag von MDR Wissen ist die Chilenische Einsiedlerspinne aufgrund ihres giftigen Bisses potenziell gefährlicher als die Nosferatu-Spinne, deren Biss meist nur geringe Schmerzen oder lokale Hautirritationen verursacht. Jedoch ist die Begegnung mit einer Chilenischen Einsiedlerspinne in Deutschland – fernab der Uni Tübingen – sehr unwahrscheinlich. Im Hinblick auf die Verbreitung bei uns könnte der Nosferatu-Spinne am ehesten noch die Südrussische Tarantel Konkurrenz machen, so der MDR. Die wurde schon im östlichen Österreich gesichtet.

Wie ist die Chilenische Einsiedlerspinne nach Tübingen gekommen?

Durch Globalisierung, Warentransporte und Klimawandel gelangen immer mehr Tier-, Pilz- und Pflanzenarten in neue Lebensräume, informiert die Universität in ihrer Pressemitteilung. Die Chilenische Einsiedlerspinne wurde bereits in einige Länder außerhalb Südamerikas eingeschleppt, bestätigt Hubert Höfer, Leiter des Referats Zoologie am staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe, laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Das liege auch daran, dass diese Spinnenart häufig in Gebäuden lebe und von dort etwa in Exportgüter gelange. Wann und wie die Spinnen nach Tübingen gekommen sind, lässt sich laut dem Experten nicht mehr nachvollziehen.

Laut der Uni Tübingen hält es Höfer für wahrscheinlich, dass die Spinne zwischen den Fundorten innerhalb der Universität verschleppt wurde. Dies könne geschehen, indem zum Beispiel eine Kiste mit der Spinne als blindem Passagier innerhalb der Universität verschickt wurde. Wie viele Spinnen insgesamt die Universität ihr Zuhause nennen, ist unbekannt – ebenso wie lange die Spinnenart schon in Tübingen lebt.

Laut Höfer gibt es auch keine Hinweise darauf, dass sich die Art in Deutschland ausbreiten könnte: „In Südamerika ist die Spinne sehr häufig, außerhalb ihrer Heimat, in fremden Klimazonen ist das Ausbreitungspotenzial in die Umwelt aber sehr gering.“ In Europa ist die Spinne laut Höfer bisher nur aus Finnland bekannt: Dort lebt sie seit über 60 Jahren – interessanterweise ebenfalls in einem Uni-Gebäude, dem der Universität Helsinki. Bislang wurde dort noch niemand gebissen.

Was passiert jetzt mit den entdeckten Spinnen an der Uni Tübingen?

Wie die Uni Tübingen schreibt, wurden alle Nutzer des betroffenen Bereichs über den Fund der Spinnen und die Vorsichtsmaßnahmen informiert. In einem Instagram-Post rät die Universität dazu, die Tiere nicht mit bloßen Händen zu berühren oder zu fangen.

Man habe sich zudem mit Hubert Höfer abgestimmt und Maßnahmen zur Bekämpfung der Spinnen eingeleitet. Laut SWR gehören dazu Klebefallen zur Eindämmung. Höfer geht demnach aber auch davon aus, dass die Spinnenart dort nicht mehr wegzubekommen sei.

  • Maria Wendel

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