TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen

Mannheim (Baden-Württemberg) – Bei der insolventen Brauerei Eichbaum in Mannheim fällt jetzt die Entscheidung über die Zukunft: Rettung oder das endgültige Aus. Am kommenden Dienstag versammeln sich die Gläubiger. Sie stimmen ab, wie es mit dem insolventen Traditionsunternehmen weitergeht.

Steigt ein Investor ein? Oder wird die 1679 gegründete Brauerei abgewickelt? Wie viele Mitarbeiter verlieren ihre Jobs? Bevor die Gläubiger abstimmen, tagt zuvor der Gläubigerausschuss. Liegt dort kein tragfähiges wirtschaftliches Konzept für die Brauerei auf dem Tisch, droht die endgültige Stilllegung. Dann wird alles verkauft, was sich zu Geld machen lässt.

Nach Angaben der Geschäftsführung gab es Interessenten. Darunter Finanzinvestoren und strategische Investoren. Ziel sei es, den Standort und die Marke zu erhalten. Die Brauerei blickt auf eine fast 350-jährige Geschichte in Mannheim (Baden-Württemberg) zurück.

Kündigungen unumgänglich

Klar ist aber auch: Selbst wenn Eichbaum weitermacht, trifft es die Belegschaft. Es sollen knapp 100 Menschen vom Personalabbau betroffen sein, so die Aussage der Geschäftsführung von Mitte Februar. Die Zahl der Beschäftigten soll bei einer Rettung des Traditionsunternehmens auf unter 200 sinken. Der Einschnitt wäre massiv, Kündigungen unumgänglich. Aktuell arbeiten noch knapp 290 Menschen bei dem Unternehmen. Damit würde rund jede dritte Stelle in der Brauerei wegfallen.

In den 1930er Jahren hatte die Brauerei Eichbaum auf dem Rettichfest in Schifferstadt einen Ausschank

In den 1930er Jahren hatte die Brauerei Eichbaum auf dem Rettichfest in Schifferstadt einen Ausschank

Foto: ddp

Betriebsratschef Umut As beschrieb im Februar die Lage gegenüber BILD als drastisch: „Das ist eine bittere Pille. Wir haben jetzt leider keine andere Wahl. Wir müssen diesen Weg jetzt so gehen.“ Es gehe ums „nackte Überleben“.

Der Grund für die Insolvenz

Ende Oktober 2025 hatte die Brauerei den Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Der Grund: Der Umsatz im Export war zurückgegangen, im Inland sank die Nachfrage. Die Folge: ein erheblicher Liquiditätsengpass. Eigenverwaltung heißt: Das Unternehmen behält während der Insolvenz die Verfügungsgewalt. Es bleibt entscheidungs- und handlungsfähig. Ein Sachwalter (eine Art Aufpasser) überwacht die Geschäftsführung.

Mehr zum ThemaBiermarkt unter Druck

Der Druck auf die Brauerei-Branche ist groß. Weil der Bierkonsum in Deutschland seit Jahren zurückgeht, laufen die Geschäfte bei vielen Brauereien und in der Gastronomie nicht gut. Nach eigenen Angaben liefert das Unternehmen weltweit in mehr als 60 Länder. Ursprünglich sollte Eichbaum von einer reinen Brauerei zu einem breiter aufgestellten Getränkehersteller umgebaut werden. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Eichbaum seine Marke Karamalz samt Produktion an Veltins verkauft hat. Der Verkaufspreis wurde nicht genannt.