Der Nürnberger OB-Wahlkampf bleibt erstaunlich zivilisiert. Das ist manchmal fast schon langweilig. Für die Stadt und die Demokratie ist das allerdings ein gutes Zeichen.
Es ist ein guter Wahlkampf bisher. Keine Entgleisungen, keine persönlichen Angriffe, immer sachlich. Ja, fast schon „a weng“ langweilig – aus journalistischer Sicht. Welch eine Wohltat! Während sich die Welt vor Populismus kaum retten kann, bleibt es in Nürnberg auch in der hitzigen Wahlkampfzeit angenehm sachlich. Das ist ein gutes Zeichen für die Demokratie.
Es gab Momente, da hätte man sich als Journalist fast ein wenig mehr Drama gewünscht. Eine Szene, bei der jemand die Geduld verliert. Ein Zitat, das garantiert in den Schlagzeilen landet. Doch dazu ließ sich keiner der Oberbürgermeister-Kandidaten hinreißen. Sie bleiben stets respektvoll, auf Augenhöhe.
In einem Streitgespräch fragten Reporter von t-online beispielsweise, was die aussichtsreichsten drei OB-Kandidaten aneinander schätzen. Da hatte jeder sofort eine Antwort parat. Dann kam die Gegenfrage: Was nervt sie aneinander? Betretenes Schweigen. Erst nach Zögern und Nachfrage rangen sich die Kandidaten zu einer vorsichtigen Antwort durch. Ein Moment, der beispielhaft für das hohe Niveau des Wahlkampfes steht.
Hinter den Kulissen ist das nicht anders. Da wird auf Augenhöhe geplaudert, geschäkert oder auch mal mit Fotos ausgeholfen, die das Konkurrenzteam gemacht hat. Man nimmt es ihnen ab, dass es ihnen um Nürnberg geht und weniger um das eigene Ego. Eben um das „Miteinander“, das der amtierende OB so oft propagiert.
Ganz ohne die eine oder andere Spitze geht es natürlich nicht. Wenn Marcus König (CSU) auf einem Podium scheinbar nebenbei über das Buch seines Konkurrenten lästert. Oder Nasser Ahmed (SPD) erklärt, dass er sich von König wiederum mehr Selbstbewusstsein wünschen würde.