Sonntagmorgen, 7 Uhr – oder doch erst 6 Uhr? Ein weiteres Jahr, eine weitere verlorene Stunde und erneut gerät unsere innere Uhr aus dem Gleichgewicht. Sie orientiert sich nicht daran, wo der Zeiger auf der Uhr steht, sondern am Tageslicht. Diese innere Uhr wird maßgeblich von Hormonen wie Melatonin und Cortisol gesteuert, die den Schlaf-Wach-Rhythmus regulieren.

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UKSH Kiel: Wie Licht unseren Rhythmus beeinflusst

Bei Dunkelheit wird Melatonin ausgeschüttet, es hilft uns, müde zu werden und einzuschlafen. Morgens, wenn das Tageslicht zunimmt, sinkt die Produktion des Schlafhormons, während der Cortisolspiegel steigt. So das Grundprinzip. Nach der Zeitumstellung bleibt es abends aber plötzlich länger hell, der Körper schüttet deshalb auch erst später Melatonin aus.

Das sorgt bei manchen Menschen dafür, dass sie nicht rechtzeitig einschlafen und am nächsten Morgen müde am Frühstückstisch sitzen, gefolgt von einem zähen Tag. Manche Menschen sind kurz nach der Umstellung auch unkonzentrierter oder gereizter als sonst.

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„Im Durchschnitt brauchen wir sieben bis neun Stunden Schlaf. Wenn wir aber schlecht oder zu wenig schlafen, dann steigt das Stresshormon Cortisol stark an. Dadurch kommt es zu einem Blutzuckeranstieg“, sagt Tim Hollstein, Oberarzt am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel. Wenn der Schlaf-Wach-Rhythmus durcheinandergerät, produziere der Körper auch vermehrt das Hungerhormon Ghrelin.

Forscher aus Lübeck haben das untersucht. Wer zu wenig oder schlecht schläft, isst dadurch mehr. Unausgeschlafene Versuchspersonen nahmen beispielsweise im Schnitt 300 Kilokalorien mehr zu sich als ausgeschlafene. „Wir wollen dann auch eher ungesundes Essen“, sagt Hollstein.

Tim Hollstein ist Oberarzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie am UKSH in Kiel.
Foto: Susanne Link

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Nach Zeitumstellung: Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöht

Die Zeitumstellung hat noch eine weitere Folge: „Wir wissen, dass diese hormonellen Veränderungen unter Stress das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen“, sagt Hollstein. In den Tagen nach der Umstellung auf die Winterzeit steigt, Forschern aus den USA zufolge, die Wahrscheinlichkeit für Herzinfarkte um 24 Prozent, andere Studien zeigen einen niedrigen Anstieg. Männer und Personen, die bereits Herzmedikamente einnehmen, sind besonders gefährdet.

„Nach der Zeitumstellung ist es wichtig, möglichst viel Zeit draußen zu verbringen und ausreichend Sonnenlicht zu tanken. Dann kalibriert sich die innere Uhr neu“, sagt Hollstein. Nach zwei oder drei Tagen sollten sich die meisten Symptome reguliert haben.

Transparenzhinweis der Redaktion: Dieser Artikel erschien online erstmals am 28. März 2025.