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Jahrelang versuchten Wissenschaftler vergeblich, diesen Moment zu beobachten. Dann passierte er einfach – und Hubble schaute zufällig genau hin.

München – Manchmal macht der Zufall die beste Wissenschaft. Als das Hubble-Weltraumteleskop im November 2025 den Kometen C/2025 K1 (ATLAS) ins Visier nahm, war das eigentlich nur Plan B. Der ursprünglich geplante Komet ließ sich wegen technischer Einschränkungen nicht beobachten. Das Forschungsteam musste kurzfristig ein Ersatzziel finden – und erlebte eine Sensation: Genau in dem Moment, als Hubble hinschaute, zerbrach der Komet vor den scharfen Augen des Teleskops.

Die drei Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops zeigen den zerbrechenden Kometen C/2025 K1 (ATLAS) im November 2025. Es ist das erste Mal, dass das Teleskop einen Kometen so kurz nach seinem Zerbrechen beobachtet hat.Die drei Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops zeigen den zerbrechenden Kometen C/2025 K1 (ATLAS) im November 2025. Es ist das erste Mal, dass das Teleskop einen Kometen so kurz nach seinem Zerbrechen beobachtet hat. © NASA, ESA, Dennis Bodewits (AU); Image Processing: Joseph DePasquale (STScI)

„Die Wahrscheinlichkeit dafür ist extrem gering“, sagt John Noonan, Co-Forscher und Professor an der Auburn University in Alabama. „Manchmal passiert die beste Wissenschaft aus Versehen“, ergänzt er. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Icarus veröffentlicht.

Hubble-Teleskop zeigt vier Kometen statt einen – Komet K1 ist zerbrochen

Noonan bemerkte das Außergewöhnliche erst einen Tag nach der Aufnahme, als er die Bilder sichtete. „Während ich mir die Daten ansah, sah ich vier Kometen in den Bildern, obwohl wir nur einen beobachten wollten“, berichtet er. „Da wussten wir, dass das etwas wirklich, wirklich Besonderes war.“

Die Ironie: Jahrelang hatten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erfolglos versucht, mit Hubble einen zerbrechenden Kometen zu erwischen. Solche Beobachtungen sind schwer zu planen und wurden nie bewilligt. „Jetzt untersuchen wir einfach einen normalen Kometen und er zerbricht vor unseren Augen“, sagt Hauptforscher Dennis Bodewits, ebenfalls Professor in Auburn.

Faszinierende Fotos: „Jahrhundert-Komet“ zieht über den Nachthimmel Montage: Der Komet ist schon mit dem bloßen Auge zu erkennen.Fotostrecke ansehenWährend Hubble zuschaut: Komet zerbricht und hinterlässt mehrere Fragmente

Für die Wissenschaft ist der Glücksfall Gold wert. Kometen sind Überbleibsel aus der Entstehungszeit des Sonnensystems, bestehen also aus uraltem Material. Dieses Material wird von der Sonne angestrahlt und ist kosmischer Strahlung ausgesetzt. „Indem man einen Kometen aufbricht, kann man das ursprüngliche Material sehen, das nicht verarbeitet wurde“, erklärt Bodewits. Ein anderer Komet kann derzeit von der Erde aus beobachtet werden.

Hubble nahm zwischen dem 8. und 10. November 2025 an drei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils ein 20-Sekunden-Bild des Kometen auf. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich K1 bereits in mindestens vier Teile gespalten, jedes mit einer eigenen Koma – der nebligen Hülle aus Gas und Staub um den Eiskern. Das Team schätzt, dass der Komet acht Tage vor den Hubble-Aufnahmen zu zerbrechen begann. Während Hubble zuschaute, zerbrach sogar eines der kleineren Fragmente weiter.

Komet K1 ist kurz nach dem sonnennächsten Punkt seiner Umlaufbahn zerbrochen

Der Zeitpunkt war kein Zufall: Die Aufnahmen entstanden nur einen Monat nach K1s sonnennächstem Punkt, dem Perihel. Dort, innerhalb der Merkur-Umlaufbahn, erlebte der Komet extreme Hitze und maximalen Stress. Genau in dieser Situation nach dem Perihel neigen langperiodische Kometen wie K1 dazu, auseinanderzufallen. „Nie zuvor hat Hubble einen fragmentierenden Kometen so nah am tatsächlichen Zerbrechen erwischt“, betont Noonan. „Das sagt uns etwas sehr Wichtiges über die Physik an der Kometenoberfläche“.

Der Komet K1 war vor dem Zerbrechen vermutlich etwa acht Kilometer groß. Mittlerweile ist er eine Ansammlung von Fragmenten, die rund 400 Millionen Kilometer von der Erde entfernt sind. Er ist auf dem Weg, das Sonnensystem zu verlassen – und wird wohl nie zurückkehren. Die Forschenden warten gespannt auf die spektroskopischen Analysen der Hubble-Daten: Bodengestützte Messungen zeigen bereits, dass K1 chemisch sehr ungewöhnlich ist – er enthält deutlich weniger Kohlenstoff als andere Kometen. (Quellen: Icarus, NASA) (tab)