Betörendes Ultraminblau, strahlendes Gelb, brodelnde Rotnuancen – pastos, zuweilen furchenreich, immer im Wettstreit mit aus Bildtiefen blitzenden Tönen – prägen vordergründig Wolfgang Speens Malerei. Die Energie der fast reliefartig anmutenden Arbeiten bestimmt noch bis zum 12. April wirkmächtig den Ausstellungsraum in der Kostenpflichtiger Inhalt Galerie des Atelierhauses E71. Charakteristisch für Speens Bildsprache ist ebenso eine raumgreifende Dynamik. Der fordernde Charakter gilt für die großen Leinwände wie auch für einige Kleinformate auf Papier, Bütten, Pappe und Japanpapier.
„Alchemie der Farben“ ist die Ausstellung betitelt. Der Künstler stellt die Farben in der Regel nach altmeisterlichen Techniken selbst her, verwendet aber auch bildfremde Materialien wie Asphaltlack, Stein- und Marmormehl, Harze, Kreide, Eisenspäne und Asche. Pastose Farbspuren treffen auf Öl-Harz-Pigmentschichten in Lasurtechnik. Der Stabilität wegen wählt Speen doppelte Keilwände. Stehengelassene Farbverläufe an den breiten Rändern lassen die Dichte der Schichten ahnen, in die auch Sande und Erden aus der ganzen Welt eingearbeitet sind. „Es geht mir um das Bild hinter dem Bild“, sagt der Künstler zur prozessual angelegten Entstehung der Werke.
Er arbeitet mit Spachtel und Rakeln, auch mit den Händen. Er gönnt sich mit Techniken, wie Farbschüttungen, Tröpfeln, Ziehen, Abkratzen, maschinellem Schleifen von Farbe, weitere spontane Handlungsmöglichkeiten. Speen versteht seine gestische Malerei als Dialektik von Zerstörung und Aufbau. An einer Seite sind einige kleinformatige Werke dicht gehängt. Der Mönchengladbacher bezeichnet diese Bilder als seine „Kammerstücke“.
Er empfinde sie ebenso herausfordernd wie die großen Arbeiten, da auch die kleinen ihren Raum zur Entfaltung bräuchten. Der Künstler beschreibt sich als Naturmensch, der sich von Wäldern, Geysiren und Wolkenformationen beeinflussen lasse. „Ich sauge die Natur auf, und während des Malens kommt das alles raus“, sagt er. Porös pulsierende Rotabstufungen einer Arbeit mit wenigen helleren und aufgeplatzten Partien assoziieren etwa ein Brodeln und Brennen.
Bildtitel, wie „Genos“, „Assul“, Salum“, wirken assoziativ, geheimnisvoll. Speen, der Kunst und Germanistik studierte, erklärt sie als Kombinationen von Klanglauten, die größtmöglichen Spielraum für Gedankenspiele lassen. In den Fantasienamen als „Steigbügel“ für den Bildeinstieg sowie in mitunter angedeuteten Schriftzügen erkennt Kunsthistorikerin Sigrid Blomen-Radermacher, auch Autorin unsrer Redaktion, eine für Speen charakteristische Verknüpfung von Sprachbild und Bildsprache. Zur sehr gut besuchten Vernissage forderte sie auf, einzutauchen in die Farben und Materialität seiner Bilder.
Öffnungszeiten: Sa und So, 12 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung.