Die 30.660 Zuschauer im ausverkauften Augsburger Stadion dürften sich bereits nach wenigen Minuten gefragt haben, welche der beiden Mannschaften auf dem Rasen am vergangenen Donnerstag noch ein schweres Auswärtsspiel in der Europa League absolvieren musste – und welches der beiden Teams relativ frisch in die Partie gegangen war. Der VfB Stuttgart, dessen internationale Reise unter der Woche durch ein 0:2 beim FC Porto für diese Saison endete, setzte sich mit 5:2 (3:0) beim FCA durch und präsentierte sich trotz der Mehrfachbelastung frischer, spritziger und gedankenschneller als der Kontrahent.
Stuttgart

Nach dem Europa-League-Aus in Porto steht für den VfB Stuttgart die Aufarbeitung an. Worauf es jetzt ankommt, damit der Traum von Europa in der Liga weiterlebt.
VfB Stuttgart mit starker Bilanz nach Donnerstagsspielen
Damit verbesserte der VfB seine überragende Statistik nach Europa-League-Spielen. Insgesamt zwölf Mal musste der DFB-Pokalsieger in dieser Spielzeit unter der Woche ran. Es folgten in der Bundesliga zehn Siege und ein Remis in zwölf Spielen bei 30:11 Toren. Eine Bilanz, die den Lernfortschritt der Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß verdeutlicht.
Sebastian Hoeneß: „Wir hatten stets eine Antwort parat“
Dementsprechend zufrieden war der Coach mit der abermaligen Reaktion seines Teams. „Wir sind am Donnerstag aus der Europa League ausgeschieden, waren geknickt – und sind heute bemerkenswert aufgetreten“, bilanzierte Hoeneß am ARD-Mikrofon. „Wir hatten stets eine Antwort parat. Wir sind zufrieden mit unserer Leistung und happy über die drei Punkte.“
Hoeneß lobte vor allem die Resilienz – und es war tatsächlich beeindruckend, wie sein Team (kleinere) Rückschläge immer sofort konterte. Nach den Augsburger Treffern durch den Ex-Stuttgarter Fabian Rieder zum 1:3 (57. Minute) und zum 2:4 durch Julius Kade (72.) schlug seine Mannschaft immer zurück und ließ es nicht zu, dass die Partie noch einmal „heiß“ wird. Für den VfB trafen Deniz Undav (12., 58.), Tiago Tomas (29.), Nikolas Nartey (31.) sowie Ermedin Demirovic (83.).
Deniz Undav ist in absoluter Topform
Undav, der neben seinen zwei Treffern auch das Tor von Demirovic vorbereitete, hat nun in sechs aufeinanderfolgenden Bundesligaspielen genetzt. Insgesamt hat er in 21 Bundesligaspielen 18 Treffer erzielt und fünf weitere Tore vorbereitet. Damit hat er bereits Mitte März seine Bestmarke von 18 Saisontoren aus der Spielzeit 2023/2024 eingestellt.
Eine überragende Bilanz – erst recht vor dem Hintergrund, dass der 29-Jährige zu Saisonbeginn knapp anderthalb Monate verletzt fehlte. Seit dem achten Spieltag hat er 23 Torbeteiligungen gesammelt. Die Nominierung für die Test-Länderspiele am 27. März in Basel gegen die Schweiz sowie drei Tage später in Stuttgart gegen Ghana dürfte sein Selbstvertrauen noch einmal zusätzlich gepusht haben.
„Wir haben die Wut über das Ausscheiden gegen Porto mit in das Spiel genommen, waren von Beginn an präsent und überlegen. Die Tore haben wir zu richtig guten Zeitpunkten erzielt. Durch die Gegentreffer ist es nochmal unnötig spannend geworden – aber es war super, wie wir als Mannschaft darauf reagiert haben“, sagte Undav nach dem Sieg beim FCA. „Ich mache gerade einiges richtig. Meine Vorlage fand ich gefühlt schöner als die Tore.“
„Jeder, der da ist, wird Gas geben – ich persönlich auch“
Der Angreifer beteuerte, er sei „sehr glücklich“ darüber, wieder im Kader der deutschen Nationalmannschaft zu stehen, nachdem er im Herbst in zwei Länderspielpausen nicht nominiert worden war. „Wenn ich spiele, versuche ich zu glänzen und zu treffen“, kündigte Undav schon mal selbstbewusst an. „Es sind sehr wichtige Spiele. Es sind nicht nur Freundschaftsspiele. Wir müssen uns anbieten, dem Bundestrainer zeigen, dass wir bei der WM dabei sein wollen. Es ist der letzte Grundstein, der gelegt werden kann. Jeder, der da ist, wird Gas geben – ich persönlich auch.“
Eine Teilnahme an der WM 2026 wäre „das Größte“ für Undav: „Dafür spielen wir Fußball! Ich möchte Deutschland repräsentieren, dafür gebe ich tagtäglich alles!“
Linke Seite weckt Erinnerungen an die Vizemeister-Saison
Hervorzuheben war aus Stuttgarter Sicht in Augsburg auch die linke Seite mit Chris Führich und Maximilian Mittelstädt. Sie weckte Erinnerungen an die Vizemeister-Saison 2023/2024. Mittelstädt bereitete einen Treffer vor, Führich ebenso. Zudem gelangen dem Flügelspieler noch zwei Pre-Assists. Beide Profis waren von Bundestrainer Julian Nagelsmann nicht nominiert worden und wollen sich noch für die WM empfehlen. Dem VfB Stuttgart kann es recht sein, wenn solche Leistungen wie in Augsburg dabei herauskommen.
Stark trumpfte auch Nikolas Nartey auf. Seine Hackenvorlage vor dem Tor durch Tomas war schon stark, nur knapp zwei Minuten später krönte der Däne seine Leistung mit seinem dritten Saisontreffer.
Angelo Stiller: „Es war eine starke Mannschaftsleistung“
Und auch der „Dirigent“ des Stuttgarter Spiels soll nicht vergessen werden. Angelo Stiller war einmal mehr Taktgeber für den VfB, möglicherweise auch beflügelt durch die Nachnominierung von DFB-Coach Nagelsmann kurz vor dem Spiel. „Der Sieg fühlt sich gut an. Nach wirklich anstrengenden Wochen mit vielen Spielen haben wir heute nochmal alles herausgehauen. Wir haben viele Kilometer abgespult und konnten immer wieder Chancen kreieren“, resümierte der Mittelfeldspieler. „Es war eine starke Mannschaftsleistung. Wir sind froh über die drei Punkte.“
Hartes Restprogramm
Beim VfB Stuttgart wird jetzt erst einmal durchgeschnauft. Coach Hoeneß kündigte für alle Nicht-Nationalspieler ein paar freie Tage an. Danach steht die „Crunch time“ an mit noch sieben Bundesligaspielen und dem DFB-Pokal-Halbfinale gegen den SC Freiburg. Die Schwaben gehen als Dritter in den Endspurt und haben Platz acht bereits rechnerisch sicher. Somit hat sich der Neunte der abgelaufenen Spielzeit bereits jetzt auf jeden Fall tabellarisch verbessert. Eine sehr gute Ausgangsbasis also, auch wenn das Restprogramm schwierig ist. Unter anderem warten noch der BVB, der FC Bayern und Bayer 04 Leverkusen.
Stuttgart scheint gut gerüstet. Zudem fällt die Dreifachbelastung ja nun weg – auch wenn der VfB in den Wochenenden nach europäischen Spielen ja bekanntermaßen gut performt hat. So wie in Augsburg – zum letzten Mal in der aktuellen Spielzeit.