Hat sich die Edeka-Filiale mit ihrer Werbe-Strategie verhoben?

Hat sich die Edeka-Filiale mit ihrer Werbe-Strategie verhoben?Bild: threads / edeka seifert

Supermarkt

Mit der Nutzung eines aktuellen Social-Media-Trends zieht ein regionaler Edeka Kritik auf sich. Was steckt hinter den seltsamen Gemüse-Videos?

23.03.2026, 12:3423.03.2026, 12:34

Lysander-Noel Liermann

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Der Edeka Seifert in Kressbronn und Langenargen am Bodensee wirbt damit, Betriebe aus der Region zu unterstützen. Mit ihren Produkten könnten sie den Konsument:innen Qualität bieten, die man schmeckt, verspricht das Unternehmen auf seiner Website.

Soweit so normal. Aber diese Edeka-Filiale ist zudem recht aktiv auf Tiktok. Mit dem Aufgreifen eines Trends polarisiert der Supermarkt nun auf Social Media.

Edeka nutzt Tiktok-Trend auf Social Media

Mit der Caption „Neu im TK Regal: Herzstücke Iced Love Schokofrüchte“ bewirbt Edeka Seifert seine Eisneuheiten. Dazu wurde ein Bild mit KI generiert, das einen aktuellen Trend auf Tiktok aufgreift. Darin enthalten: Eine Kirsche und eine Banane, die gemeinsam fremdgehen.

Unzählige dieser Videos gehen seit einigen Wochen von diversen Postenden auf Tiktok viral. Die grundsätzliche Geschichte eines jedes Videos ist: Eine „weibliche“ Frucht geht mit einem „männlichen“ Pendant fremd.

„Das darf nicht mehr passieren“, erklärt die weibliche Frucht in jedem von ihnen. Zusätzlich wird sie in der Regel leicht bekleidet dargestellt, während die „männliche“ Banane eher hochgeschlossen daherkommt. Beide Geschlechterdarstellungen sind aber extrem stereotypisch. Edeka reproduzierte die Ästhetik entsprechend:

Edeka reagiert auf Sexismus-Vorwürfe auf Social Media

So dauert es nicht lange, bis auf Threads erste Stimmen die Kampagne kritisieren. Eine Person kommentiert: „Geht es in den Videos nicht immer um irgendwelche Sexgeschichten?“ Und weiter:

„Wie kommt man denn auf die Idee, dass sexualisierte Früchte der große Marketing-Coup sind?“

Ein weiteres Problem, dem sich Edeka stellen muss: Viele kennen den Tiktok-Trend nicht. Eine Person gesteht: „Ich verstehe nicht mal die Nachricht hinter dieser Werbeanzeige … Aber irgendwie hab ich das Gefühl, das es eine sehr sexistische sein wird.“

Ein Kommentar erhält besonders viele Likes:

„Sowas an einem Tag zu posten, an dem ganz Deutschland darüber spricht, wie eine Frau von ihrem Ehemann ausgenutzt und sexualisiert wurde, zeugt schon von ganz besonderer Ignoranz.“

Gemeint ist der Fall Collien Fernandes:

Edeka wird auch wegen KI-Nutzung kritisiert

Auch die Nutzung von Künstlicher Intelligenz wird kritisiert. Eine Person erklärt: „AI Scheiße plus Sexualisierung von Früchten. Aha… (ekelhaft)“

Edeka Seifert zeigt sich derweil wenig einsichtig. „Manche brauchen bei Satire etwas länger“, kommentiert der Markt. Und an anderer Stelle: „Das ist KI Satire. Versteht man in dem Fall nur auf Tiktok.“

Aber auch auf Tiktok, beim korrespondierenden Post dort, kommentieren User:innen: „das ist ja peinlich“ und „Edeka das ist einer zu viel“. Gleichzeitig feiern viele User:innen der Plattform das schnelle Aufgreifen eines aktuellen Tiktok-Trends.

Immerhin dürfte Edeka Seifert sein Ziel erreicht haben: Die Reichweite dieser KI-generierten Inhalte ist überdurchschnittlich hoch. Beide Videos in diesem Stil haben je rund 500.000 Aufrufe.