Riesige Stadien, tausende Fans, tobender Applaus: Woche für Woche trainieren viele Kinder und Jugendliche für ihren Traum von einem Vertrag im Profifußball. Doch nur ein winziger Bruchteil der Nachwuchstalente schafft den Sprung in die Profiligen. Natürlich ist es enttäuschend, den Traum von der eigenen Fußballkarriere trotz jahrelanger harter Arbeit zerplatzen zu sehen. Zum Glück geht es auch anders, meint zumindest Adi Vrebac.
Vor knapp einem Jahr hat er in Augsburg eine Futsalschule gegründet, um Kinder in dieser Sportart auszubilden. Nun kommt mit den „Futsal Dragons Augsburg“ ein Verein dazu, der den jungen Spielern eine Zukunftsperspektive bieten soll. Vrebac ist überzeugt, dass die Profikarriere im Futsal für seine Schützlinge dadurch nicht unwahrscheinlich ist.
Futsal ist mehr als nur Hallenfußball: Eine eigenständige Sportart
Futsal ist eine vom Weltverband FIFA anerkannte Form des Hallenfußballs. Es wird mit fünf Spielern auf einem kleineren Spielfeld ohne Bande gespielt. Sowohl Ball als auch Tore sind kleiner als beim Fußball. „Auf einer Spielfeldlänge von nur 40 Metern kommt man schnell von Tor zu Tor. So hat das Spiel viel Intensität, erfordert viele Spielaktionen, ist dynamisch und technisch anspruchsvoller“, erklärt Vrebac. Ein weiterer Vorteil der weniger verbreiteten Sportart, den der Trainer betont: kürzere Wege in den Profibereich.
Vrebac selbst habe seine ersten Schritte im Fußball gemacht, bevor er im Futsal erfolgreich geworden ist. Mit Futsal sei er das erste Mal in Bosnien und Herzegowina, wo der Sport schon eine längere Tradition hat, in Berührung gekommen: „Da war ich so 12 oder 13 Jahre alt. Im Sommer gab es Turniere auf Beton. Ich fand das immer total interessant, wusste aber nie, wie man richtig spielt.“ Als sein Onkel ihn dann auf der Suche nach Mitspielern angesprochen habe, war es um ihn geschehen. „Dann bin ich ein klassischer Hallenkicker geworden.“ In Deutschland ist Vrebac 2019 in den Futsal-Liga-Betrieb eingestiegen. Von Bayer Uerdingen ging es zu Fortuna Düsseldorf, von dort zum Bundesligisten SSV Jahn Regensburg, mit dessen Mannschaft er Deutscher Vize-Meister wurde. Außerdem war Vrebac in Schweden und Polen, bevor er für seine Familie schließlich nach Augsburg zog. Mittlerweile ist Vrebac stolzer Spieler der österreichischen Nationalmannschaft.
Schon vor zwei Jahren hatte der 33-Jährige beschlossen, seine Begeisterung für Futsal weiterzugeben und gründete einen Futsal-Verein, für den sich allerdings kaum jemand interessierte. „Also dachte ich mir, ich mache das wie in den Ländern, wo Futsal schon besser läuft als hier: Ich fange mit den Kindern an.“ Wo die Jugend gefördert werde, läge auch Potenzial, das für Sponsoren interessant sei, meint Vrebac.
Durch kürzere Wege in den Profibereich: Mehr Aufstiegschancen für den Nachwuchs
Also gründete er im vergangenen Jahr die Augsburger Futsalschule. „Im ersten halben Jahr hatte ich auch hier nur zwei bis vier Kinder im Training. Ich hatte schon fast wieder aufgegeben“, erzählt der Trainer. Doch seit ein paar Monaten läuft es unerwartet gut: Mittlerweile trainiert er über 30 Kinder zwischen sechs und 14 Jahren. Plötzlich seien Eltern auf ihn zugekommen, die wissen wollten, wie die Futsal-Karriere ihrer Kinder denn danach weitergehen könne – die Ausbildung solle sich lohnen. Schließlich fördert Futsal nicht nur den Fußball, sondern ist auch eine eigenständige Sportart, für die es seit der Saison 2021/22 die Futsal-Bundesliga als höchste Spielklasse im nationalen Bereich gibt.
Um den Nachwuchstalenten eine Zukunftsperspektive bieten zu können, gründete Vrebac, gemeinsam mit den Eltern, nun die „Futsal Dragons Augsburg“ und verfolgt dabei ambitionierte Ziele. Der Verein, der in der kommenden Saison in der Bayernliga startet, soll sich in den nächsten Jahren über die Regionalliga bis in die Bundesliga vorkämpfen. So will der Trainer seinen Schützlingen die Chance auf sportliche Weiterentwicklung bieten: „Während viele den Sprung in den Profifußball nicht schaffen, haben die Kinder im Futsal die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und in einigen Jahren hoffentlich in der Bundesliga anzutreten.“
Während der 33-Jährige von seinen Visionen erzählt, erkennt man die Begeisterung in seinem Blick. Er sei überzeugt, dass man mit dem Futsal hunderte Zuschauer anlocken könne, wenn man zu den ersten Heimspieltagen genug Leute animieren würde. Vrebac malt sich aus, wie in einer kleineren Sporthalle so dieselbe Atmosphäre entstehe wie im ausverkauften Stadion. In Augsburg gebe es zwar Profisport, Vrebac jedoch träumt von mehr. Grinsend fragt er: „Was gäbe es Schöneres als die Perspektive, dass hier ein Futsal Champions League-Team entsteht?“
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Wolkje Lenz
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