Nostalgiker fühlten sich an die Duelle eine Liga höher erinnert: In einem packenden Spiel trotzten Bayers abstiegsbedrohte Handballerinen dem zuhause bislang makellosen Primus HC Leipzig in dessen Halle einen hochverdienten Punkt ab. Auf das sensationelle 31:31 (18:13) feierte der krasse Außenseiter zu Recht ausgelassen – obwohl bei langer eigener Führung mit bis zu sechs Treffern (zuletzt beim 17:23) sogar ein Sieg möglich gewesen wäre.

Dass sich das Remis nicht wie eine Niederlage anfühlte, lag auch am Verlauf der Schlussphase und dem Umstand, dass die Elfen wenige Sekunden vor dem Ende mit leeren Händen dazustehen drohten. In den fünf finalen Spielminuten schwanden mit etwas Nervosität und viel Pech auch die letzten drei Treffer Vorsprung Tor um Tor dahin. Mit Ballbesitz bei ausgeglichenem Spielstand ging es schließlich in die Schlussminute, wo erst ein Offensivfoul gegen die Gäste gepfiffen wurde und der HCL zehn Sekunden vor Abpfiff erstmals seit langer Zeit in Führung ging. Aber die Schützlinge von Trainerin Sybille Gruner gaben nicht auf und wurden dafür belohnt. Mit der Schlusssirene glich Britt van der Baan, die kurz zuvor noch am Lattenkreuz gescheitert war, den Spielstand aus.

Torhüterin Muth wird Spielerin des Spiels

„Ich hätte zwar auch gerne zwei Punkte mitgenommen, aber ich bin sehr stolz auf diese tolle Teamleistung, für die wir uns zu guter Letzt, Gott sei Dank, auch noch belohnt haben“, sagte Gruner. Eine einzelne Spielerin herausstellen mochte sie nicht. Die Verantwortlichen entschieden sich für Torhüterin Merle Muth, zu deren zwölf Paraden drei gehaltene Siebenmeter gehörten. Als weitere Kandidatinnen für die Auszeichnung wären auch Rückraum-Ass Jessy-Marlonne Souza (acht Tore) und Kreisläuferin Annika Ingenpaß (9) infrage gekommen, gegen die Leipzigs Abwehr kein wirksames Mittel fand. HCL-Coach Erik Töpfer lobte die Leverkusenerinnen für ihre große Spielfreude, während er selbige bei seinem Team vermisste.

Mit dem Punktgewinn unterstrich das TSV-Team eindrucksvoll den eigenen Anspruch, die Rettung so klar zu schaffen, dass ihnen egal sein kann, wie hoch die Zahl der Absteiger am Ende wird. Aber auch in dieser Hinsicht war das Wochenende für die Elfen erfolgreich. Durch die Resultate in der 3. Liga steht nun fest, dass maximal ein Zweitligist absteigen wird.

Derweil kommt Schwung in die Kaderplanung für die kommende Saison. Mia Cruzado legt eine Handballpause ein, um sich auf ihr Jurastudium zu konzentrieren. Als erster Zugang unterschrieb Marie Steuerwald, hochveranlagte Linksaußen von der SG Kirchhof.

Elfen Muth (12 Paraden, davon 3 Siebenmeter, 28,6 Prozent gehaltene Bälle), Theobald – Ingenpaß (9), Gruner (4/3), Heebing, Souza (8), Cormann, Cruzado, Kreiselman, Mol (3), van der Baan (5), Gruber.