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Hamburg – In panischer Angst wollte er sich retten, verlor aber den Halt. Saif I. (†15) stürzte nach einem Überfall aus dem achten Stock eines Hamburger Hochhauses und starb. Jetzt wurden zehn Täter verurteilt. Das Gericht befand sie des besonders schweren Raubes schuldig. Sie müssen teils jahrelang ins Gefängnis.

Die Tat ereignete sich in der Nacht zum 14. April 2025 im Hamburger Stadtteil Wilstorf. Eine Gruppe junger Syrer machte sich auf den Weg zur Wohnung eines Bekannten – offenbar, um eine offene Rechnung zu begleichen.

Die Opfer hatten den Angriff nach vorherigen Drohungen bereits kommen sehen. In einer Textnachricht hatte einer der Täter angekündigt: „Ich schwöre bei Gott, ich werde den Speer in sein Herz stechen.“

Retter der Feuerwehr konnten nur noch den Tod des 15-Jährigen feststellen

Retter der Feuerwehr konnten nur noch den Tod des 15-Jährigen feststellen

Foto: Lenthe-Medien Lenthe-Medien

„Angriff wie im Horrorfilm“

Was dann folgte, beschreibt die Vorsitzende Richterin Ulrike Schönfelder als „Szene wie aus einem Horrorfilm“: Die Angreifer traten die Tür ein, einer schlug mit einer Machete die Glastür im Wohnzimmer ein. In der Wohnung brach Panik aus. Vier junge Männer im Alter von 15 bis 21 Jahren flüchteten in Todesangst auf den Balkon. Einer konnte sich noch auf einen tiefer gelegenen Balkon retten. Der 15-jährige Iraker hingegen kletterte über die Brüstung und stürzte in die Tiefe. Er starb noch am Tatort.

Der Vater kam auch mit dem Foto seines toten Sohnes zum Prozess. Begleitet wurde er von seinem Anwalt

Der Vater kam auch mit dem Foto seines toten Sohnes zum Prozess. Begleitet wurde er von seinem Anwalt

Foto: Martin Brinckmann

Die Vorsitzende Richterin Ulrike Schönfelder im Gerichtssaal

Die Vorsitzende Richterin Ulrike Schönfelder im Gerichtssaal

Foto: Marcus Brandt/dpa

Die Angreifer schlugen währenddessen auf die Opfer ein und bedrohten sie mit einem Messer. Erst als der Wohnungsinhaber verzweifelt rief: „Einer ist gestürzt, es sind Leute gestorben!“, ließen sie von ihnen ab und flüchteten.

Polizei hörte alles mit

Besonders brisant: Die Polizei hörte die Tat live mit. Einer der Angegriffenen hatte kurz zuvor den Notruf gewählt und das Handy während der Flucht einfach liegen lassen. So wurde das Geschehen über Minuten hinweg aufgezeichnet. Als ein Täter das Telefon bemerkte, meldete er sich unter falschem Namen bei der Polizei und behauptete, er sei betrunken und habe den Notruf versehentlich gewählt, bevor er einfach auflegte.

Mehr zum ThemaDas Urteil

Vor Gericht stellte sich heraus: Täter und Opfer kannten sich. Das spätere Opfer war selbst in eine schwere Straftat verwickelt: Nur zwei Tage vor der Tat soll der 15-Jährige gemeinsam mit dem späteren Rädelsführer einen Mann entführt, festgehalten und misshandelt haben.

Das Landgericht Hamburg verurteilte sieben Angeklagte zu Haftstrafen, drei weitere wegen Beihilfe. Der mutmaßliche Rädelsführer (heute 18) muss viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Die höchste Strafe erhielt ein 25-Jähriger: sechs Jahre Haft. Ein Angeklagter kam mit Bewährung davon, andere müssen sich Auflagen wie Antigewalttrainings stellen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.