Liebe Leserin, lieber Leser,
etwa
20.000 Menschen sitzen seit Beginn des Irankriegs auf mehr als 2.000
Handelsschiffen im Persischen Golf fest. Bei der Jahresbilanz des
Verbands Deutscher Reeder habe ich gestern etwas dazu gehört, das
mich erschüttert: „27 Schiffe wurden bereits direkt angegriffen“,
sagte Verbands-Präsidentin Gaby Bornheim. Das war mir neu. Bisher
hatte es oft geheißen, dass zivile Schiffe im Golf allenfalls
unbeabsichtigt von Granatsplittern getroffen worden seien. Das ist
kürzlich einem Frachter der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd passiert.
Dort brannte es im Maschinenraum, das Feuer wurde gelöscht, die Crew
kam mit einem Schrecken davon. Der Kriegsalltag auf See scheint aber
weitaus gefährlicher zu sein. Laut VDR beschießt das iranische
Militär auch Schiffe unbeteiligter Nationen mit Raketen und Drohnen
aus der Luft und sogar mit Unterwasserdrohnen. „Es hat Verletzte und
Tote gegeben“, sagte Bornheim. Auf den Schiffen im Golf liegt nachts
die Angst mit in den Kojen.
Gaby
Bornheim muss die Lage täglich neu bewerten und managen. Sie sitzt
in der Geschäftsführung der Peter
Döhle Schiffahrts-KG.
Drei Containerschiffe der Hamburger Traditionsreederei hängen im
Golf fest. In einem Gebiet so groß wie England versuchen die
Kapitäne seit Ende Februar, ihre Schiffe vor den Aggressoren zu
verstecken. Und so ankern die Frachter mal in Küstennähe auf See,
mal driften sie weite Strecken, mal fahren sie ein paar Seemeilen
weiter. Alles, um nicht ins Visier des Iran zu geraten. „Um nicht
gesehen zu werden, fahren die Schiffe teilweise ohne GPS“, sagte
Bornheim.
Aussicht
auf Besserung besteht kaum. Am Wochenende hatte US-Präsident Donald
Trump damit gedroht, er werde Irans Atomkraftwerke zerstören, wenn
der Iran nicht binnen 48 Stunden die Straße von Hormus vollständig
für den Schiffsverkehr öffne. Diese Meerenge ist die einzige
Zufahrt in den Golf und de facto gesperrt. Der Iran reagierte scharf:
Man werde in diesem Fall Seeminen auf allen Zugangswegen zum Persischen Golf auslegen. Gestern Mittag machte Trump einen
Rückzieher und verlängerte sein Ultimatum. Die aktuelle Lage im
Irankrieg können Sie nachlesen
im Liveblog der ZEIT.
© Pia Bublies für die ZEIT/DIE ZEIT
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Auf
den Schiffen im Golf geht das Bangen weiter. „Wenn
Besatzungsmitglieder psychisch am Ende sind, würden wir alles tun,
um sie auszufliegen“, sagte Gaby Bornheim. Noch aber harren die
Seeleute aus.
Ich wünsche Ihnen trotz
allem einen schönen Tag!
Ihre Kristina Läsker
Was heute wichtig ist
© Markus Scholz/dpa
Das
Pik As öffnet von Dienstag an wieder seine Türen für obdachlose
Männer. Die Notübernachtungsstätte
in der Neustadt wurde für knapp 30 Millionen Euro umgebaut und
erweitert.
Das Hauptgebäude bietet laut Sozialbehörde bis zu 330 Plätze.
Zusätzlich sind im Neubau Plätze mit dauerhafter Bleibe für ältere
und kranke Obdachlose entstanden.
Die
Zahl
der Gäste in Hamburg ist im Januar gestiegen.
Hotels und Pensionen meldeten einen Anstieg um 2,9 Prozent auf
499.189 Gäste, verglichen mit Dezember. 16,2 Prozent der Besucher
kamen aus dem Ausland. Die meisten stammten aus Dänemark,
Großbritannien, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz.
Die
schleswig-holsteinische Landesregierung richtet drei
neue Meeresschutzzonen in der Ostsee
ein. An der Hohwachter Bucht trete die Neuregelung heute in Kraft,
kündigte das Umweltministerium in Kiel an. Die anderen zwei
Schutzzonen an der Geltinger Bucht bis zur Schleimündung und
westlich von Fehmarn folgen im Laufe dieser Woche.
Im
April war ein 15-Jähriger in Hamburg-Wilstorf von einem
Hochhausbalkon in den Tod gestürzt – offenbar auf
der Flucht vor den Angeklagten. Nun hat das Hamburger Landgericht mehrere
junge Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren zu Haftstrafen zwischen
zwei und sechs Jahren verurteilt.
Hamburgs Verkehrsbehörde geht gegen das Chaos beim Abstellen von E-Scootern vor. Dazu hat sie an 100 Haltestellen von U-Bahnen, S-Bahnen und Bussen digitale Abstellflächen eingerichtet. Die Roller müssen genau dort abgestellt werden, ansonsten läuft die Bezahluhr weiter.
Aus Hamburg
© Marcus Brandt/dpa
„Ich weiß nicht, wie lange ich das hier noch durchhalte“
Dorothea
Metzner versorgt in Steilshoop mit ihrer Apotheke etwa
20.000 Menschen. Weil es dort zu
wenig Hausärzte gibt, ist sie oft die einzige Ansprechpartnerin. Und
am Limit. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview; die Fragen
stellte ZEIT-Redakteurin Annika Lasarzik.
Bundesweit
blieben am Montag viele
Apotheken geschlossen. Sie protestierten gegen seit Jahren
stagnierende Honorare, steigende Kosten und eine wachsende Zahl
unbezahlter Zusatzaufgaben. Wie das aussieht, zeigt sich in
Hamburg-Steilshoop: In der Hochhaussiedlung im Nordosten der Stadt
ist die ambulante Versorgung stark eingebrochen, es gibt nur noch
eine Hausarztpraxis für 20.000 Menschen. Für viele Menschen ist
Dorothea Metzner in ihrer Apotheke inzwischen die einzige
Ansprechpartnerin vor Ort – und die erste Anlaufstelle. Metzner
organisiert, vermittelt, improvisiert – und erlebt täglich, wie
sich die Lücken im Gesundheitssystem im Alltag der Menschen
niederschlagen.
DIE
ZEIT: Frau Metzner, Sie werden heute
beim bundesweiten Protesttag der Apotheken mitdemonstrieren –
allerdings nicht auf der Straße, sondern vor Ihrer Tür, weil Sie
Ihre Apotheke nicht allein lassen wollen. Warum?
Dorothea
Metzner: Wenn wir einfach schließen,
könnten die Menschen sich hier im Stadtteil Sorgen machen und
denken: Jetzt macht auch noch die Apotheke dicht. Das wollen wir
vermeiden, denn die Verunsicherung ist ohnehin groß genug. Wir
protestieren deshalb vor dem Eingang, mit Flyern, und erklären den
Menschen, worum es geht – ohne dass sie das Gefühl haben, dass
hier noch mehr wegbricht.
ZEIT:
Sie arbeiten in Steilshoop, einem der ärmsten Stadtteile Hamburgs.
Auf 20.000 Einwohner kommt dort nur eine Hausarztpraxis mit zwei
Ärzten sowie einem Kinderarzt. Sie führen die einzige Apotheke. Was
macht das mit den Menschen?
Metzner:
Viele Menschen haben keinen Hausarzt mehr oder suchen verzweifelt
eine Praxis, die sie noch aufnimmt. Der Frust ist groß und entlädt
sich bei uns. Wir erklären viel, versuchen zu helfen. Meistens
versuchen wir dann noch, die Menschen zu motivieren, sich zu
beschweren und Mails an Politiker zu schreiben, ihre Stimme zu
nutzen. Aber man spürt auch Resignation. Es gibt Leute, die sagen:
Uns hilft hier sowieso niemand mehr.
ZEIT:
Mit welchen gesundheitlichen Problemen haben die Menschen in
Steilshoop häufig zu tun?
Metzner:
Hier leben viele ältere Menschen und chronisch Kranke, die
regelmäßig betreut werden müssten – etwa weil sie
blutverdünnende Medikamente nehmen und ihre Werte kontrolliert
werden müssen. Wenn das ausbleibt, kann das im schlimmsten Fall
lebensgefährlich werden. Häufig sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen
und Bluthochdruck, aber auch Diabetes, zunehmend auch bei Jüngeren.
Und psychische Erkrankungen spielen eine große Rolle. Seit der
Pandemie geben wir sehr viele Antidepressiva aus.
Wie Dorothea Metzner versucht, auf die Versorgungslücke in Steilshoop zu
reagieren, lesen
Sie weiter in der ungekürzten Fassung. →
Zum
Artikel (Z+)
Schon gelesen?
© [M] Vartika Sharma, verw. Foto: tepapa/unsplash.com
„Gerade im Internet fühlen sich Täter sehr sicher – oft zu Recht“
Die Schauspielerin
und Moderatorin Collien Fernandes wirft ihrem Ex-Mann Christian Ulmen
sexualisierte Gewalt vor, unter anderem durch Videos, die mithilfe
von künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurden. Bisher gibt es in
Deutschland kein Gesetz, das sogenannte Deepfakes strafbar macht. Die
Juristin Ronja Sanow spricht im Interview über digitale Gewalt und
wie sich Frauen wehren können.→
Zum
Artikel (Z+)
Darauf können Sie sich freuen
Ein
paar Tickets gibt es noch: Am 25.3. lesen Sylvie Gühmann und
Sebastian Stuertz im Büchercafé
Kapitel Drei Texte aus der bei Diogenes erschienenen Sammlung „Nordsee“. Die
Veranstaltung trägt das Motto „Texte mit T“ und wird mit
ostfriesischer Teetied, plattdeutsch für „Teezeit“, begleitet.
Auch Siegfried Lenz ist im Buch vertreten, sein Text wird in einer
szenischen Lesung von den beiden Autoren und von Kurator Adrian
Asllani präsentiert.
Texte
mit T – Gühmann und Stuertz lesen Lenz und eigene Texte, 25.3., 19
h (Einlass 18.30h); Büchercafé
Kapitel Drei, Hospitalstraße 3; Tickets
online
Meine Stadt
Blöhtiet bi Heidi © Katja Zickur
Hamburger Schnack
Großvater
zur 12-jährigen Enkelin: „Derzeit haben wir die besten Aussichten:
Vor uns liegen jetzt zwei Sommer und nur ein Winter.“
Gehört
von Monika Schleith
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