Die drastische Darstellung trifft jedoch nicht mehr auf dasselbe Wählerpublikum wie vor vier Jahren: Laut einer Studie des Analyseinstituts Policy Solutions hat die Angst vor einem Krieg in Ungarn abgenommen. 2023 hatten noch 60 Prozent der Befragten diese Befürchtung, im Herbst 2025 waren es nur noch 46 Prozent.

Unter den Wählern der Tisza-Partei ist der Anteil noch geringer: „Ein Witz ist das, mehr kann ich dazu nicht sagen“, sagt eine Frau um die vierzig bei der Demo der Tisza-Partei. Ihre größte Sorge sei nicht der Krieg, sondern die Korruption im Land „und alles, was daraus folgt“.

Eine ältere Tisza-Anhängerin hält einen Krieg ebenso für ausgeschlossen: „Solange wir in der Nato sind, wird es meiner Meinung nach keinen Krieg geben. Das ist nur Propaganda.“ Ihrer Meinung nach hat die Orbán-Partei nichts mehr, womit sie Wahlkampf betreiben könnte.

Harter Kampf um unentschlossene Wähler

Dass das Angstschüren nicht mehr wie im Jahr 2022 verfängt, bestätigt auch der Politologe Győri: „Auf einen relativ großen Teil der Bevölkerung, selbst auf manche Fidesz-Wähler, wirkt dieses Argument nicht mehr. Kriegsängste sind zwar noch da, jedoch ist das keine Priorität mehr, vor allem vor dem Hintergrund der Lebenshaltungskosten und der Wirtschaftslage.“

Laut Győri kämpfen die beiden Lager in den letzten Wochen vor allem um die letzten unentschlossenen Wähler. Sie seien es, wegen denen die Regierung ihre kriegerischen Botschaften verstärke. Auf welcher Grundlage sich die Unentschlossenen entscheiden werden, lässt sich bis zur Wahl nicht sagen.

Selbst manche Besucher der Fidesz-Demo vor dem Parlamentsgebäude lässt die Kriegsrhetorik kalt. „Ich bin gekommen, um dem Ministerpräsidenten zuzuhören, ob er etwas Neues zu sagen hat“, sagt ein Mann in den Zwanzigern. Angst vor dem Krieg habe er nicht – dieses Szenario halte er derzeit für unrealistisch.