Mit schwerem Gerät abgebaut: Großplastik „Lobotchevksy“ vor dem Treffpunkt Rotebühlplatz Foto: MAX KOVALENKO
Ein Stuttgart-Wahrzeichen ist in Einzelteile zerlegt: die Großskulptur „Lobotchevsky“ vor dem Treffpunkt Rotebühlplatz. Im Herbst soll das Werk von Mark di Suvero zurückkehren.
Baustellen hat Stuttgart fürwahr genug. Kein Wunder also. wenn am Dienstagvormittag die Absperrungen vor dem Treffpunkt Rotebühlplatz auch für Unmut unter Passanten führt. Das „schon wieder“ ist indes schnell erklärt: Die Großplastik des US-amerikanischen Bildhauers Mark di Suvero, längst ein Stuttgarter Wahrzeichen, wird für eine umfassende Restaurierung abgebaut.
Mobile Kranwagen der Schelklinger „Höhenzugang“-Spezialisten Stützle-Späth sind bereit, einzelne Teile der Großskulptur anzuheben. Die gute Nachricht kommt bald – die Verbindungsschrauben lassen sich alle überraschend gut lösen. Einzig bei den geschweißten Verankerungen in den Bodenplatten müssen die Restaurierungs-Spezialisten der Regensburger Firma Haber & Brandner GmbH denn doch zum Schweißbrenner greifen. Wie bemerkte doch die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Stuttgarter Gemeinderat, Stadträtin Rose von Stein, am Dienstag: „Als wir Freie Wähler Ende 2023 im Bezirksbeirat Stuttgart-Mitte den Antrag gestellt haben, den roten Schutzanstrich der Skulptur ‚Lobotchevsky‘ zu erneuern, war uns ehrlich gesagt nicht klar, was das einmal nach sich ziehen würde“.
Drei Jahre und viele Verwaltungsabläufe später schweben die Teile von Mark di Suveros Kunstwerk einer „guten Zukunft“ entgegen, sagt Marc Gegenfurtner am Dienstag. Sechs Monate soll die Restaurierung dauern. Und manches, was durch einen 2024 ausgesprochenen Denkmalschutz äußerst kompliziert schien, hat sich durch das von Mark di Suvero wahrgenommene Urheberrecht wieder vereinfacht. So wird etwa auf Wunsch des Künstlers die stark verblasste und in Mitleidenschaft gezogene Lackierung per Sandstrahl entfernt. Für den richtigen Ton des für Di Suvero typischen leuchtenden Rot hat sich das Team Kunst im öffentlichen Raum im Kulturamt prominente Hilfe geholt. Das Getty-Museum in New York lieferte die originale Farbe als Probe.
Feinarbeit in der Höhe Foto: MAX KOVALENKO
Seit 1990 steht die mehr als acht Meter hohe Stahl-Skulptur vor dem Treffpunkt Rotebühlplatz. Mit dem Titel „Lobotchevsky“ nimmt der Künstler Mark di Suvero Bezug auf den russischen Mathematiker Nicolai Ivanovich Lobotchevsky (1793-1856). Untrennbar ist „Lobotchevsky“ mit dem Württembergischen Kunstverein Stuttgart verbunden. Im Sommer 1988 präsentierte der damalige Kunstvereinsdirektor Tilman Osterwold im Kunstgebäude am Schlossplatz und auf den Freiflächen um den Eckensee die bis heute größte Ausstellung mit Werken von Mark di Suvero in Deutschland. Osterwold hoffte vor allem auf einen Ankauf des spektakulär im Eckensee platzierten Werks, die Stadt entscheidet sich schließlich für „Lobotchevsky“. 1988 vor dem Opernhaus platziert, hat „Lobotchevsky“ mit Eröffnung des Treffpunkt Rotebühlplatz seit 1990 seinen Platz vor dem inzwischen selbst als Sanierungsfall identifizierten generations- und themenübergreifenden Weiterbildungsforum. Was für das Team Kunst im öffentlichen Raum „ein besonderer Schatz“ war: Der Kunstverein verfüge über „ein tolles Archiv“ – gerade auch zum Aufbau von „Lobotschevsky“ 1988 in Stuttgart. „Eine große Hilfe“ für die Vorbereitung der Rettung des tänzelnen Riesen.
Finanzierung der „Lobotschevsky“-Restaurierung noch vor dem Sparhaushalt
„Gerade noch rechtzeitig“, sagt Marc Gegenfurtner, während das für den Eindruck der Bewegung der Großskulptur zentrale Kreiselement entfernt wird, habe man 2025 und damit noch vor der Entscheidung über den Spar-Doppelhaushalt 2026/2027 die Mittel für die Restaurierung freigeben und die Ausschreibung für die Restaurierung durchführen können. „Ein Kraftakt“ sei das gewesen. Das provoziert auch Lob aus dem Gemeinderat. „Es freut uns“, sagt Rose von Stein für die Freien Wähler, „dass die Maßnahme jetzt unter der Ägide des Kulturamts durchgeführt wird und die Großplastik im Herbst an ihren angestammten Ort zurückkehren soll“. Und von Stein ergänzt: „Wir sind uns sicher, dass die Plastik ganz anders wirken wird, wenn sie dann in neuem Glanz und leuchtendem Feuerrot vor dem Treffpunkt Rotebühlplatz steht.“
Die Fundamente von „Lobotchevsky“ bleiben gesichert
Die gute Nachricht für alle, die zu Fuß und mit dem Rad unterwegs sind – am Mittwoch, 25. März, werden die Wege wieder weitgehend frei sein. Gesichert werden müssen jedoch die Bereiche um die „Lobotchevsky“-Fundamente.