Montag: Gedichte und Naschereien
Der Münchner Schriftsteller Friedrich Ani hat einen neuen Gedichteband geschrieben, der im Herbst erscheinen wird. Alessandra Schellnegger
Die Karwoche beginnt für mich mit einem verlegerischen Highlight, denn ich treffe den Schriftsteller Friedrich Ani im Café Nash beim Stadtmuseum. Bei leckeren Naschereien aus der levantinischen Küche sprechen wir über ein neues Buchprojekt. Im Herbst wird sein Tanka-Band „Drüben tanzt ein Luftikus“ im Allitera Verlag erscheinen. So ein japanisches Kurzgedicht umfasst stets 31 Silben in fünf Versen; sehr streng in der Form und doch so inhaltsreich. Passend zum Wochenbeginn habe ich ein Tanka von Ani herausgepickt:
Abend hetzt herbei / Erst Montag und schon wieder / kippt die Woche um / Dem Regen draußen trotzen / oder drinnen Gras zum Trotz
Dienstag: Beim Lieblingsantiquar
Im Antiquariat Thomas Rezek in der Amalienstraße kann man innen und auch draußen nach Büchern stöbern, sogar im Winter. Florian Peljak
Weil die Woche schon so lyrisch begonnen hat, mach’ ich heute gleich so weiter und gehe abends ins Lyrik-Kabinett zu „Poetry in Motion“. Ich bin gespannt, wie sich die Nachwuchs-Slammerin Svea Paul gegen die Etablierten Sebastian 23 und Anuraj Sri Rajarajendran macht. Moderator Ko Bylanzky kenne ich seit der Studienzeit von legendären Slam-Abenden im „Substanz“. Am DJ-Pult sorgt Simian Keiser für zündenden Sound. Lyrik und Musik. Lyrik ist Musik. Klingt gut, in jedem Sinne. Und weil ich berufsbedingt ein Faible für schöne Bücher habe, schaue ich vorher noch bei meinem Lieblingsantiquar Thomas Rezek in der Amalienstraße vorbei – sicher find’ ich dort noch eine Preziose für das heimische Bücherregal oder einen schönen Kupferstich.
Mittwoch: Landleben wie früher
Beliebtes Familien-Ausflugsziel: Das Markus-Wasmeier-Freilichtmuseum in Schliersee ist eine Begegnungsstätte für Kultur, Tradition und Handwerk. Alexander Strathern
Heute freu ich mich gleich doppelt! Ich darf einen Ausflug an den schönen Schliersee machen und dort den Autor Hans Glanz treffen. Mit großer Begeisterung erzählt er bei seinen Führungen durch das Markus-Wasmeier-Freilichtmuseum spannende Geschichten aus dem Bayern des 18. Jahrhunderts. Das macht er so ausführlich und detailreich, dass er ein ganzes Buch damit füllen konnte. „Acker, Aberglaube, Ablassbrief“ erscheint Ende April im Allitera Verlag. Heute klären wir letzte Details der Buchpräsentation und stoßen im Anschluss mit einem der traditionell geschöpften Biere in der Tenne an. Aber Vorsicht vorm Wasinator! Der klingt nicht nur so rasant wie damals Wasi zu seinen schnellsten Zeiten. Er ist’s auch: 7,4 Vol.%!
Donnerstag: Abschied vom „Tatort“
Udo Wachtveitl (links, mit Miroslav Nemec) verrät in einem Gespräch im Bergson unter anderem, wie es für ihn nach dem letzten „Tatort“ weitergeht. BR/NEUESUPER GmbH/Hendrik Heiden
Ich war noch nie in der vielleicht hipsten Kulturlocation Münchens, dem Bergson Kunstkraftwerk in Aubing. Das wird sich heute Abend endlich ändern, denn ich geh’ zum Actors Talk mit Udo Wachtveitl aka Hauptkommissar Franz Leitmayr. Sage und schreibe 100 „Tatorte“ hat Wachtveitl mit Miroslav Nemec (aka Ivo Batic) seit 1991 gedreht. Viele der Drehbücher hat übrigens eingangs erwähnter Fritz Ani geschrieben. Ich bin schon sehr gespannt, was Wachtveitl in diesem Gespräch mit dem ehemaligen Bunte-Ressortleiter Fernsehen/Medien Georg Seitz alles verrät und wie es für ihn nach dieser Ära weitergehen wird. Der letzte Münchner Tatort mit beiden, „Unverfänglich“, wird am Sonntag, 5., und Montag, 6. April in einer Doppelfolge in der ARD ausgestrahlt, diese beiden Termine sind natürlich Pflicht für alle Tatort-Fans. Das war es dann, leider!
Freitag: Spaziergang und Fischessen
Im Gasthaus „Zum Fischmeister“ in Ambach wird traditionell bayerische Küche und Fisch serviert. Besonders schön sitzt es sich im Biergarten direkt am Starnberger See. Hartmut Pöstges
Karfreitag kann ich mir ohne ein traditionelles Fischessen tatsächlich nicht vorstellen. Heuer zieht es uns an den Starnberger See zum Fischmeister nach Ambach. Kann gut sein, dass ich zufällig unseren Autor und Musikkabarettisten Josef Brustmann treffe, der dort gern auf einen Kaffee vorbeischaut, um an neuen Texten zu arbeiten. Nach seinem lesenswerten Bestseller „Jeder ist wer“ vielleicht an einem neuen Buch. Beim Spaziergang zum Ambacher Erholungsgebiet schauen wir dem Frühling beim Ankommen zu. Schon lange auf dem Programm steht abends die Matthäus-Passion in der Matthäuskirche. Drei Stunden tiefgründige Bach-Musik sind nicht nur bewegend, sondern mein absolutes Highlight im kirchenmusikalischen Jahr. Zwei Chöre, zwei Orchester, sieben Solostimmen – gewaltig!
Samstag: Giesinger Kultkneipe
Braumeister Oskar Benkert braut im „Café Schaumamoi“ ein eigenes Helles für das Lokal. Mark Siaulys Pfeiffer
Am heutigen Samstag gibt’s das absolute Kontrastprogramm zur Hochkultur. Es steht das Drittligaspiel der Löwen gegen Waldhof Mannheim an – und das muss ich sehen. Unter uns (bleibt aber bitte ein Geheimnis): Ich bin gar kein Sechzger, sondern ein Roter, aber ab und zu gehe ich gern mit meinen blauen Spezln (laut SZ-Kommentar vom 7. März „Fußball-Masochisten“) ins Grünwalder Stadion. Vorher gibt’s traditionell ein Bier im „Café Schaumamoi“, das in einem ehemaligen Trambahnhäusl in der Tegernseer Landstraße beheimatet ist. Dass mitten in der Stadt ein Stadion steht, das ist schon phänomenal und darum beneidet jeder Bayernfan den ewigen – oder ehemaligen? – Kontrahenten. Aber nur insgeheim, versteht sich.
Sonntag: Osterspaziergang
Heute geht’s nach Nymphenburg in den Schlosspark zum Osterspaziergang. Ich liebe diese weitläufige Parkanlage, diese Einheit von Kunst- und Naturraum. Noch mehr, seit ich lernen durfte, wie viel Ingenieurskunst hinter dieser prachtvollen Fassade steckt. Wen das auch interessiert, der kann es im Buch „Physik im Schlosspark“ nachlesen. Um die teils exzentrischen Wünsche der bayerischen Herrscher zu erfüllen, wurden meterhohe Wasserfontänen, komplexe Kanalsysteme und ausgeklügelte Beleuchtungskonzepte konstruiert, teils nach dem Vorbild von Sanssouci und Versailles. Die beeindruckende Technik funktioniert bis heute. Wir schlendern vom Schloss über das „Dörfchen“ zu den Kaskaden und genießen zwischendurch das ein oder andere Schoko-Osterei, das uns der Hase in der Früh ins Nest gelegt hat.
Der Leiter des Allitera-Verlags Alexander Strathern. privat
Der gebürtige Münchner Alexander Strathern studierte Germanistik und Italianistik an der LMU und ist seit mehr als 15 Jahren Verleger des Münchner Allitera Verlags. Unter seiner Leitung hat sich Allitera als Publikumsverlag für anspruchsvolle Bavarica- und Monacensia-Literatur etabliert. Sein besonderes Interesse gilt der kulturellen Geschichte Bayerns und Münchens, insbesondere der Aufarbeitung der Zeit unter dem Nationalsozialismus sowie der zeitgemäßen Vermittlung regionaler Themen. Strathern versteht „Heimat“ als kulturelles Thema der Gegenwart – jenseits von Folklore und konservativer Verklärung. Allitera wurde 2025 mit dem Verlagspreis des Freistaats Bayern ausgezeichnet, unter anderem für das Vorhaben, die erstmalige Edition sämtlicher Tagebücher von Sophie Scholl zu verlegen.